Frischer Salat mit Croutons (Quelle: Colourbox)
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- Heilfasten - das neue Rezept bei chronischen Leiden

Intervallfasten etabliert sich als Trend: 16 Stunden Essenspause pro Tag verheißen Erholung für gestresste Körper. Was ist dran an dem Versprechen von Wohlbefinden und purzelnden Pfunden? Kann man auch bei chronischen Erkrankungen mit Heilfasten Erfolge erzielen? Die rbb Praxis hat nachgefragt.

Seit Urzeiten ist der menschliche Stoffwechsel auf Fastenzeiten gepolt. In Zeiten des Überflusses schlemmten unsere Vorfahren ungehemmt. Blieben Netze und Fallen leer, hungerte man eben für einige Stunden oder Tage. Der menschliche Organismus übersteht längere Hungerperioden, indem er in verschiedenen Organen und Geweben Energiereserven mobilisiert.

Beim Intervall-Fasten treten heilsame biochemische Veränderungen im Körper auf: Beispielsweise verbessern sich Zucker- und Fettstoffwechsel. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel nicht gedrosselt und anders als beim herkömmlichen Fasten über mehrere Tage auch keine Muskelmasse abgebaut. Das vermeidet den gefürchteten Jo-Jo-Effekt.

Menschen mit niedrigem Blutdruck, Untergewicht, Krebs, verschiedenen Stoffwechselerkrankungen, Essstörungen, chronischen Leiden oder solche in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten das Intervall-Fasten allerdings meiden.

Zwei Tage oder 16 Stunden fasten

Die bekannteste Form des Intervall-Fastens ist die 5:2-Diät: An fünf Tagen in der Woche darf man wie gewohnt essen, ohne Kalorien zu zählen. An zwei Tagen wird die Nahrungszufuhr bei Frauen auf 500, bei Männern auf 600 Kalorien reduziert. Dazu trinkt man viel Wasser und ungesüßten Tee. Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln, Kartoffeln und Zucker sind an den Fastentagen tabu. Der Körper lernt, von seinen Reserven zu leben.

Wer keine ganzen Tage fasten möchte, kann längere Essenspausen in den Tagesablauf einbauen. Bei der 8:16-Diät lässt man eine Mahlzeit pro Tag ausfallen und verzichtet 16 Stunden am Stück auf Nahrung. Wer zum Beispiel nach 17 Uhr nichts mehr isst, darf am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder frühstücken. Ein angenehmer Nebeneffekt: Der Körper hat so nachts weniger mit der Verdauung zu tun. Das kommt der Schlafqualität zugute.

Darauf müssen Sie beim Fasten achten

Beim Intervallfasten ist es wichtig, dass Sie bei der Nahrungsaufnahme nicht mehr essen als gewohnt. Zwischen den Mahlzeiten sollten Esspausen von mindestens vier bis fünf Stunden liegen. Isst man zwischendurch, wandelt der Körper diese Kohlenhydrate in Zucker um, der direkt ins Blut geht. Der Blutzuckerspiegel steigt an, der Körper schüttet Insulin aus und stoppt den Fettabbau. Die rasche Insulinausschüttung kann zu einer leichten, kurzzeitigen Unterzuckerung und Heißhungerattacken führen.

Im Tierversuch verhindert Fasten Diabetes

Bereits seit den 1930er Jahren weiß man aus Tierversuchen, dass sich kurze Fastenzeiten ohne Hungerstress positiv auf die Gesundheit auswirken: So verlängerte sich die Lebenserwartung verschiedener Labortiere, ihre Blutwerte bessern sich, die Hirnzellen waren widerstandsfähiger, der Blutdruck sank. In Untersuchungen mit Mäusen konnte nicht nur deren Lebenszeit durchs Intervall-Fasten deutlich verlängert werden. Es ließ sich auch ein beginnender Typ-2-Diabetes verhindern. In der Leber der Mäuse sammelten sich weniger Gifte, die Zellen konnten das Insulin wieder besser verarbeiten. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Ergebnisse aus dem Tierversuch auf den sehr ähnlichen Stoffwechsel des Menschen übertragen lassen.  

Wirkung auf den Menschen wird erforscht

Aktuelle Studien zum Intervall-Fasten befassen sich mit der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie neurologischen Krankheiten wie Multipler Sklerose, Morbus Parkinson oder Demenz durch Intervallfasten.
Ursprünglich hatte die britische Ernährungsmedizinerin Michelle Harvie das Intervall-Fasten entwickelt. Sie forschte seit Jahren zu Krebs und suchte nach einer Lösung, um den Risikofaktor ‘Übergewicht‘ zu reduzieren. Ihre Studienergebnisse zum Teilzeitfasten waren eindrucksvoll: Frauen, die über drei Monate regelmäßig zwei Tage in der Woche darbten, verloren nicht nur mehr gefährliche Fettpolster am Bauch, auch ihre Blutwerte besserten sich im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich, und ihre Muskel- und Leberzellen sprachen eher auf Insulin an.

Fasten und Multiple Sklerose

In Deutschland leiden rund 200.000 Menschen an Multipler Sklerose. Bei der Erkrankung werden Strukturen des zentralen Nervensystems zerstört. Das führt langfristig zu Behinderungen. Es gibt zahlreiche Hinweise für Zusammenhänge zwischen Multipler Sklerose und Ernährung. Neurologe Prof. Friedemann Paul und Naturheilkundler Prof. Andreas Michalsen wollen gemeinsam durch die NAMS-Ernährungsstudie den Zusammenhang weiter entschlüsseln. Über 18 Monate werden Patienten mit Multipler Sklerose an der Charité Berlin bei ihrer Ernährungsumstellung begleitet. Verglichen wird, welche der drei Ernährungsformen wirksamer ist: ketogene Ernährung, Fasten oder entzündungshemmende Ernährung. Erste Teilnehmer wurden bereits in die NAMS-Studie eingeschlossen und haben ihre Ernährung erfolgreich umgestellt. In die Studie können weiterhin Teilnehmer aufgenommen werden, die an einer schubförmig-remittierenden MS leiden, zwischen 18 und 65 Jahre alt sind und in den letzten zwei Jahren aktive Schübe hatten.

Tipps zum Intervall-Fasten

• Wählen Sie bei der 5:2-Diät die Wochentage zum Fasten aus, an denen Sie wenig Stress und genug Zeit für Ruhephasen haben.
• Beginnen Sie langsam, indem Sie das Frühstück verschieben oder das Abendessen vorziehen und verlängern Sie die Fastenzeit von Woche zu Woche.
• Vermeiden Sie körperliche Belastung während des Fastens, bis Sie sich komplett an den neuen Rhythmus gewöhnt haben.
• Essen Sie an den fastenfreien Tagen keine größeren Portionen, sondern so wie immer.
• Vermeiden Sie Snacks zwischen den Mahlzeiten.
• Wasser oder ungesüßter Tee helfen, während der essensfreien Zeit Hungerlöcher zu überbrücken.
• Machen Sie nach der ersten Mahlzeit des Tages einen kleinen Spaziergang oder treiben Sie ein wenig Sport.

Filmbeitrag: Sigrun Damas
Infotext: Constanze Löffler

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