3D-Grafik einer Gallenblase (Quelle: Colourbox)
Colourbox
Bild: Colourbox

- Wenn die Galle Ärger macht

Die Gallenblase speichert Gallensäfte für die Verdauung von Fetten im Darm. Mit den Jahren können dort Gallensteine entstehen, die mitunter Beschwerden verursachen. Dann müssen sie behandelt werden - mit natürlichen Heilverfahren und verschiedenen Operationsmethoden.  

Die Leber produziert am Tag etwa einen halben Liter Gallenflüssigkeit. An ihrer Unterseite sitzt die Gallenblase als kleiner "Auffangsack" und speichert die von der Leber produzierten Gallensäfte. Der Körper benötigt die Galle, um Fette zu verdauen. Die Flüssigkeit zersetzt die Fette in kleine Tröpfchen, so dass sie für die fettspaltenden Enzyme leichter angreif- und zerteilbar sind. Wenn Gallenflüssigkeit benötigt wird, zieht sich der kleine Muskelsack zusammen und pumpt die Galle über den Gallengang in den Dünndarm.

Gallensteine sind kristalline Ansammlungen in der Gallenblase oder den Gallengängen. Sie bestehen aus Cholesterin (Cholesterinsteine) oder Farbstoffen, dem Bilirubin (Pigmentsteine). Cholesterinkristalle bilden sich, wenn die Gallenblase mehr Cholesterin enthält, als die vorhandenen Gallensalze lösen können. Die Cholesterine verklumpen dann. Gallensteine entstehen vermehrt auch dann, wenn die Entleerung der Gallenblase gestört ist, beispielsweise bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen oder in der Schwangerschaft.

Gallensteine versperren den Weg und begünstigen Entzündungen

Drei Viertel aller Betroffenen merken ihre Gallensteine nicht; sie brauchen keine Therapie. Die anderen werden vom sogenannten "Steinleiden" geplagt. Vor allem Frauen ab 40 und mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko dafür. Typische Beschwerden sind Völlegefühl, Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch. Die Symptome treten oft nach fettreichen Mahlzeiten, dem Genuss von Kaffee oder Wein auf. Sie können aber auch unabhängig davon auftreten.

Gelegentlich versperrt ein Stein den Gallengang komplett. Dann staut sich die Gallenflüssigkeit, die Gallenblase entzündet sich. Teilweise entstehen sogar Eiteransammlungen. In Ausnahmefällen breitet sich die Infektion auf die Bauchspeicheldrüse aus. Sehr selten brechen Gallensteine durch die Gallenblasenwand in die freie Bauchhöhle oder lösen einen kompletten Darmverschluss aus.

Wie erfolgt die Diagnose?

Zunächst beschreibt der Patient die Symptome. Danach tastet der Arzt den Bauch ab. Die Diagnose erfolgt mit Hilfe des Ultraschalls, mit dem sich 95 Prozent aller Gallensteine erkennen lassen. Eine Laboruntersuchung für Leber-, Gallen- und Entzündungswerte geben Aufschluss darüber, ob die Beschwerden durch einen Gallenstau bedingt sind.

Mit der Gallengangspiegelung, die endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikographie oder kurz ERCP, kann der Arzt die Gallengänge untersuchen und Gallensteine zum Teil direkt therapieren: Gallensteine im Gallengang kann er mit einer Art Körbchen oder einer Zange entfernen oder vor Ort zertrümmern. Zusätzlich erweitert er die Mündung des Gallengangs in den Dünndarm, so dass die Steine leichter abgehen.

Wie wird behandelt?

Schmerzen und Entzündungen müssen akut behandelt werden. Schmerzmittel und krampflösende Medikamente (Spasmolytika) lösen die Verkrampfungen im Magen-Darm-Trakt. Antibiotika dämmen die Entzündung ein. Erleichternd wirken auch warme Wickel im Oberbauchbereich. Das alles sind jedoch nur symptomatische Therapien; am wahren Grund des Übels, den Gallensteinen, ändern sie nichts.

Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft empfiehlt es sich, störende Gallensteine zu entfernen, da die Beschwerden meist wiederkehren. Bei gehäuft auftretenden, sehr großen Gallensteinen ist zudem die Gefahr leicht erhöht, eines Tages an Gallenblasenkrebs zu erkranken.

