Stemo-Rettungswagen der Charité (Quelle: imago/Klaus Martin Höfer)
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Bild: imago/Klaus Martin Höfer

- Das STEMO - ein Spezialrettungswagen

Dieser Rettungswagen ist ein ganz besonderer: STEMO, das ist die Kurzfassung für Stroke-Einsatz-Mobil. Der Wagen verfügt über moderne Diagnosemöglichkeiten, wie beispielsweise einen Computertomographen. Bei Schlaganfallpatienten kann sofort vor Ort mit der Diagnose und Behandlung begonnen werden.

In Deutschland erleiden jährlich etwa 200.000-250.000 Menschen erstmals einen Schlaganfall. Hinzu kommen pro Jahr über 60.000 Personen, die erneut der Schlag trifft. In etwa 80 Prozent der Fälle ist die Ursache ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft. Üblicherweise lösen Ärzte den Blutpfropfen oder "Thrombus" mit Blutverdünnern auf. Das Verfahren nennt man Lyse-Therapie.

Rasche Lyse notwendig, um dauerhafte Probleme zu verhindern

Das Problem dieser Therapie: Sie sollte innerhalb der ersten drei Stunden nach einem Schlaganfall stattfinden. Denn durch das verstopfte Gefäß wird das hinter dem Gerinnsel liegende Hirngewebe nicht ausreichend durchblutet. Spätestens nach den drei Stunden gehen diese unterversorgten Nervenzellen unwiederbringlich zu Grunde und der Patient leidet dauerhaft an den bekannten Folgen eines Hirninfarktes: Halbseitenlähmung, Bewegungs- und Sprachstörungen bis hin zu Koma und Tod. Je früher die Patienten behandelt werden, desto mehr Gehirnzellen lassen sich vor dem Untergang retten.

STEMO: Schnellere Therapie möglich

So schnell wie möglich mit der Therapie beginnen - das ist auch genau der Ansatz des Spezialrettungswagens STEMO. Sein Herzstück: der Computertomograph (CT). Er kann die alles entscheidende Frage klären: Hat der Patient eine Blutung im Gehirn oder ist ein Blutgefäß im Gehirn verstopft? Die Frage ist deshalb so entscheidend, weil im Falle einer Blutung Blutverdünner Schaden anrichten könnten. Ohne Diagnose kann die Behandlung also nicht beginnen. Zeigt das CT, dass ein Blutgerinnsel ein Hirngefäß verstopft, leitet das Team noch im Krankenwagen die Lyse ein. Erst danach steuert das STEMO ein Krankenhaus an, in dem die Behandlung fortgesetzt wird.

Bei der Behandlung von Schlaganfällen im STEMO gewinnen die Mediziner lebenswichtige Minuten. Denn bekommt das Gehirn nicht schnell wieder genug Sauerstoff, bleiben Schäden zurück. Mediziner sprechen beim Schlaganfall auch von der sogenannten "goldenen ersten Stunde", der "golden hour". Das heißt, innerhalb der ersten Stunde hat man besonders viele Erfolgschancen, die Patienten zu retten und auf eine vollständige Regeneration.  

Schnellere und bessere Versorgung der Patienten

Und was kann das STEMO tatsächlich bewirken? In einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 2013 waren insgesamt 7.000 Patienten eingeschlossen; das STEMO wurde über 21 Monate im Wochenwechsel eingesetzt. Die Ergebnisse fielen eindeutig aus: Mit dem STEMO erhielten mehr Schlaganfall-Patienten eine Lyse-Therapie, die Behandlungsrate stieg um mehr als die Hälfte von 21 Prozent auf 33 Prozent. Die Zeit vom Notruf bis zur Behandlung reduzierte sich um 25 auf 52 Minuten. Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen früher Therapie und Behandlungseffektivität ist davon auszugehen, dass bei vielen Patienten die Schlaganfallfolgen reduziert werden konnten.

Filmbeitrag: Marcus Groß
Infotext: Constanze Löffler

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