Feuerwehreinsatz nach Brand in Mehrfamilienhaus (Quelle: imago/Reichwein)
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- Verbrennungen richtig behandeln

Großflächige Brandverletzungen können lebensbedrohlich sein. Das musste eine Frau beim Besuch eines Wellnesshotels erleben, nachdem der Saunaofen neben ihr explodiert war. Die rbb Praxis zeigt, wie die Ärzte ihr Leben gerettet und ihre Haut mit modernen Therapien erneuert haben. Aber auch im Alltag sind Verbrennungen und Verbrühungen schnell passiert: an der Herdplatte oder mit kochend heißen Flüssigkeiten. Wie reagiert man richtig?

Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn: Innerhalb weniger Minuten landen zwei Rettungshubschrauber auf dem Dach der Klinik. Sie bringen zwei schwerstbrandverletzte Frauen. Während eines Saunagangs explodierte der Ofen. Bei einer der Frauen sind 60 Prozent der Körperoberfläche verbrannt, insbesondere Gesicht, Kopf und Arme. Ob sie den Unfall überleben wird, ist fast zwei Wochen unklar. Bei schweren Brandverletzungen ist nicht nur die Haut betroffen. Alle Organe, das Immunsystem und der Kreislauf sind schwer geschädigt.

Ein Tag Intensivstation je Prozent verbrannter Haut

Brandspezialisten gehen davon aus, dass ein Prozent verbrannter Körperoberfläche ungefähr einen Tag auf der Intensivstation bedeutet. Bei 60 Prozent bedeutet das mindestens zwei Monate Intensivstation für die Patientin – und zwischen zehn und zwanzig Operationen, bis sie das Krankenhaus verlassen kann. 40 Tage wird die Patientin am Ende im künstlichen Koma liegen. Dazwischen: Immer wieder Eingriffe, bei denen ihr auf die offenen Wunden Ersatzhaut transplantiert wird, so genannte Kulturhaut.

Eigenhauttransplantation zum Wundverschluss

Die Transplantation von Haut ist bei großen Flächen geschädigter Haut zwingend notwendig. Bei schweren Brandverletzungen ist die Oberhaut bis zur darunter liegenden Dermis (Lederhaut) zerstört und wächst nicht mehr nach. In der Regel schließt man die offenen Stellen mit einer Eigenhauttransplantation. Dafür wird Oberhaut von gesunden Körperteilen – oft Oberschenkel, Rücken, Gesäß – abgenommen und auf die verletzten Stellen transplantiert. Auf den Spenderflächen wächst die Haut wieder nach. Doch bei großflächigen Verbrennungen reicht die gesunde Hautfläche als Ersatz nicht aus.

Kulturhaut – wenn die eigene Haut nicht reicht

Über viele Jahre transplantierte man den Patienten in einem solchen Fall sogenannte Kunsthaut – ein synthetisches Gewebe, das der natürlichen Haut nahe kommen soll. Doch es bleibt ein textiles Gewebe, das sich nur mangelhaft mit der darunter liegenden Dermis verbindet. Seit einigen Jahren gibt es die sogenannte "Kulturhaut", die aus Zellen der Patienten gezüchtet wird.

Ein paar Zellen reichen

Hergestellt wird die Kulturhaut im Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz in Zusammenarbeit mit dem Brandverletztenzentrum des UKB aus wenigen Quadratzentimetern eigener, gesunder Haut. Das Prinzip: Körpereigene Haut-Zellen werden entnommen, aus der Haut herausgelöst, in eine spezielle Nährlösung gebracht und dann in Brutschränken gezüchtet. Mit diesem Verfahren lassen sich erstaunlich große Mengen körpereigener Kulturhaut gewinnen. Der große Unterschied zur Kunsthaut: Die Kulturhaut wird vom Körper angenommen, verbindet sich mit der unterliegenden Dermis (Lederhaut) und ist durchblutet.

Mangelhafte Haut

Vollwertig ist diese Haut aber auch nach dem Anwachsen nicht: Sie ist zwar durchblutet, sie schwitzt und atmet jedoch nicht und gibt dadurch keine Wärme ab. Die Forschung ist dabei, dieses Problem zu lösen.

Weltweit versuchen Wissenschaftler aus körpereigenen Zellen menschliche Haut komplett nachzubauen. Dazu zerlegen die Wissenschaftler ein Stück gesunde Haut zunächst in seine Bestandteile. Adulte Stammzellen in der Gewebeprobe sorgen dafür, dass sich die einzelnen Strukturen regenerieren: Horn- und Pigmentzellen, Bindegewebs- und Blutgefäßzellen. Sind genug Zellen nachgewachsen, fügen die Forscher sie wieder zu einer komplexen Ersatzhaut zusammen. In Einzelfällen ist das heute sogar schon gelungen.

Was tun bei Verbrennungen

In Deutschland gibt es jährlich schätzungsweise 2500 Schwerbrandverletzte. Bei Erwachsenen sind Flammverbrennungen am häufigsten. Bei Kindern sind dagegen in vier von fünf Fällen Verbrühungen die Ursache – meist durch das Herunterreißen von Töpfen und Schüsseln von Herd und Tisch. Besonders häufig sind diese Unfälle zwischen zwei bis vier Jahren, da die Kinder sich in dieser Zeit sehr lebhaft motorisch entwickeln. Die Initiative Paulinchen e. V. geht von etwa 6000 brandverletzten Kindern pro Jahr aus.

Je größer und schwerer die Verbrennung desto mehr Komplikationen können dabei auftreten. Ab einer Körperoberfläche (KOF) von 10 bis 15 Prozent beim Erwachsenen und von 5 bis 10 Prozent beim Kind droht durch den Flüssigkeitsverlust ein Schock. Als Faustregel gilt: Die Größe der Handfläche entspricht etwa einem Prozent der Körperoberfläche.

So können Sie helfen

• Bei kleinflächigen Verbrennungen (< 10 Prozent KOF): mit fließendem, sauberem, 20°C kühlem Wasser über etwa 10 Minuten kühlen, dann mit Decke o.ä. Auskühlung verhindern!
• Bei großflächigen Verbrennungen (> 30 Prozent KOF): auf Wärmeerhalt achten, nicht kühlen!
• Keine Salben oder Gele, kein Öl, Puder oder Mehl auftragen!
• Bei schweren Verbrennungen: Wunde nach dem Kühlen mit einem sterilen Tuch abdecken und ärztlich versorgen lassen, Kleidung etc. nicht entfernen!
• Bei Schock: Beine hochlegen, Kopf polstern, Kontakt zum Patienten halten (sprechen, streicheln, Hand halten), zudecken
• Bei Bewusstlosigkeit und erhaltener Atmung: stabile Seitenlage
• Bei fehlenden Lebenszeichen: Wiederbelebung
• Notarzt rufen oder Patienten zum Arzt begleiten
• Nur bei leichten Verbrennungen: Brennnesseltinktur aus der Apotheke oder Essig gegen Schmerzen und Blasenbildung auftragen

Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Constanze Löffler

Service

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