Mann massiert sich die Handgelenke (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Pseudogicht – schmerzhafte Gelenkverkalkung

Gelenkprobleme, Schmerzen in Händen und Füßen – oft denken Ärzte dann an Rheuma oder Gicht. Doch die Therapien schlagen fehl, wenn die Betroffenen eigentlich unter einer anderen, zu selten diagnostizierten Erkrankung leiden, der Pseudogicht. Die rbb Praxis hat eine Brandenburgerin getroffen, die dreißig Jahre auf die richtige Diagnose warten musste.

Wenn das Knie schmerzt und der Patient schon etwas älter ist, heißt die Diagnose oft: nicht-reparabler Gelenkverschleiß oder rheumatoide Arthritis. Doch nicht immer stimmt die Vermutung. Patienten mit derartigen Beschwerden können auch eine sogenannte Pseudogicht haben. Sie imitiert die Beschwerden der bekannten Gelenkerkrankungen.

Normalerweise sind Gelenke von einer Knorpelschicht umgeben, die sie schützt. Bei der Pseudogicht lagern sich die Kalzium-Kristalle direkt im Knorpel ab. Dort wirken sie wie Schmirgelpapier und zerstören die Schutzschicht. Dann kann sogar Knochen auf Knochen reiben, was für die Patienten sehr schmerzhaft ist.

Mittels Physiotherapie und Tabletten versuchen die Ärzte, das Leben für die Patienten erträglicher zu machen. Auch klassische Gichtmedikamente und Medikamente, die den Entzündungsmechanismus blockieren, kommen bei der Pseudogicht zum Einsatz.

Hohe Dunkelziffer

Die Pseudogicht ist, genau wie die Arthrose, eine Erkrankung des Alters: Mindestens einer von zehn der über 65-Jährigen hat eine Pseudogicht, ab 80 Jahre ist sogar jeder Dritte betroffen. Frauen sind fünfmal häufiger erkrankt als Männer. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer, da die Pseudogicht oft unerkannt bleibt. Doch während bei der Gicht insbesondere das Großzehengelenk betroffen ist, erkranken bei der Pseudogicht auch große Gelenke: Knie- oder Schultergelenk, Sprung- oder Handgelenk.

Diagnose erschwert

Oft haben die Patienten Beschwerden, die Gelenkschädigungen sind aber noch nicht im Röntgenbild zu erkennen. Das erschwert die Diagnose. Bei einer falschen Diagnose, beispielsweise rheumatoide Arthritis, bekommen die Betroffenen über Jahre falsche, zum Teil belastende Medikamente.

Wie bei der Patientin im Film. Vor 30 Jahren schwollen ihre Beine und Hände plötzlich an und schmerzten. Auf den Röntgenbildern waren keine krankhaften Veränderungen zu sehen, auch Labortests blieben ergebnislos. Im Blut fanden die Ärzte lediglich erhöhte Entzündungswerte, aber keine Erklärung dafür. Jahrelang galt die Patientin deshalb als Simulantin. Ihr Arzt tippte auf Weichteilrheuma, eine Verlegenheitsdiagnose.

Die folgenden Jahrzehnte wird die Berlinerin mit verschiedenen Rheumamedikamenten behandelt. Einige hatten schwere Nebenwirkungen; sie führten zu Ausschlag, von anderen musste sie sich übergeben. Die Beschwerden haben sich nicht gelindert. Erst vor zwei Jahren erhielt die Frau eine korrekte Diagnose. Eine Ärztin, spezialisiert auf rheumatische Erkrankungen, macht einen Ultraschall der Gelenke. Das hatte noch keiner vor ihr gemacht. Dabei wurden weiße Ablagerungen sichtbar – und die Ärztin hatte sofort einen Verdacht, der sich im weiteren Verlauf der Untersuchungen bestätigt: Pseudogicht. Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist die Kristallanalyse. Dafür wird die Gelenkflüssigkeit unter einem Mikroskop analysiert.

Ursache fraglich

Noch hat die Medizin keine abschließende Erklärung für das Entstehen der Krankheit. Eine mögliche Ursache ist ein gestörter Kalzium-Stoffwechsel. Es besteht auch der Verdacht, dass Kalzium-Präparate die Ablagerungen in den Gelenken hervorrufen oder verstärken.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

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