Notarzteinsatz auf Verdacht eines Herzinfarktes (Quelle: imago/argum)
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Deutschen Herzstiftung - Herzbericht 2017

Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist in keinem anderen Bundesland so hoch wie in Brandenburg. Aber warum? Zwar sterben bundesweit und auch in Brandenburg dank moderner Herzmedizin heute deutlich weniger Menschen an einem Infarkt als noch in den 1990er Jahren. Aber leben die Brandenburger so herzungesund? Welche Präventionsmaßnahmen sind wirksam – und wie erkennt man die Warnsignale?

Der Herzbericht der Deutschen Herzstiftung 2017 ist Mitte Januar erschienen. Er zeigt auf, dass in Brandenburg im Vergleich zu den restlichen Bundesländern die meisten Herzinfarkttoten zu beklagen sind. In der Region sterben 83 Menschen pro 100.000 Einwohner – und damit fast doppelt so wie in Schleswig-Holstein (42). Das zeigt, dass Bundesländer mit der geringsten Kardiologendichte zugleich gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpfen. Das ist ein Fakt – seit vielen Jahren.

Aber: Ein Patient mit einem Infarkt ist in einer brandenburgischen Klinik ebenso gut versorgt wie in einem der anderen Länder, so das Brandenburger Gesundheitsministerium. Auch sei Brandenburg hinsichtlich der Vorbeugung von Herzkrankheiten sehr engagiert. Ein Defizit in der Aufklärung habe man in Brandenburg ebenfalls nicht. Möglicherweise könnten die Fahrzeiten der Rettungswagen (Stichwort: Flächenland) zu der erhöhten Sterblichkeit bei Herzinfarkten führen – wobei in Brandenburg besonders die telemedizinische Betreuung schon im Rettungswagen vorbildlich ist. Es liegt, wie so oft, an jedem Einzelnen, seinen Lebensstil günstig zu verändern, so das Gesundheitsministerium.

Was kann der Einzelne gegen die Gefahr für einen Herzinfarkt tun?

Der Herzinfarkt ist die schwerwiegendste Komplikation der koronaren Herzerkrankung (KHK). Ihr lässt sich vorbeugen:
• Gewichtsregulierung bei Übergewicht
• Nikotin- und Alkoholabstinenz
• Behandlung des Bluthockdrucks
• Medikamente und Diät bei Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörung oder Gicht
• Regelmäßiges körperliches Training
• Abbau von psychischen Stressfaktoren

Auch wer alle Regeln einhält, wird sich – vor allem bei genetischer Vorbelastung – nicht hundertprozentig vor Gefäßerkrankungen und Herzinfarkten schützen können. Doch in den allermeisten Fällen lassen sich der Verlauf einer koronaren Herzkrankheit (kurz KHK) und die Herzinfarkthäufigkeit günstig beeinflussen.

Warnzeichen frühzeitig erkennen

Menschen, die gefährdet für einen Herzinfarkt sind – sei es infolge von Vorerkrankungen oder einem ererbten Krankheitsrisiko – sollten sich auch ohne Beschwerden regelmäßig beim Arzt untersuchen lassen. Durch Belastungsuntersuchungen wie Belastungs-EKG, Stressultraschalluntersuchung oder Thalliumszintigraphie können Hinweise auf latent bestehende Probleme an den Herzkranzgefäßen oder einen drohenden Herzinfarkt erkannt und frühzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Wie erkennt man einen Herzinfarkt?

Rufen Sie bei diesen Anzeichen einen Notarzt (adaptiert nach den Empfehlungen der Deutschen Herzstiftung):

• Starke Schmerzen, die mindestens fünf Minuten dauern. Die Schmerzen können in die Arme, den Oberbauch, zwischen die Schulterblätter in den Rücken oder in den Hals und Kiefer ausstrahlen.

• Massives Engegefühl und heftiger Druck im Herzbereich. Viele haben das Gefühl, dass ihnen ein Elefant auf der Brust steht.

• Heftiges Brennen statt typischer Schmerzen.

• Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch zählen zu den „unspezifischen Anzeichen“. Sie treten vor allem bei Frauen häufiger auf. Frauen empfinden oft vor allem eine unspezifische Müdigkeit. Sie müssen besonders wachsam sein, um einen Infarkt zu erkennen. Empfehlung der Deutschen Herzstiftung: immer dann den Notarzt (-112) zu rufen, wenn diese unspezifischen Beschwerden in zuvor noch nie erlebtem Ausmaß auftreten.

• Angstschweiß mit kalter, fahler Haut, die mit einer blassen/fahlen Gesichtsfarbe und Kaltschweißigkeit einhergehen.

Filmbeitrag: Stefan Sperfeld
Infotext: Constanze Löffler

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