Hände einer unter Arthrose leidenden Frau (Quelle: imago/imagebroker)
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- Schmerzende Hände - was steckt dahinter?

Unsere Hände sind ein wahres Wunderwerk der Natur: 36 Gelenke und 27 Knochen, verbunden durch Sehnen und Bindegewebe, beweglich gemacht durch 39 Muskeln. Wir können damit sanft streicheln, aber auch fest zugreifen. Umso gravierender ist es, wenn die Hände schmerzen und der Schmerz den Alltag beherrscht.  

Handschmerzen sollte man unbedingt ernst nehmen und Beschwerden frühzeitig vom Arzt abklären lassen. Denn nur bei einer rechtzeitigen Diagnose und Therapie lassen sich Komplikationen und Probleme vermeiden. Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt. Der kann dann weiter überweisen zum Orthopäden oder Rheumatologen.  

Unterschiedliche Ursachen

Je nachdem, wo die Hand genau schmerzt, sind die Ursachen für die Beschwerden ganz unterschiedlich. Stecken sie im Bereich der Handfläche, kann es sich beispielsweise um einen Bruch des Kahnbeins handeln. Dieser Handwurzelknochen kann bei einem Arbeits- oder Sportunfall in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch ein Bruch wird dort nicht selten übersehen. Dabei gehört er zu den häufigsten Komplikationen bei einem Arbeits- oder Sportunfall, vor allem bei jüngeren Patienten. Ein plötzlich auftretender starker Schmerz kann der Hinweis auf eine Sehnenscheidenentzündung sein. Typisch ist auch, dass die Hand dabei völlig gesund aussieht, bei Bewegung jedoch stark schmerzt.
Eine Arthrose, also der Verschleiß des gelenkschützenden Knorpels, ist eine der häufigsten Ursachen für Handschmerzen. Zwar kann man die Abnutzung meist nicht mehr rückgängig machen, sie lässt sich jedoch oftmals stoppen oder zumindest hinauszögern.

Verschiedene Wege der Diagnose

Um der richtigen Diagnose auf die Spur zu kommen, ist eine gründliche Untersuchung der Hände notwendig. Der Arzt tastet dabei genau, welche Gelenke schmerzen, denn dies ist bereits ein Hinweis auf die Ursache der Beschwerden. So sind bei einer Arthrose typischerweise eher die Endgelenke der Finger schmerzhaft, sowie das Daumensattelgelenk. Bei einer Arthritis, also einer Gelenkentzündung sind es eher die Fingergrund- und Fingermittelgelenke, die betroffen sind. Das gilt jedoch auch für die Gicht.

Weiterführende Untersuchungen sind dann Röntgenaufnahmen. Je nachdem wie diese bisherigen Ergebnisse ausfallen, können weitere bildgebende Verfahren ergänzt werden wie Kernspin, Knochenszintigraphie oder ein Rheuma-Scan. Dieses schonende High-Tech-Verfahren wird jedoch von den meisten Krankenkassen noch nicht bezahlt.

Handarthroskopie - wissen, was los ist

Nicht immer finden die Ärzte mit den genannten Methoden heraus, woher die Schmerzen stammen. Die Handchirurgen im Berliner Krankenhaus Waldfriede bieten eine schonende operative Methode an, um in das Handgelenk zu schauen und eine genaue Diagnose zu stellen: die Handgelenksarthroskopie. Über zwei Schnitte, die nur einige Millimeter klein sind, kann der Arzt das Innere des Handgelenks genau inspizieren. Liegen Bandverletzungen oder freie Gelenkkörper, kann er diese auch direkt arthroskopisch behandeln. So kommen etwa "Shaver" zum Glätten von Oberflächen, Zangen und Stanzen zum Entfernen von entzündlichem Gewebe oder Hohlnadeln zur Durchführung von Nähten zum Einsatz. Für den Eingriff ist keine Vollnarkose notwendig. Vielmehr wird das Nervengeflecht im Bereich der Achselhöhle betäubt. Die sogenannte Armplexus-Anästhesie betäubt wirksam den ganzen Arm.

Diskusbeschädigung (Läsion des Diskus triangularis (TFCC)

Die Patientin im Film hat seit fast zwei Jahren Schmerzen im linken Handgelenk, die vor allem beim Greifen oder Schlüssel drehen auftreten. Der behandelnde Arzt hat eine Vermutung: eine Diskusbeschädigung. Eine Handgelenksarthroskopie soll Gewissheit geben.
Das lateinische Wort "Diskus" bedeutet Scheibe, "triangularis" heißt dreieckig. Die dreieckige Knorpel-Band-Struktur, die diese Bezeichnung trägt, liegt zwischen Elle, Speiche und den Handwurzelknochen. Sie dient als Druckpolster zwischen Handwurzel- und Unterarmknochen, die Funktion kann man mit der der Menisken im Kniegelenk vergleichen. Meist ist es ein Unfall, der zum Einriss des triangulären fibrokartilaginären Komplexes (TFCC) führt. Manchmal kann es auch eine Fehlbelastung im Handgelenk sein, die zum Verschleiß und später zu Läsionen in der Knorpelscheibe führt.

Handelt es sich um eine leichte Läsion mit kleinen Einrissen, wird der Diskus nur geglättet. Aber auch komplett eingerissene oder abgerissene Teile des Diskus kann der Arzt arthroskopisch therapieren. Die Arthroskopie erfolgt ambulant und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Im Anschluss an den Eingriff wird die Hand drei Wochen ruhig gestellt, damit die Verletzung ausheilen kann. Mit Hilfe von Physiotherapie und langsamem Belastungsaufbau wird die Hand danach wieder aufgebaut.

Beiträge: Erika Brettschneider, Lucia Hennerici
Infotext: Constanze Löffler

Service

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