Hand zeichnet Kurve auf Glas
Bild: Colourbox/Passakorn Vejchayachai

- Wenn der Herzschlag flattert

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern. Sie lässt sich mit Medikamenten oder durch das Veröden von Leitungsfasern am Herzen behandeln. Die rbb PRAXIS ist live dabei, wenn die Spezialisten am Evangelischen Krankenhaus Hubertus bei einem Patienten eine sogenannte Katheterablation – so heißt die Verödung unter Fachleuten – durchführen.

Taktgeber für unseren Herzschlag ist der Sinusknoten: Er sendet elektrische Impulse, so dass das Herz regelmäßig schlägt. Beim Vorhofflimmern verlaufen die elektrischen Impulse im Bereich der Herzvorhöfe ungeordnet: Der Vorhof kontrahiert sich nicht mehr richtig, sondern „flimmert“ mit einer Frequenz von bis zu 500 Mal pro Minute. Ursache sind meist kreisende Erregungsströme, die an der Einmündung der vier Lungenvenen ins Herz entstehen. Das Muskelgewebe des Herzvorhofes zuckt statt regulär zu schlagen.

Volkskrankheit Vorhofflimmern

Da diese Vorhofaktionen nur noch zum Teil und unregelmäßig auf die Kammern übergeleitet werden, verliert das Herz einen Großteil seiner Schlagkraft. Folgen sind ein niedriger Blutdruck und allgemeine Schwäche. Auch Luftnot, Herzschmerzen, Übelkeit oder Herzstolpern sind typische Symptome. Manche Patienten spüren aber auch gar keine Symptome.
Das Vorhofflimmern ist weit verbreitetet: Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. Sieben von zehn Betroffen sind zwischen 65 und 85 Jahre alt. Im Schnitt entwickelt jeder vierte Deutsche im Laufe seines Lebens die Rhythmusstörung.

Gefahr Schlaganfall

Die größte Gefahr beim unbehandelten oder unentdeckten Vorhofflimmern ist das Auftreten eines Schlaganfalls. Die Gefahr für einen Schlaganfall ist im Vergleich zu Menschen ohne Herzrhythmusstörung um das bis zu Siebenfache erhöht. Warum? Durch das hochfrequente Zittern der Vorhöfe werden flüssige und feste Bestandteile des Blutes im Herzen nicht mehr ausreichend durchmischt, so dass sich Gerinnsel bilden. Das Herz pumpt den Blutpfropfen in die Blutbahn, er gelangt ins Gehirn und verschließt dort ein Gefäß. Jedes Jahr verursacht das Vorhofflimmern so etwa 30.000 Schlaganfälle.

Zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten

Patienten mit einem neu aufgetretenen Vorhofflimmern sollten einen Arzt aufsuchen, damit er ihnen Blutverdünner rezeptiert. Sie verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden. Mit rhythmusstabilisierenden Medikamenten lässt sich das Vorhofflimmern eindämmen. Normalisiert sich der Herzschlag unter den Pillen nicht, wird eine Katheterablation oder Verödung durchgeführt.

Katheterablation – Eingriff mit Grenzen

Dafür schiebt der Kardiologe bei örtlicher Betäubung dem Patienten über die Leiste einen Katheter bis zum Vorhof vor. Dort sucht er die Stelle, an der die Erregung fehlgeleitet ist und verkocht sie mit hochfrequentem Strom oder zerstört sie mittels Kälte. Dadurch können sich die Impulse nicht weiter ausbreiten. Das Verfahren erfolgt unter Röntgenkontrolle. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland etwa 60.000 Katheterablationen bei Vorhofflimmern durchgeführt.

Was viele nicht wissen: Meist reicht eine einzige Verödung nicht aus, um den unregelmäßigen Herzschlag nachhaltig einzudämmen. Vor allem bei stark Übergewichtigen tritt das Vorhofflimmern meist wieder auf. Studien zufolge haben allerdings etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten seltener erneute Rhythmusstörungen. Daten zur Langzeitwirksamkeit gibt es nur wenige.

Der Eingriff ist nicht ganz nebenwirkungsfrei: Gesunde Strukturen können geschädigt oder ein notwendiger Leitungsstrang unterbrochen werden. Dann benötigt der Patient einen Herzschrittmacher.

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