Frau putzt sich vor einer Wiese die Nase (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Allergien 2018

Es geht wieder los: Die Pollen fliegen. Für Allergiker bedeutet das: ständig juckende Augen, Niesen, Husten. Hilft Homöopathie oder muss es immer Chemie sein? Und gibt es jetzt noch kurzfristige Hilfe? Die rbb Praxis klärt über die Vor- und Nachteile verschiedener Therapien auf, damit Sie trotz Allergie gut durch die Pollenzeit kommen.

Er hat es endlich geschafft: Der Frühling hat den Winter verdrängt. Aktuell liegen die Temperaturen um die 20 Grad. Ein Grund zur Freude. Millionen Pollenallergiker sehen das anders; sobald die ersten Gräser im Frühling durch die Luft fliegen, beginnt für sie die Leidenszeit.

Allergien treffen hierzulande schätzungsweise 30 Millionen Menschen. Die meisten davon haben eine Allergie gegen Pflanzenpollen. Der Kontakt mit deren Pollen führt zu Hautquaddeln, Triefnase, tränenden Augen und Juckreiz. Die Pollen enthalten Eiweiße, so genannte Allergene, die diese Reaktionen auslösen. Sie provozieren das Immunsystem und bringen den körpereigenen Botenstoff Histamin in Gang. Er sorgt bei der Abwehr der Fremdlinge für eine erhöhte Durchblutung der Schleimhäute. Zudem setzt Blütenstaub Fettsäuren frei, die das Immunsystem direkt reizen.

Wenn die Beschwerden zunehmen

Derzeit leiden viele Allergiker unter den Pollen der sogenannten Frühblüher: Haselnuss, Erle und Birke. Vor allem für Birkenpollenallergiker dürfte es dieses Jahr nach Einschätzungen der Experten vermehrte Belastungen geben. Denn auf Jahre, in denen Birken keine oder wenig Pollen bilden, folgen solche, in denen die Bäume besonders viel Blütenstaub abwerfen. Diese sogenannten "Mastjahre" fallen in der Regel auf gerade Jahreszahlen wie 2018. Der Polleninformationsdienst vom Institut für Meteorologie der FU Berlin rechnet übrigens am 16.04.2018 mit dem Start der Birkenblüte in Berlin.

Wenn die Beschwerden über die Jahre zunehmen, kann das aber auch heißen, dass man auf immer mehr Allergene reagiert. Zu den Frühblühern gesellen sich im Laufe der Zeit noch eine Allergie auf Steinobst, Ambrosia oder Hausstaubmilben.

Ein weiterer Grund für vermehrte Symptome: der Klimawandel. Studien zeigen, dass sich die Belastung durch Gräserpollen bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln wird. Noch drastischer sieht es bei der Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) aus: Deren besonders stark allergene Pollen könnten schon bis 2050 um das Vierfache zunehmen.

Ursache dieser Trends ist zum einen der Anstieg von Kohlendioxid in der Luft, der die Pflanzen zur vermehrten Bildung von Pollen anregt. Stickstoffdioxid und Ozon führen zudem dazu, dass der Pollen aggressiver ist. Fördernd ist auch das gute Wetter, das längere und frühere Blühen der Pflanzen erlaubt. Mit steigenden Temperaturen und zunehmenden Ozonwerten infolge des Klimawandels werden also auch die Symptome von Pollenallergikern zunehmen.

