CT Analyse für Migräne und Aneurysma (Quelle: rbb)

- Aneurysma: Zeitbombe im Gehirn

Eigentlich sind die Wände unserer Blutgefäße stark und widerstandsfähig. Aber bei einer Gefäßerweiterung sacken Wandteile aus, werden so dünner und schwächer. Es entsteht ein Aneurysma, in dem sich Blut stauen kann. Das kann auch im Gehirn passieren - mit fatalen Folgen, wie Blutungen und Schlaganfall. Stoppt die Blutung im ersten Moment nicht, sind die Überlebenschancen gering.  

Etwa jeder 50. lebt mit einer tickenden Zeitbombe im Gehirn: einem Aneurysma. Das sind  Gefäßerweiterungen oder -ausbuchtungen, die zur Schwachstellen in der Gefäßwand werden können und von denen die meisten Betroffenen gar nichts wissen. Gesunde Gefäße haben eine elastische, mehrschichtige Gefäßwand: eine innere Gefäßzellschicht, eine mittlere Muskelschicht und eine bindegewebige Außenschicht. Bei einem Aneurysma erweitert sich das Gefäß über eine begrenzte Strecke. Die Aussackung bleibt dauerhaft bestehen, sie sieht spindel- oder sackförmig aus.

Aneurysmen sind nicht immer gefährlich

Etwa zwei Prozent aller Erwachsenen haben ein Aneurysma der Hirngefäße. Weit mehr als 80 Prozent davon sind klein, mit Durchmessern von drei bis vier Millimetern. Sofern sie nicht größer als sieben Millimeter werden, ist das Risiko, dass sie reißen, relativ gering: Es liegt bei deutlich unter einem Prozent pro Jahr.

Die meisten der Aneurysmen werden zufällig entdeckt. Gelegentlich haben die Patienten Sehstörungen oder Kopfschmerzen. Die genaue Entstehung des Gefäßsackes ist ungeklärt. Zum einen diskutieren Experten, ob das Gefäß selbst schon vorgeschädigt ist - also ob quasi ein Materialfehler besteht. Auch ein andauernder Bluthochdruck erhöht die Gefahr für ein Aneurysma. Des Weiteren begünstigen Alkohol und Nikotin die Entstehung.

Bei Riss schlechte Prognose

Während sehr kleine Aneurysmen in bestimmten Bereichen der Hirnarterien ein extrem geringes Blutungsrisiko bedeuten, beträgt die Wahrscheinlichkeit bei großen und unregelmäßig konfigurierten Aneurysmen bis zu über sechs Prozent pro Jahr. Das Einreißen eines sackförmigen intrakraniellen Aneurysmas (SIA), wie es im Fachterminus heißt, erzeugt einen explosionsartigen, extrem heftigen Kopfschmerz, den sogenannten Donnerschlagkopfschmerz.

Die Prognose ist relativ schlecht: Jeder zweite Patient verstirbt; von denen, die überleben, haben viele bleibende neurologische Defizite, die ihre Lebensqualität einschränken. Der steigende Druck infolge des ungehinderten Blutaustritts schädigt die Gehirnzellen. Zudem ist die Durchblutung der Regionen gestört, die hinter dem Aneurysma liegen, so dass auch hier Gehirnzellen zerstört werden.

Wie therapieren?

Den Ärzten stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Symptomatik, Lage und Form des Aneurysmas entscheiden über die am besten geeignete Behandlung.
Kleine, nicht symptomatische Aussackungen werden oft lediglich regelmäßig kontrolliert. Das Risiko, Schaden durch die Therapie zu nehmen, überwiegt laut neuen Studienergebnissen für viele Patienten die Gefahr, die aus dem Nichtstun resultiert.

