Physiotherapeut hilft Patienten bei Gehtraining (Quelle: Colourbox)
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- Rehabilitation bei Schlaganfall

In Deutschland ist der Schlaganfall eine der häufigsten Todesursachen: Jeder vierte Patient stirbt innerhalb der ersten vier Wochen. Das sind über 60.000 Patienten pro Jahr. Von denen, die das erste halbe Jahr nach einem Schlaganfall überleben, hat ein Drittel mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen. Jeder zwanzigste gilt sogar als schwerbehindert. 

Um die körperlichen Beeinträchtigungen wie Lähmungen oder Sprachstörungen zu behandeln, gehen Patienten nach einem akuten Schlaganfall in die Rehabilitation. Hier erhalten sie intensive Trainingseinheiten in der Physio- und Ergotherapie. Durch die täglichen Übungen lernen sie, die ausgefallenen Körperfunktionen wieder zu aktivieren oder Einschränkungen zu überwinden. Auch lernen und üben Schlaganfallpatienten, ein Körperteil wie beispielsweise den Arm wieder dauerhaft zu belasten.

Erste Schritte

Die ersten Wochen verbringen Schlaganfallspatienten mit gravierenderen Einschränkungen normalerweise in der neurologischen Frührehabilitation. Ziel ist hier insbesondere die Selbständigkeit bei den wesentlichen Aktivitäten des täglichen Lebens wieder zu erlernen wie Körperpflege, Anziehen, Nahrungsaufnahme. Die Anschlussheilbehandlung oder neurologische Rehabilitation ist für Patienten vorgesehen, die sich im Alltag bereits grundsätzlich zurechtfinden. Ziel ist hier eine weitgehend selbständige Lebensführung vorzubereiten und wieder erwerbsfähig zu werden.

Hirnzellen knüpfen neue Verbindungen

Wer in der Rehabilitation motiviert mitmacht, hat gute Chancen, danach wieder seine alte Form zu erreichen. Werden Bewegungsabläufe immer wieder trainiert, knüpft das Gehirn neue Verbindungen. Inzwischen weiß man, dass Gehirnzellen auch Jahre nach dem Schlaganfall noch in der Lage sind, durch Wiederholungen neue Verknüpfungen aufzubauen. Der Mythos, was nach einem Jahr nicht wieder da sei, komme auch später nicht zurück, ist wissenschaftlich mittlerweile widerlegt.

Spezifische und ausgefeilte Rehabilitationsverfahren verbessern die motorische Erholung von Schlaganfallpatienten. Zu den Therapiemöglichkeiten während der Rehabilitation gehören:
• Krankengymnastik
• Sprach- und Sprechtherapie
• Arbeits- und Beschäftigungstherapie
• Versorgung mit Hilfsmitteln
• Therapie von Seh- und Wahrnehmungsstörungen
• Kunst- und Musiktherapie
• Wiedereingliederungsmaßnahmen

Muskeln und Geist trainieren

Zum einen dient die Reha dazu, die körperliche Kraft zu trainieren. Schließlich gehen innerhalb von einer Woche Bettruhe bis zu eineinhalb Kilogramm Muskelmasse verloren. Neben der Muskelmasse bessert das körperliche Training auch die geistige Leistung. In der Ergotherapie wird auch der Alltag insoweit trainiert, dass die Patienten trotz körperlicher Einschränkungen nach der Entlassung ein möglichst unabhängiges Leben führen können.

Mobilität, Kraft und Sprache wiederzuerlangen bedeutet harte Arbeit. Arbeit, bei der die Patienten ihre Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten nach Kräften unterstützen sollten. Der Wille, etwas zu verändern, muss von den Patienten selbst kommen.

Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Constanze Löffler

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