Pricktest: Die Haut gibt Gewissheit

Wer auf welches Allergen reagiert, untersuchen Ärzte mit dem sogenannten Pricktest. Bei diesem Hauttest kommen Tropfen der verschiedenen Allergene wie Baum-, Gräser-, Kräuterpollen, Hausstaubmilbe, Hund, Katze oder Schimmelpilze auf die Haut. Mit Hilfe einer feinen Lanzette oder Nadel ritzt der Arzt die Haut oberflächlich ein. Getestet wird mit standardisierten, industriell hergestellten Lösungen. Zur Kontrolle werden zusätzlich immer eine wässrige Lösung und eine Lösung mit Histamin aufgetragen. Die erste darf keine, die zweite muss eine Reaktion auslösen. Rötet und juckt die Haut nach fünf bis 60 Minuten und bilden sich Quaddeln im Bereich eines Allergentropfens, ist der Patient darauf allergisch. Der Test kann in der Zeit allergischer Reaktionen durchgeführt werden, allerdings nur, wenn die letzten Tage kein Antiallergikum eingenommen wurde.

Leiden lindern - akut helfen Antihistaminika

Für Allergiker gibt es einige Grundregeln, mit denen sie sich gegen die Pollenallergie zur Wehr setzen können. Gegen akute Beschwerden helfen zum Beispiel die sogenannten Antihistaminika. Wie der Name schon sagt, blockieren sie das Histamin an den Schleimhautzellen. Dadurch werden die Entzündungssymptome reduziert. Nachteil sind die mitunter unangenehmen Nebenwirkungen: Teilweise gehen sie mit Kopfschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Nervosität und extremer Müdigkeit einher. Antihistaminpräparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Betroffene sollten die Auswahl aber mit ihrem Arzt abstimmen. Er kann Wirkungen und vor allem auch Neben- und Wechselwirkungen der Medikamente am besten einschätzen.

Als sehr wirksame Helfer gegen geschwollene Nasen gelten auch kortisonhaltige Nasensprays. Das Kortison wirkt nur lokal, Nebenwirkungen sind gering. Neu ist hier: Die Rezeptpflicht wurde gestrichen, die Sprays sind freiverkäuflich - und damit in etwa doppelt so teuer wie früher, als nur die Rezeptgebühr bezahlt werden musste.

Homöopathische Produkte, auf die einige Patienten schwören, verarbeiten Galphimia Glauca als Antiallergikum, auf Deutsch auch "kleiner Goldregen" genannt. Der Strauch wächst in Mittelamerika. Zur Wirksamkeit gibt es ganzheitlich orientierten Medizinern zufolge mehrere gute Studien, die viele Patienten einschließen. Dabei zeigte sich, dass der kleine Goldregen in der Lage ist, die Augen- und Nasensymptome effektiv zu reduzieren.

Alles eins: Immuntherapie, Hyposensibilisierung, Impfung gegen Allergie

Wer sich langfristig gegen das Niesen, Schnupfen und tränende Augen wappnen will, kann eine Immuntherapie beim Arzt durchführen lassen. Dabei bekommt der Patient in regelmäßigen Abständen geringe Mengen jener Allergene gespritzt, auf die er während der Pollensaison reagiert. Die sogenannte Hyposensibilisierung bewirkt, dass sich der Körper langsam an die Allergie auslösenden Stoffe gewöhnt, die überschießende Immunreaktion geht langfristig zurück.

Zumindest Gräserpollen-Allergiker kommen inzwischen auch ohne Spritze aus. Die Spritzen werden einmal monatlich in der Arztpraxis verabreicht; Tabletten und Tropfen schlucken die Patienten selbst zu Hause. Wer sehr sicherheitsorientiert ist, kann die ersten Dosierungen auch in der Arztpraxis einnehmen. Die langwierige Prozedur erfordert zwar Geduld und Disziplin, mildert jedoch häufig die Beschwerden deutlich.

Eine Hyposensibilisierung über drei Jahre beginnt klassischerweise im Herbst. Bei neueren Kurzzeit-Varianten kann man die Behandlung auch noch kurz vor der Saison starten. Die Allergene werden dann schnell aufdosiert. Wer beispielsweise Gräserallergiker ist, also erst im Sommer Symptome entwickelt, könnte jetzt noch so schnell wie möglich eine Hyposensibilisierung durchführen. Mit etwas Glück haben Betroffene dann weniger Beschwerden.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

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