Pipette tropft Flüssigkeit in braunes Auge (Quelle: Colourbox)
Bild: Colourbox

- Live-Diagnose: Was hilft bei trockenen Augen?

Verschwommenes Sehen, Brennen und Fremdkörpergefühl im Auge – das Trockene Auge ist eine der häufigsten Augenerkrankungen. Mögliche Ursachen für dieses auch Sicca-Syndrom genannte Leiden kann eine altersbedingte Minderung des Tränenfilms sein. Auch trockene Raumluft, Klimaanlagen, Bildschirmarbeit oder Kontaktlinsen sind Auslöser. Wir zeigen im Studio, wie Augenärzte den Ursachen auf die Spur kommen.

Im Schnitt blinzelt der Mensch pro Minute 15 bis 20 Mal, ohne dass ihm das bewusst ist. Dabei wird die Hornhaut mit Tränenflüssigkeit benetzt, gereinigt und feucht gehalten. Der Tränenfilm liegt also wie ein Schutzschild auf der Hornhaut auf. Die Tränenflüssigkeit wird vor allem in den Tränendrüsen erzeugt. Sie sitzen unter dem Oberlid, in der Augenhöhle, an den Lidrändern und in der Horn- und Bindehaut.

Tränen verteilen sich über das ganze Auge und bilden am Unter- und Oberlid ein kleines Reservoir. 75-90 Prozent der Tränen werden in diesem Reservoir gehalten. Der Rest verteilt sich über dem Auge und bildet einen dünnen Film aus, den Tränenfilm. Die durchschnittliche Höhe des Tränensees beträgt 0.18 Millimeter Tränenflüssigkeit. In der Untersuchung des Trockenen Auges ist die Beurteilung der Tränenseehöhe ein guter Hinweis für den Ausprägungsgrad eines Trockenen Auges.

Verteilt sich nicht mehr genug Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Augenoberfläche, werden Hornhaut und Bindehaut weniger befeuchtet, die Sauerstoffversorgung der äußeren Hornhautschicht sinkt, Unebenheiten auf der Hornhaut werden weniger geglättet, die Abwehr von Bakterien und Viren (bakterizide Wirkung) und das Ausschwemmen von kleinen Fremdkörpern funktioniert nicht mehr. Zusätzlich tritt bei trockenen Augen oft eine Lidrandentzündung auf. Dabei sind die Drüsen im Bereich der Lidränder verstopft, die den Fettanteil der Tränenflüssigkeit produzieren – die Augen trocknen dann noch schneller aus.

Wenn der Tränenfluss versiegt

Mediziner sprechen dabei von der "Keratoconjunctivitis sicca" oder kurz "Sicca-Syndrom". Es handelt sich um eine Volkskrankheit. Das trockene Auge ist zwar einer der häufigsten Gründe, weshalb Patienten den Augenarzt aufsuchen. Augenexperten diagnostizieren das Sicca-Syndrom bei bis zu 80 Prozent der älteren Patienten. Doch nur rund 20 Prozent der Augenarztpatienten sind deswegen in Behandlung. Gleichzeitig ist das Sicca-Syndrom nämlich ein unterschätztes oder nicht erkanntes Problem. Nicht selten erhalten die Patienten eine falsche Diagnose wie zum Beispiel "grauer Star". Mitunter leiden auch schon junge Menschen unter der Augenreizung.

Das trockene Auge umfasst alle Symptome, die durch eine verminderte Befeuchtung des Auges verursacht werden. Das "Sicca-Syndrom" entsteht, wenn beispielsweise durch konzentriertes Arbeiten am Bildschirm die Lidschlagfrequenz sinkt. Ist das Auge zudem Zugluft ausgesetzt, arbeitet man in einem klimatisierten Raum oder wird in der Nähe geraucht, geht der Prozess des Austrocknens noch schneller. Zudem begünstigen chirurgische Eingriffe am Auge oder verschiedene Krankheiten das trockene Auge: Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen, Schilddrüsenprobleme.

Im fortgeschrittenen Alter wird die Tränenflüssigkeit generell spärlicher. Frauen sind besonders nach den Wechseljahren betroffen. Weiterhin können Medikamente wie zum Beispiel Betarezeptorenblocker, Kortison über eine längere Zeit, Antiarrhythmika oder Schmerzmittel die Augen austrocknen. Auch das jahrelange Tragen von Kontaktlinsen kann das Sicca-Syndrom auslösen.

