Teelöffel auf einem Glas Naturjoghurt (Quelle: imago/Anka Agency International)
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- Joghurt als Medizin: Darmflora unterstützen

Nach einer Antibiotika-Therapie leiden bis zu zwei Drittel der Patienten an Durchfällen. Denn Antibiotika zerstören nicht nur Erreger, sondern auch nützliche Bakterien im Darm. Dadurch bringen sie die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Ob Probiotika im Joghurt bei gesunden Menschen zu einer besseren Darmflora beitragen, ist bislang nicht erwiesen.

Jeder Mensch besitzt eine eigene, individuelle Zusammensetzung der Darmflora, die vor allem durch Ernährung und immunologische Prozesse beeinflusst wird. Sie ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von Krankheitserregern und die Stärkung des Immunsystems.

Die Darmflora oder das Mikrobiom des Darmes besteht beim Menschen aus rund 2 000 verschiedenen Arten von Darmbakterien. Insgesamt bringen es die etwa 100 Billionen Bakterien im Darm auf ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm.

Unter dem Begriff Probiotika werden speziell gezüchtete Mikroorganismen zusammengefasst, welche die Eigenschaft haben, die Immunabwehr des Darmes zu stärken und für eine gesunde Keimbesiedlung zu sorgen. Dazu gehören Milchsäurebakterien (Lactobacillus casei) und Hefepilze.

Probiotika kommen natürlicherweise in milchsauren Produkten vor, zum Beispiel Joghurt, Kefir, Buttermilch und Sauerkraut. Bei probiotischen Joghurts werden zusätzlich größere Mengen eines Bakterienstamms zum Produkt hinzugefügt. Doch diese Lebensmittel sind teuer und meist auch überzuckert. Probiotika sind zudem in Kapsel- und Tropfenform erhältlich. Die meisten Präparate enthalten Bifido- und Laktobakterien.

Das Bakterium Clostridium difficile ist für etwa 15 bis 20 Prozent der Durchfallerkrankungen verantwortlich, die durch Antibiotika ausgelöst werden. Seine Giftstoffe verursachen lebensgefährliche Darmentzündungen, die sich durch schwere, plötzlich einsetzende, wässrige Durchfälle mit Übelkeit, Bauchschmerzen und Fieber äußern. Typischerweise haben die Durchfälle einen fauligen Geruch.

Unter dem Begriff Probiotika werden verschiedene Mikroorganismen zusammengefasst, zum Beispiel Milchsäurebakterien (Lactobacillus casei) und Hefepilze. Sie tragen dazu bei, die Barrierefunktion des Darms zu stärken und die übermäßige Ausbreitung von Krankheitserregern zu verringern.

In einer kanadischen Metaanalyse wurde nun gezeigt, dass Probiotika den Darm vor einer Infektion mit Clostridium difficile schützen können, wenn man die Probiotika begleitend zu einer Antibiotika-Therapie einnimmt. Kanadische Wissenschaftler werteten dazu die Daten von insgesamt 20 Studien aus. Die Analyse konnte zeigen, dass Probiotika wie Bifidobacterium, Lactobacillus, Saccharomyces oder Streptococcus species das Risiko für eine Clostridum difficile Infektion unter Antibiotika im Durchschnitt um 66 Prozent senken können.

Filmbeitrag: Ursula Duplantier
Infotext: Constanze Löffler

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