Jugendlicher guckt Ängstlich um Türecke (Quelle: Colourbox)
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- Angst und Panik - wenn nichts mehr geht

Hände und Füße sind taub, die Luft bleibt aus und das Herz schlägt bis zum Hals - was hier nach einer dramatischen Erkrankung klingt, sind die typischen Anzeichen einer Panikattacke. Wer früh zum richtigen Arzt oder Therapeuten geht, hat gute Behandlungsaussichten. Zum Beispiel in der Angstambulanz der Charité.

Herzrasen, Druckgefühl auf der Brust, Zittern, Krämpfe und Schwindel, Luftnot, Übelkeit, Todesangst: Bei diesen Beschwerden muss ein Notarzt immer an verschiedene Ursachen denken. Neben einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt steckt häufig eine Panikattacke hinter den auffälligen Symptomen. Dann ist Stress an der Auslösung der Symptome beteiligt. Panikattacken in bestimmten Situationen sind keine Seltenheit. Allein von einer Agoraphobie oder Platzangst sind fünf von 100 Menschen mindestens einmal im Leben betroffen. Zusammen sind das in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen.

Menschen, die an einer Panikstörung leiden, erleben unerwartet Angstanfälle, sogenannte Panikattacken. Diese können aber auch in ganz bestimmten Situationen (z.B. Menschenansammlungen), an bestimmten Orten (z.B. Aufzüge) oder bei bestimmten Begegnungen (z.B. Spinnen) auftreten. Dann sind sie Symptome einer Phobie. Sie dauern meist weniger als eine Stunde an.

Symptome können Herzinfarkt ähneln

Viele Betroffene fürchten in dem Moment, ernsthaft erkrankt zu sein. Und tatsächlich können solche körperliche Symptome auch bei einem akuten Anfall von Herzenge, einem Herzinfarkt oder anderen körperlichen Erkrankungen auftreten. Deshalb rufen Betroffene einer Panikattacke oft den Notarzt. Der Arzt klärt dann eine mögliche körperliche Ursache ab, schließt mithilfe eines EKGs und einer Blutuntersuchung vor allem einen Herzinfarkt aus.

Gerüche, Geräusche und Gefühle können Auslöser von Panikattacken werden

Gelegentlich sind es nicht die angstauslösenden Situationen selbst, die für die Panikattacke verantwortlich sind. Mitunter reichen schon ein bestimmter Geruch, eine Bewegung oder ein Geräusch dafür. Völlig unerwartet treten sie bei der Panikstörung auf. Panikattacken setzen eine Reihe körperlicher Reaktionen in Gang, mit denen der Körper typischerweise auf eine drohende Gefahr reagiert.

Wer von wiederholten Panikattacken geplagt wird, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Denn nicht selten entwickelt sich nach einer ersten Attacke eine zusätzliche, tief sitzende Angst vor einem möglichen neuen Anfall. Die "Angst vor der Angst" kann das alltägliche Leben schwer belasten. Therapeuten helfen, den Teufelskreis zu durchbrechen. Die körperlichen Symptome werden minimiert, und die "Angst vor der Angst" schwindet. Auch werden körperliche Ursachen vor einer Angsttherapie ausgeschlossen.

Angstambulanz: Umgang mit der Störung lernen

Die Angstambulanz der Berliner Charité ist auf solche Störungen spezialisiert. Professor Andreas Ströhle leitet sie. Ein großes Team von Ärzten und Psychologen behandelt hier Menschen mit seelischen Problemen. Am Anfang klären sie immer, ob die Angst wirklich krankhaft und deshalb behandlungsbedürftig ist – wie eben bei der Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie. Ob in Einzeltherapie oder in der Gruppe – alle Patienten müssen sich mit ihrem Teufelskreis der Angst auseinandersetzen und lernen, wie die Gedanken Gefühle beeinflussen, wie der Teufelskreis der Angst entsteht. Das Vermeiden von Situationen, die Panik auslösen könnten, soll in der Therapie wieder verlernt werden.

Ein Weg: Die alten Angstkreisläufe, die sich im Gehirn ihren Weg gebahnt haben, mit neuen Informationen zu überschreiben. Ich kann U-Bahn fahren, und ich habe keine Angst! Doch das muss erlebt werden. Wenn man nur darüber redet, setzt sich das nicht richtig im Gehirn fest. Erst wenn die neue Erfahrung emotional durchlebt wird, kann sie sich auch durchsetzen. Und das geht nur, wenn man sich mit dem Therapeuten in die Gefahrenzone bewegt.

Filmbeitrag: Jana Kalms
Infotext: Constanze Löffler

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