Künstliches Hüftgelenk: Es besteht aus dem Hüftschaft, Kugelkopf, Hüftpfanne mit Pfanneneinsat (Bild: imago/Jochen Tack)
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- Wenn ein Prothesenwechsel nötig ist

Immer mehr Menschen erhalten ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. Früher erhofften sich Prothesenträger davon vor allem einen schmerzfreien Alltag. Heute wollen auch ältere Menschen länger sportlich aktiv bleiben. So entscheiden sich auch immer mehr für eine Prothese, die jünger sind als 60 Jahre.

Längere Haltbarkeit der Gelenke und fortschrittliche OP-Techniken machen die Kunstgelenke zwar attraktiv. Doch rund zehn Prozent der jährlich durchgeführten Eingriffe sind Wechseloperationen: das Kunstgelenk muss ausgetauscht werden. Was aber sind die Gründe für eine Revision? Materialfehler sind heute eher selten geworden, so dass frühestens nach 20 Jahren deshalb Probleme zu erwarten sind. Muss eine Prothese deutlich eher gewechselt werden, kann das ganz unterschiedliche Gründe haben.

Beispiel Implantationsfehler am Kniegelenk: Viel mehr als bei anderen Gelenken kommt es hier neben Material und Technik auch stark auf das Können des Chirurgen an. Es ist eine hohe Kunst, die ohnehin fragile Gelenkmechanik mit einer Prothese wieder herzustellen. Häufig sitzt das Kunstknie nicht genau – Schmerzen und eine Lockerung sind die Folge. Um sich zu orientieren, ob die Erfahrung des Operateurs für einen solchen Eingriff ausreicht, sollte der Orthopäde mindestens 50 Prothesen im Jahr einsetzen.

Erste Anzeichen für Probleme mit dem Kunstgelenk sind Schmerzen. Beim Hüftgelenk sind die Beschwerden, die von der Pfanne ausgelöst werden, häufig unspezifischer als die Schaftschmerzen. Deswegen werden sie auch später erkannt. Wenn Patienten zu spät kommen, sind häufig bereits Knochendefekte vorhanden. Sie müssen dann durch Fremdknochen oder durch einen metallischen Aufbau rekonstruiert werden.

Gelenkinfektionen sollten zielgerichtet bekämpft werden

10 bis 20 Jahre dauert es normalerweise, bis ein Gelenk getauscht werden muss. Ein früherer Wechsel spricht für eine Gelenkinfektion. Bei einer Infektion handelt es sich nicht nur um Entzündungen in unmittelbarer Folge des Eingriffs, sondern in der Zeit danach. Bakterien treten meist über die Haut in den Organismus ein, häufiger noch infolge von Lungenentzündungen, Harnwegs- oder Atemwegsinfekten. Eine harmlose Erkältung oder eine Parodontitis-Behandlung kann sich also auf das Kunstgelenk auswirken.

Bakterien können immer in den Körper gelangen. Normalerweise ist das Immunsystem in der Lage, sie sofort zu eliminieren. An Prothesen können solche Bakterien sich jedoch anhaften und unter einem schützenden Bio-Film festsetzen. Dort sind sie sowohl vor dem Immunsystem geschützt als auch vor Antibiotika.  

Je nachdem wie lange die Keime schon auf der Prothese siedeln, werden entweder Teile oder das gesamte Kunstgelenk ausgebaut. In der Zeit, in der die Metall- oder Keramikstütze fehlt, muss der Patient im Bett bleiben. Bei vielen Patienten geht es aber inzwischen schneller – in einer einzigen OP. Man nimmt das infizierte Gelenk raus, macht alles sauber, spült das Ganze und kann in der gleichen Sitzung ein neues Gelenk implantieren. Das ist möglich, ist aber etwas abhängig von dem Keimspektrum. Vorteil: Der Patient muss nicht mehr ohne Gelenk Wochen auf die zweite OP warten.

Beitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

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