Die Diagnose ist schnell gestellt

Menschen, die Schmerzen, Jucken oder Gefühl wie Schleifpapier in den Augen haben, sollten möglichst frühzeitig zum Augenarzt gehen. Für einen ersten Eindruck überprüft er mithilfe der Spaltlampe, inwieweit sich die Tränenflüssigkeit noch über das Auge verteilt. Er sucht nach Rötungen und Narben der Bindehaut und insbesondere nach einer faltigen Bindehaut, einer typischen Veränderung beim trockenen Auge. Mit dem Schirmer-Test lässt sich prüfen, ob noch genügend Tränenflüssigkeit produziert wird. Dazu legt der Augenarzt kleine Streifen aus saugfähigem Papier in den Bindehautsack. Nach fünf Minuten kann er ablesen, wie lange es dauert, bis sich das Papier vollgesaugt hat.

Um zu untersuchen, wie stabil der Tränenfilm ist, inspiziert der Augenarzt, ebenfalls an der Spaltlampe, die sogenannte Tränenfilmaufreisszeit (TAZ), auch Break-up-time genannt. Dabei bringt der Arzt den fluoreszierenden Farbstoff Fluorescein in das Auge ein und betrachtet den nun fluoreszierenden Tränenfilm mittels speziellen Filters an der Spaltlampe. Der Patient wird dabei angehalten, das Auge so lange wie möglich offen zu halten, nachdem er ein- oder zweimal geblinzelt hat. Bilden sich schwarze Stellen im fluoreszierenden Tränenfilm, so sind dies Stellen, wo der Tränenfilm bricht. Ist dieses Phänomen innerhalb von zehn Sekunden nach dem letzten Blinzeln zu sehen, so muss von einer Instabilität des Tränenfilmes ausgegangen werden.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei trockenen Augen. Tränenersatzmittel in Form von Augentropfen, Gel oder Spray können helfen, die Augenoberfläche zu benetzen. Vor allem Träger weicher Kontaktlinsen sollten nur Mittel ohne Konservierungsstoffe verwenden, da diese sich in der Kontaktlinse anreichern und dann die Hornhaut schädigen können. Wird das trockene Auge durch eine Krankheit verursacht, gilt es zunächst, diese zu behandeln, um den Tränenfilm möglichst wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Hat sich das Auge zusätzlich entzündet, helfen entzündungshemmende Augentropfen. Bei sehr ausgeprägten Beschwerden und einer unzureichenden Benetzung können die Tränenabflusskanälchen mit einem kleinen Eingriff verschlossen werden, um die verfügbare Tränenmenge zu erhöhen.

Folgende Tipps wirken vorbeugend

• Bei dem Auftreten von Beschwerden frühzeitig den Augenarzt aufsuchen.
• Um trockenen Augen bei der Arbeit am Computer vorzubeugen, sollte man häufig blinzeln und regelmäßige Pausen einlegen.
• Die Augen mehrmals täglich mit frischer Luft im Raum oder draußen versorgen.
• Halten Sie die Luftzirkulation im Auto niedrig. Bei längeren Autofahrten sollte man das Gebläse im Fahrzeug so einstellen, dass der Luftzug nicht direkt auf das Gesicht trifft und die Luft nicht zu stark aufgeheizt wird.
• Meiden Sie Zugluft am Auge.
• Kontaktlinsenträger mit trockenen Augen müssen regelmäßig zum Augenarzt. Er kann feststellen, ob genug Tränenflüssigkeit für die Linsen vorhanden ist.
• Stark klimatisierte oder überheizte Räume in Hotels und Büros sollten gemieden werden.
• Eine Schale mit Wasser oder feuchte Tücher auf der Heizung erhöhen die Luftfeuchtigkeit.
• Täglich sollte man zwei bis drei Liter Wasser oder Tee trinken.
• Positiv können sich auch Omega-3-Fettsäuren und Vitamin-A auswirken. Augenärzte raten daher zum regelmäßigen Verzehr von Lachs, Makrele, Butter, Milch und Käse.
• Augen regenerieren im Schlaf. Optimal sind sieben bis acht Stunden pro Nacht.
• Kosmetika und Augentropfen sollten keine Konservierungsmittel enthalten.

Filmbeiträge: Carola Welt / Tom Garus
Infotext: Beate Wagner

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