Coiling: Bei größeren Aussackungen setzen die Neuroradiologen mit Hilfe eines Hohlkatheters über die Arterie in der Leiste eine Spirale in das Aneurysma ein. Der sogenannte Coil füllt das Aneurysma nicht vollständig aus, führt aber dazu, dass das Blut gerinnt und sich der Gefäßsack verschließt. Dadurch ist die Gefahr der Ruptur gebannt. Das Verfahren hat sich in den letzten zehn bis 15 Jahren mehr und mehr etabliert. Es bedarf einer hohen Expertise des durchführenden Arztes.

Stenting: Eine weitere Möglichkeit der Behandlung, bei der man nicht am offenen Gehirn operieren muss, ist die Platzierung eines Stents – also einer Gefäßstütze. Die engen Maschen sollen den Blutfluss so lenken, dass kein Blut mehr in das Aneurysma fließt.

Clipping: Bei der neurochirurgischen Therapie wird der Schädel eröffnet und die Aussackung mit einem Clip abgeklemmt.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

weitere Themen der Sendung

Grafik von Hirn und verstopftem Gefäß (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Verengung der Halsschlagader

Eine verengte Halsschlagader kann einen Schlaganfall verursachen. Um das zu verhindern, lässt sich der Engpass mittels OP entfernen. Dafür wird die Stelle am Hals aufgeschnitten, das Gefäß ausgeschabt, gelegentlich mit einer Gefäßstütze verstärkt und wieder vernäht.  

Grafik von Schädel und Hirn mit Blutung (Quelle: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Schlaganfall - effektiver verhindern, besser behandeln

Zehntausende Menschen in unserer Region erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall - mit zum Teil dauerhaften Folgen für ihre Gesundheit und Lebensqualität. Wer ist gefährdet, und wie kann man das Risiko bannen? Wie erkennt man einen Schlaganfall und wann muss man handeln?  

Stemo-Rettungswagen der Charité (Quelle: imago/Klaus Martin Höfer)
imago/Klaus Martin Höfer

Das STEMO - ein Spezialrettungswagen

Dieser Rettungswagen ist ein ganz besonderer: STEMO, das ist die Kurzfassung für Stroke-Einsatz-Mobil. Der Wagen verfügt über moderne Diagnosemöglichkeiten, wie beispielsweise einen Computertomographen. Bei Schlaganfallpatienten kann sofort vor Ort mit der Diagnose und Behandlung begonnen werden.

Ehrenamtliche Schlaganfallhelferin hilft Patient (Quelle: rbb)
rbb

Schlaganfallhelfer - Ehrenamtliche helfen Betroffenen

Dieses Angebot ist einmalig in Berlin und Brandenburg: Ehrenamtliche Schlaganfallhelfer bieten Unterstützung im Alltag, beispielsweise beim Einkaufen oder indem sie etwas mit den Patienten unternehmen. Dadurch entlasten sie pflegende Angehörige. Sie stehen auch beratend zur Seite, helfen bei Anträgen und sonstigen Fragen. Geschult werden sie für diese Aufgaben durch die Berliner Schlaganfall-Allianz.  

Physiotherapeut hilft Patienten bei Gehtraining (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Rehabilitation bei Schlaganfall

In Deutschland ist der Schlaganfall eine der häufigsten Todesursachen: Jeder vierte Patient stirbt innerhalb der ersten vier Wochen. Das sind über 60.000 Patienten pro Jahr. Von denen, die das erste halbe Jahr nach einem Schlaganfall überleben, hat ein Drittel mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen. Jeder zwanzigste gilt sogar als schwerbehindert. 

Weitere Beiträge

Grafik von einem Gehirn (Quelle: rbb)

Dossier | Schlaganfall - Wenn einen der Schlag trifft

Fast immer kommt ein Schlaganfall plötzlich und unerwartet. Doch wie kann überhaupt die richtige Diagnose gestellt werden, wie umgehen mit einem Schlaganfall und lässt sich überhaupt irgendetwas tun, um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen? In unserem Dossier zum Thema Schlaganfall versuchen wir Antworten auf diese und andere Fragen zu geben.