Grafik von Schädel und Hirn mit Blutung (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Schlaganfall - effektiver verhindern, besser behandeln

Zehntausende Menschen in unserer Region erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall - mit zum Teil dauerhaften Folgen für ihre Gesundheit und Lebensqualität. Wer ist gefährdet, und wie kann man das Risiko bannen? Wie erkennt man einen Schlaganfall und wann muss man handeln?  

Beim Schlaganfall werden Teile des Gehirns nicht länger durchblutet. Innerhalb weniger Minuten sterben die von der Versorgung abgeschnittenen Gehirnzellen ab. Experten nennen den Schlaganfall die Epidemie des 21. Jahrhunderts: Mit jährlich 200.000 bis 250.000 Betroffenen allein hierzulande zählt der Hirnschlag zu den häufigsten Erkrankungen in Industrienationen. Weltweit ist Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache.

Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall

Beim sogenannten ischämischen Schlaganfall ist eine Arterie im Gehirn durch Blutgerinnsel oder Ablagerungen verschlossen. Beim sogenannten hämorrhagischen Infarkt wird die normale Versorgung der Hirnzellen durch eine Einblutung infolge eines gerissenen Gefäßes verhindert. Von einem subarachnoidalen hämorrhagischen Infarkt sprechen die Fachleute, wenn eine Aussackung in der Gefäßwand - auch "Aneurysma" (siehe weiter unten) genannt - reißt und dadurch Blut in den engen Raum zwischen Gehirn und Schädel eintritt. Durch die Blutung nimmt der Druck auf das Hirngewebe zu, es wird gequetscht und dadurch geschädigt.

Schlaganfall kündigt sich an

Etwa ein Viertel der Schlaganfall-Patienten berichtet, dass sie in den Tagen, Wochen
und Monaten vor dem Schlaganfall Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsstörungen erlebt haben. Diese bilden sich jedoch in der Regel innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden wieder zurück.

Experten bezeichnen solche flüchtigen Durchblutungsstörungen als transitorische ischämische Attacke (TIA). Die Symptome dauern maximal 24 Stunden an - und werden von vielen Betroffenen unterschätzt. Fatal, denn eigentlich sollten sie sich unverzüglich von einem Spezialisten untersuchen lassen: Die Symptome können Vorboten eines drohenden Schlaganfalls sein.

Therapie abhängig von Ursache

Nur eine rasche Therapie kann den Untergang der Gehirnzellen und die mit dem Schlaganfall häufig einhergehenden Todesfälle verhindern. Beim ischämischen Schlaganfall bekommen die Patienten Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen, das den Hirnschlag verursacht hat. Für diese Therapie beträgt das Zeitfenster vier Stunden. Falls diese sogenannte Lyse nicht ausreicht oder funktioniert, legen die Ärzte den Patienten eine medikamentenbeschichtete Gefäßstütze (Stent) ein, die das verengte Blutgefäß offen hält.

Bei einem hämorrhagischen Infarkt reparieren die Hirnchirurgen die beschädigte Arterie oder senken den Druck des ausgetretenen Blutes auf das Gehirn operativ. Zusätzlich gibt es Medikamente, die helfen, die Hirndurchblutung zu normalisieren.

FAST-Test für die schnelle Prüfung

Je nachdem, wo sich das verstopfte Gefäß befindet und welche Hirnregionen es versorgt, zeigen sich unterschiedliche Symptome, die jeden stutzig machen sollten. Lähmungen gehören ebenso dazu wie Seh- und Empfindungsstörungen.

Der FAST-Test (Face, Arm, Speech, Time – Gesicht, Arme, Sprache, Zeit) ist ein kurzer Check, den amerikanische Ärzte entwickelt haben, damit Laien einen Schlaganfall erkennen. Dabei wird der Patient zu verschiedenen Handlungen aufgefordert:
- Face: Bitten Sie den Patienten zu lächeln. Infolge gelähmter Gesichtsmuskeln verzieht sich sein Gesicht schief.
- Arm: Bitten Sie den Patienten, seine Arme mit den Handflächen nach oben zu heben. Bei einem Schlaganfall wird er einen Arm nicht heben können oder der Arm senkt sich wieder.
- Speech: Bitten Sie den Patienten einen einfachen Satz zu sprechen. Seine Sprache sollte klar und deutlich sein und nicht verwaschen klingen.
- Time: Ist mindestens ein Ergebnis auffällig, rufen Sie so schnell wie möglich einen Arzt.

Lähmungen, Seh- und Empfindungsstörungen

Verändertes Sehen
Die Auswirkungen auf das Sehen können ganz unterschiedlich sein. Möglich sind Doppelbilder oder das Gefühl, wie durch eine beschlagene Brille zu schauen. Oder die Betroffenen nehmen Dinge, die am linken oder rechten Seh-Rand liegen, nicht mehr wahr (Gesichtsfeldausfall). Das räumliche Sehen verändert sich, sodass sie sich in einer ihnen eigentlich vertrauten Umgebung nicht mehr zurechtfinden.

Verändertes Sprechen
Auch beim Sprechen unterscheiden sich die Veränderungen von Patient zu Patient. Die Sprache kann abgehackt und stockend sein. Der Betroffene verwendet falsche Silben, Buchstaben oder Wörter. Er lallt, nuschelt und klingt verwaschen, oder er spricht nur noch im Telegrammstil. Selten fällt die Sprache komplett aus.

Lähmungen und Taubheitsgefühle
Typischerweise ist bei einem Schlaganfall eine Seite des Körpers mehr oder weniger gelähmt. Ein Mundwinkel hängt herab, der Arm lässt sich nicht mehr bewegen und im Bein fehlt die Kraft. Dazu gesellt sich oft ein Taubheitsgefühl, als ob Arm oder Bein eingeschlafen sind. Der Oberkörper, also Arme, Gesicht und Hände, sind häufiger betroffen. Je nach Schwere können Kraft oder Gefühl oder beides in Mitleidenschaft gezogen sein.

Schwindel und unsicherer Gang
Auch plötzlicher Schwindel und ein unsicherer Gang sind Hinweise auf einen Schlaganfall. Die Betroffenen erleben ihren Schwindel ganz verschieden. Mal berichten sie über einen Drehschwindel, als ob sie Karussell führen oder sie fühlen sich wie auf hoher See. Das Gefühl für Gleichgewicht und Koordination geht verloren.

Kopfschmerz

Eher selten, dafür umso heftiger, können Kopfschmerzen auftreten. Sie entstehen bei Durchblutungsstörungen nach einem Gefäßverschluss oder durch den zunehmenden Druck auf das Gehirn, weil nach einer Gefäßruptur Blut austritt. Der Kopfschmerz wird oft von Übelkeit und Erbrechen begleitet.  

Rasch handeln!

Bemerken Sie diese Symptome bei sich oder einem anderen Menschen, tut Eile Not. Wählen Sie sofort den Notruf 112 und melden Sie der Rettungsleitstelle den Verdacht auf einen Schlaganfall. Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte man den Oberkörper des Betroffenen erhöhen, für optimale Atmung sorgen und das Wichtigste: keine Speisen oder Getränke geben.

Infos im www

schlaganfallallianz.de - Berliner Schlaganfall-Allianz

Zusammenschluss von über 40 Einrichtungen, die in Berlin und Teilen Brandenburgs Schlaganfallpatienten betreuen
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel.: 030 – 450 560 607

schlaganfall-hilfe.de - Allgemeines zum Schlaganfall

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