Asthma: Medikamente und Stethoskop (Quelle: Colourbox)
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- Wenn die Luft fehlt - neue Hilfe bei Asthma

Asthma lässt sich gut mit den neuen modernen Medikamenten behandeln, wenn es erkannt wird. Allerdings haben nicht alle Ärzte die Krankheit im Blick, vor allem, wenn sie erst im höheren Erwachsenenalter auftritt - und die Symptome anderer chronischer Erkrankungen imitiert. Doch die richtige Diagnose ist wichtig für eine erfolgreiche Therapie.

Asthma bronchiale ist eine entzündliche und meist chronische Erkrankung der Atemwege. Bei veranlagten Personen reagieren die Atemwege auf Allergene und verschiedene andere Auslöser wie Medikamente, kalte Luft, Infekte der oberen Luftwege oder auch eine Refluxkrankheit. Die Folge ist eine Entzündung der Bronchialschleimhaut. Eine Gruppe der weißen Blutkörperchen, die so genannten eosinophilen Granulozyten, bringen mit Hilfe von Entzündungsbotenstoffen die krankhaften Prozesse an der Bronchialschleimhaut in Gang und halten sie am Laufen. Die Schleimhaut lagert Flüssigkeit ein, gibt vermehrt zähen Schleim ab. Die Muskeln der Bronchien verkrampfen, und die eingeatmete Luft muss gegen einen höheren Widerstand abgeatmet werden. Wie sich die Luft dann durch die Bronchien quält, kann der Arzt durch das Stethoskop hören. "Giemen" nennt er das typische Geräusch.

Rund zehn Prozent aller Erwachsenen und zwischen drei und zehn Prozent der Kinder sind hierzulande asthmakrank. Dabei sind viele ältere Menschen Experten zufolge weitaus häufiger betroffen als bislang bekannt.

Zwei verschiedene Asthmaformen

Experten unterscheiden zwei verschiedene Asthmaformen: das allergische und das nicht-allergische Asthma. Mehr als 85 Prozent aller Asthmaerkrankungen - vor allem bei Kindern - sind allergisch bedingt. Bei ihnen bekämpft das körpereigene Abwehrsystem eigentlich harmlose Stoffe; es kommt zu einer krankhaften Überreaktion. Zu den potenziellen Allergenen gehören Blütensamen, Hausstaubmilben, Tierhaare von Katzen, Hunden, Feldtieren oder Schimmelpilze.

Noch immer hält sich die Einschätzung "zu jung für Asthma". Doch Ärzte sollten bei Atembeschwerden im Kindesalter immer auch an Asthma denken. Viele sind bei Beginn erst zwischen vier und sechs Jahren alt: In wenigstens 70 Prozent der Asthma-Fälle bricht die Krankheit vor dem fünften Lebensjahr aus. Eine weitere Fehlannahme: Man müsse erst Heuschnupfen haben, bevor man Asthma bekommt. Dieser so genannte Etagenwechsel kann, muss aber nicht sein - das Asthma kann auch die erste Erscheinungsform einer allergischen Reaktion sein. Kinder, die an Neurodermitis leiden, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Asthma. Bei asthmakranken Kindern, die vor der Pubertät behandelt werden, verliert sich die Erkrankung häufig im Laufe des Erwachsenwerdens.

Bei älteren Erwachsenen nicht-allergisches Asthma

Das sogenannte Late-onset-Asthma tritt oft erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Etwa jeder zehnte ältere Erwachsene ist davon betroffen und diese Form ist häufig nicht-allergisch bedingt. Die Ursachen sind noch nicht ganz geklärt, meist gehen jedoch Infekte der Atemwege durch Chlamydien, Viren und Bakterien voraus. Außerdem scheint ein regelmäßiger Kontakt mit bestimmten Medikamenten der dauerhaften Erregung der Bronchialschleimhaut Vorschub zu leisten. Auch eine wiederholte Reizung der Atemwege durch sauren Mageninhalt bei Sodbrennen bereitet der Krankheit den Weg.

Die Diagnose bei Erwachsenen ist schwierig; nur bei einem Drittel der Patienten wird die Krankheit sofort erkannt. Nicht selten wird das Asthma mit Krankheiten verwechselt, die auch Luftnot hervorrufen können. Dazu gehören Lungenerkrankungen wie COPD oder Bronchitis und eine Herzschwäche. Das Problem: Bei einer verzögerten Diagnose erfolgt keine passende Therapie. Wird aber der entzündliche Vorgang nicht unterbrochen und läuft unkontrolliert weiter ab, schreitet er voran und kann zu irreversiblen Veränderungen des Lungengewebes führen.