Standardeingriff in den meisten Fällen ist die laparoskopische Entfernung, also die Gallenblasenoperation per Schlüsselloch-Chirurgie. Sie wurde 1985 erstmals durchgeführt und macht heute etwa 95 Prozent aller Eingriffe an Gallenblasensteinen aus und 60 Prozent der Behandlungen von entzündeten Gallenblasen. Bei dem minimalinvasiven Eingriff machen die Chirurgen vier kleine Schnitte, durch die eine Kamera und verschiedene Arbeitsinstrumente in die Bauchhöhle eingeführt werden.

Die moderne Methode hat mehrere Vorteile gegenüber der offenen Operation: Es ist kein größerer Bauchschnitt nötig, Komplikationen an der Bauchwunde oder Narbe treten seltener auf. Der Patient hat nach dem Eingriff weniger Schmerzen, ist schneller wieder auf den Beinen – was auch das Thromboserisiko senkt - und kann bereits drei bis vier Tage nach dem Eingriff nach Hause gehen.

Seit einigen Jahren gibt es für das Entfernen der Galle ein weiteres minimalinvasives, nahezu narbenloses Verfahren, das sogenannte NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) oder Operieren über natürliche Körperöffnungen. Um die Gallenblase zu entfernen, wird in den meisten Fällen über die Scheide operiert. Diese sogenannte transvaginale Cholezystektomie macht bislang 85 Prozent aller dokumentierten NOTES-Operationen in Deutschland aus.

Zugang über Scheide und Bauchnabel

Statt mehrerer kleiner Schnitte in der Bauchdecke gelangen die Instrumente über die Scheide ins Körperinnere. Die Scheide ist im Gegensatz zur äußerst sensiblen Haut ein idealer Zugangsweg: gut durchblutet, relativ schmerzunempfindlich und weit genug dehnbar, um die Gallenblase am Ende herauszuholen. Ganz ohne Skalpell funktioniert das Verfahren dennoch nicht: Die Kamera wird durch einen kleinen Schnitt am Bauchnabel an die richtige Stelle geschoben.

Die Vorteile des NOTES-Verfahrens: weniger postoperative Schmerzen, eine geringere Infektionsrate, weniger Narbenhernien, eine kürzere Verweildauer und Arbeitsunfähigkeit sowie bessere kosmetische Ergebnisse. Der Nachteil: Für NOTES brauchten die Operateure laut einer Studie im Schnitt fast doppelt so lange wie für die herkömmliche minimalinvasive Entfernung der Gallenblase.

Wie kann man die Entstehung von Gallensteine verhindern?

Neben einer genetischen Veranlagung sind Gallensteine meist ernährungsbedingt. Außer cholesterin- und kohlehydratarmer Kost wird Vitamin C eine schützende Wirkung nachgesagt. Alkohol und Kaffee sollten auf ein Mindestmaß gedrosselt werden. Patienten, die Gallensteine verhindern möchten, müssen außerdem viel Wasser trinken. Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke sind kontraproduktiv. Regelmäßige Bewegung wirkt der Gallensteinbildung entgegen. Übergewicht und zu schnelles Abnehmen sind zu vermeiden.

Filmbeiträge: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Constanze Löffler

Infos im Netz

weitere Themen der Sendung

Grafik vom Kopf zu Morbus Parkinson (Quelle: rbb)
rbb

Früherkennung von Parkinson 2018

Wenn Morbus Parkinson bei einem Menschen diagnostiziert wird, das berüchtigte unkontrollierbare Zittern beginnt, können Ärzte meist nur noch die Symptome behandeln. Frühe Anzeichen für die Erkrankung, die von Riech- über Schlafstörungen bis zu Depressionen reichen, treten teilweise allerdings schon zehn Jahre vor Ausbruch der Bewegungsstörungen auf.  

Frau schaut schmerzverzerrt auf Rücken (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Letzte Hoffnung Brustverkleinerung?

Eine Brustoperation ist eine der häufigsten Schönheitsbehandlungen weltweit. Aber nicht immer geht es um eine Vergrößerung. So kann eine zu große Brust zur Last werden. Betroffene Frauen kämpfen mit Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Wenn ein gut sitzender BH, Gewichtsabnahme, Sport und Entspannung nicht weiterhelfen, kann eine operative Brustverkleinerung die Lösung sein.

Frau putzt sich vor einer Wiese die Nase (Quelle: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Allergien 2018

Es geht wieder los: Die Pollen fliegen. Für Allergiker bedeutet das: ständig juckende Augen, Niesen, Husten. Hilft Homöopathie oder muss es immer Chemie sein? Und gibt es jetzt noch kurzfristige Hilfe? Die rbb Praxis klärt über die Vor- und Nachteile verschiedener Therapien auf, damit Sie trotz Allergie gut durch die Pollenzeit kommen.