Pricktest am Arm (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Welche Pollen machen krank?

Mit dem wiederkehrenden Grün kommen auch Schniefnasen, tränende Augen und Luftnot zurück. Grund: Blütenpollen. Bei empfindlichen Menschen genügen bereits wenige Pollen, um Allergien auszulösen. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um sie zu therapieren - und zu verhindern, dass die Allergie sich verschlimmert. Ein Mittel: der so genannte Prick-Test.  

Bei einer Allergie reagiert das körpereigene Immunsystem übertrieben auf sogenannte Allergene. Zunächst neutralisiert der Körper die fremden, eigentlich harmlosen Eiweiße, ohne dass es Komplikationen gibt. Doch mit jedem erneuten Allergenkontakt schaukelt sich das Immunsystem auf, bis genügend Antikörper zur Verfügung stehen und sich auf die vermeintlich gefährlichen Eiweiße stürzen können. Spezifische Zellen, die so genannten Mastzellen, schütten Histamin aus. Histamin sorgt für eine erhöhte Durchblutung der Schleimhäute und macht die Wände winziger Blutgefäße durchlässiger. Es entstehen die für Allergien typischen Beschwerden: Juckreiz, Rötungen und Schwellungen bis hin zur Atemnot. Wissenschaftler messen die aktuelle Belastung an Pollen in der Luft mit einer sogenannten Pollenfalle und untersuchen die Ausbeute dann im Labor unter dem Mikroskop.

Viele Betroffene

Immer mehr Menschen berichten über Allergien. Schon heute leidet fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland unter einer allergischen Erkrankung; Frauen sind etwas häufiger betroffen. Das Auffällige: Gingen früher mit dem steigenden Lebensalter die Allergien zurück, klagen heute auch über 65-Jährige darüber, erstmals allergisch zu reagieren.

Die meisten leiden unter einer Allergie gegen Pollen. Im frühen Jahr schwirren vor allem Pollen von Haselnuss, Erle und Birke herum. Ein Ende der Schnieferei ist nicht in Sicht: Bis in den Herbst hinein blühen Pflanzen wie beispielsweise Beifuß, die Allergikern das Leben schwer machen. Eine noch relativ neue Bedrohung ist Ambrosia. Diese Pflanze kommt ursprünglich aus Nordamerika, findet sich aber - übertragen durch Getreidelieferungen und Vogelfutter - zunehmend auch in Europa.

Zahlreiche Auslöser

Allergisch - das sind vor allem die Großstädter. Vermutlich ist ein unterbeschäftigtes Immunsystem schuld daran. Auch die Gene spielen eine wichtige Rolle. Wer also Angehörige hat, die unter einer Allergie leiden, ist besonders gefährdet, ebenfalls zu erkranken. Außerdem bedeutsam für das Immunsystem sind unsere Lebens- und Verhaltensweisen sowie viele Umwelteinflüsse. Mittlerweile gibt es klare Hinweise darauf, dass Stress Faktoren triggert, die unsere Körperabwehr bei eigentlich harmlosen Reizen überreagieren lassen.

Kreuzallergie

Besonders übel wird es, wenn sogenannte Kreuzallergien bestehen. Birkenpollenallergiker berichten beispielsweise, dass sie bei bestimmten Apfelsorten, bei Kirschen oder Paprika Juckreiz und ein pelziges Gefühl im Rachen verspüren. Spezialisten fassen das Phänomen unter dem "oralen Allergie-Syndrom" (OAS) zusammen. Der Auslöser: die Ähnlichkeit bestimmter Eiweiße der allergieauslösenden Pollen mit dem von frischem Obst oder Gemüse. Das Immunsystem bildet zunächst Abwehrstoffe gegen das Birkenprotein. Weil das Eiweiß von Apfel oder Kirsche diesem so ähnelt, docken die Antikörper zum Teil auch an das Eiweiß aus dem Obst an und lösen dadurch allergische Beschwerden aus.

Diagnose

Die Diagnose einer Allergie sollte früh gestellt werden, um ein Übergreifen auf die tiefen Atemwege zu verhindern. Dafür klärt am besten ein Fachmann die Symptome ab. Pollenkalender und Allergietagebuch geben wichtige Hinweise. Beim allergischen Schnupfen ist auch die Beschaffenheit der Nasenschleimhaut wegweisend: Ist sie akut entzündet und stark gerötet, zeigt das Heuschnupfen an. Ein Bluttest auf IgE-Antikörper sowie Hauttests können den Verdacht auf eine Gräser- und Pollenallergie bestätigen.

 

Pricktest

Der Pricktest ist ein Hauttest, bei dem der Arzt verdächtige Allergene in Tropfenform in die Haut einbringt. Nach rund 20 Minuten überprüft er die allergische Reaktion. Die Tropfen enthalten unterschiedliche Allergene. Die Haut wird mit einem "Prick" oder Stachel ganz leicht eingeritzt. Wenn sich dort eine Quaddel bildet, heißt das, der Patient könnte genau auf diese Pollensorte allergisch reagieren. Für den Test darf der Patient keine Blutdrucksenker nehmen, kein Asthma haben und sollte noch keinen anaphylaktischen Schock erlebt haben.

Allergie-Impfungen

Die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung genannt, ist die einzige Therapie, die tatsächlich die Ursachen der allergischen Reaktion bekämpft. Über ein oder drei Jahre bekommen die Patienten in regelmäßigen Abständen die Stoffe, auf die sie allergisch reagieren, per Spritze unter die Haut oder als Tabletten beziehungsweise Tropfen unter die Zunge verabreicht. Die Spritzen werden einmal monatlich in der Arztpraxis verabreicht; Tabletten und Tropfen schlucken die Patienten selbst zu Hause. Die Grundidee: Das Immunsystem soll sich langsam an den vermeintlichen Feind gewöhnen und ihn nicht länger als Bedrohung wahrnehmen. Die langwierige Prozedur erfordert zwar Geduld und Disziplin, mildert jedoch häufig die Beschwerden deutlich.

Tipps für den Alltag

Je weniger Pollen ein Betroffener ausgesetzt ist, desto besser. Wichtig ist, die Pollen so effektiv wie möglich aus den eigenen vier Wänden zu verbannen. Tägliches Staubsaugen hilft. Zusätzlich senken Filter im Staubsauger und Klimaanlagen die Pollenbelastung. Sie müssen allerdings regelmäßig gewechselt werden. Nasses Wischen der Böden macht den umherfliegenden Pollen den Garaus. Luftbefeuchter und eine Nasendusche erfreuen die Nasenschleimhaut. Im Schlafzimmer hält eine Tagesdecke auf dem Bett die Pollen vom Bettzeug fern. Die Tageskleidung lässt man vor dem Schlafengehen am besten draußen auf dem Flur. Abendliches Haarewaschen verhindert Pollen auf dem Kopfkissen.

Filmbeitrag: Jörg Simon
Infotext: Constanze Löffler

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