Diagnose

Asthma ist heute gut zu diagnostizieren und zu behandeln. Um das Asthma von anderen Erkrankungen der Lungen oder der Atemwege abzugrenzen, setzen Lungenfachärzte heute die Spirometrie und Bodyplethysmographie ein. Die Spirometrie oder Lungenfunktionsprüfung testet die Funktion der Lunge. Nach tiefem Ausatmen atmet der Patient wieder ein. Dabei misst das Gerät die maximale Lungenvolumen (Vitalkapazität). Nun versucht der Patient, so schnell und kräftig wie möglich auszuatmen. Die Maschine ermittelt nun das maximal in einer Sekunde abgeatmete Volumen (Einsekundenkapazität). Diese und eine Reihe weiterer Messwerte geben Hinweise darauf, ob der Patient durch sein Asthma ein vermindertes Lungenvolumen hat und ob seine Ausatmung behindert ist.

Anders als die Spirometrie, welche die normale Lungenfunktion überprüft und außerhalb der Asthmaanfälle oft keinerlei Einschränkungen zeigt, misst die "große Lungenfunktion" oder Bodyplethysmographie das Luftvolumen in der Lunge sowie der Atemwiderstand in den verengten Bronchien objektiv und unabhängig von der Mitarbeit des Patienten. Die Bodyplethysmographie erfasst also die Bronchialverkrampfung und die Überblähung der Lungenbläschen beim chronischen Asthma.

Wer eine andauernde, unklare Atemnot hat, die sich trotz Behandlung anderer Grunderkrankungen nicht bessert, sollte eine auf Lungenerkrankungen spezialisierte Praxis oder Ambulanz aufsuchen. Mithilfe von Belastungstests mit der Prüfung der Lungenfunktion können die Spezialisten dort zwischen Asthma und anderen Ursachen unterscheiden.

Behandlung

Vorbeugend erhalten die Patienten Kortison, das die chronische Entzündung der Bronchien lindern soll. Zu den gefürchteten Nebenwirkungen wie Vollmondgesicht oder Gewichtszunahme führt die Therapie nicht, denn Kortison im Atem-Spray ist viel niedriger dosiert als bei einer Tablettenbehandlung. Falls sich die Beschwerden nicht bessern, setzen die Ärzte gemäß des aktuellen Stufenplans weitere Wirkstoffe ein. Die Behandlungsleitlinien wurden erst im Dezember 2017 aktualisiert. Sie empfehlen einen sehr frühen Einsatz von Medikamenten. Außerdem werden keine kurzwirksamen Medikamente mehr eingesetzt.

Für eine effektive Behandlung ist die korrekte Handhabung der Dosieraerosole essentiell. Da jeder Hersteller eine etwas andere Handhabung hat, sollten Patienten in der Apotheke darauf bestehen dass sie genau das rezeptierte Produkt erhalten.

Sport bei Asthma

Neben den zahlreichen Medikamenten wird ein wichtiger Therapiebestandteil bislang von Patienten und Ärzten oft vernachlässigt: Sport und Aktivität. Die meisten Asthmatiker vermeiden jegliche Bewegung aus Angst, Luftnot zu bekommen. Doch Studien zeigen das Gegenteil: Je mehr sich die Patienten bewegen, desto leistungsfähiger sind sie.

Asthmatiker, die Sport machen, haben eine deutlich bessere Lebensqualität haben und brauchen oft weniger Medikamente als Nicht-Sportler. Ein Beispiel: In einer Untersuchung benötigten Patienten, die ein Vierteljahr keinen Sport machten, im Durchschnitt 14 Tage im Monat ein Asthmaspray. Diejenigen, die eine Stunde pro Woche aktiv waren, brauchten das Spray nur an sechs Tagen. Oft helfen schon die kleinen Aktivitätseinheiten: Treppe statt Fahrstuhl. Fahrrad statt Auto.

Auch die Krankenkassen haben das Potenzial von Sport für ihre lungengeschädigten Patienten erkannt: Sie zahlen - ganz oder zum Teil - bis zu 120 Trainingseinheiten. Eine gute Investition in die Gesundheit der Asthmatiker. Asthma ist nicht heilbar, man kann aber gut damit leben - und sogar bei Olympia gewinnen, wie die ehemalige Schwimmerin Sandra Völker eindrucksvoll gezeigt hat.

Ernährung bei Asthma

Ein weiterer wichtiger Punkt: eine gesunde Ernährung. In der Asthmatherapie spielt gesunde Kost bisher kaum eine Rolle. Was man jedoch mit einer Kombination aus gesunder Ernährung und Sport erreichen kann, hat eine dänische Studie untersucht: Patienten konnten einen Asthmawert, der die Ausprägung von Beschwerden anzeigt, in nur acht Wochen um fast 50 Prozent senken. In Verbindung mit Sport lassen sich die Werte noch einmal steigern. In einer früheren Nature-Untersuchung zeigten tierexperimentelle Studien, dass eine ballaststoffreiche Kost über eine Veränderung der Darmflora Fernwirkungen auf Knochenmark und die Atemwege erzielt und dadurch allergische Reaktionen abschwächt. Asthma-Experten raten deshalb dringend dazu, die nichtmedikamentösen Lifestyle-Veränderungen als feste Therapiesäule in die Behandlung des Asthmas zu integrieren. Dieser Aspekt wird auch in den aktuellen Leilinien besonders betont.

Filmbeiträge: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

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