Ältere Menschen beim Aquasport (Quelle: imago/Nullplus)
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- Altersforschung: Anti-Aging für das Herz

Gesund bleiben und alt werden, diesen Wunsch haben viele von uns. Und noch nie war dieser Wunsch so nahe an der Wirklichkeit wie heute. Was viele nicht ahnen: Mit gesunder Ernährung und Bewegung kann man beispielsweise Herz und Gefäße nicht nur fit halten, sondern sogar wieder fit machen.

Die Lebenserwartung der Deutschen ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und damit auch die Zahl der Älteren in der Bevölkerung. Der demografische Wandel wird die Entwicklungen im Gesundheitssystem zukünftig wesentlich mitbestimmen und die medizinische Versorgung des älteren Patienten immer mehr in den Fokus rücken. Denn es gibt schlicht immer mehr ältere und sehr alte Patienten. Zudem haben Hochbetagte, also Menschen über 75 Jahre, im Unterschied zu jungen Menschen nach einer Lungenentzündung, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall oft größere Schwierigkeiten, an ihr aktives Leben wieder anzuknüpfen.

Doch das deutsche Gesundheitssystem hilft ihnen zunehmend auf die Sprünge: Für Senioren gibt es verschiedene Formen der geriatrischen Rehabilitation. Hier finden sie, zum Beispiel nach einem Sturz, nicht nur körperlich wieder zu Kräften. Mithilfe von Therapeuten, Pflegern und ehrenamtlichen Helferinnen arbeiten sie während ihres mehrwöchigen Aufenthaltes eine straffe Agenda ab: Die Aktivitäten von Kraftsport im Fitnessraum bis gemeinsamem Kochen haben ein klares Ziel. Es geht darum, die älteren Herrschaften körperlich und geistig wieder soweit herzustellen, dass sie in die eigenen vier Wänden zurückkehren und selbstständig ihren Lebensabend genießen können.

Geriatrische Reha im Kommen

Es gibt mehrere unterschiedliche Formen der Rehabilitation, die Senioren wieder auf die Beine helfen: die Früh-Reha, die geriatrische Reha, die mobile Reha und die ambulante Reha. Früh-Reha ist die Abkürzung für die sogenannte geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFKB). Sie findet in Akutkliniken und Krankenhäusern statt. Ärzte raten zu einer Früh-Reha, wenn ein älterer Patient wegen eines Schlaganfalls oder einer Lungenentzündung in der Klinik liegt, zusätzlich aber auch noch andere Erkrankungen wie Herzkreislaufprobleme, Inkontinenz oder Demenz hat. Schon am zweiten Tag beginnt dann das Training. Studien zeigen, wie wichtig das ist: Je länger ältere Menschen bettlägerig sind, desto eher werden sie körperlich schwach und unbeweglich. Doch in den letzten Jahren hat sich viel verbessert: Vier von fünf Operierten, die eine Früh-Reha machen, gehen wieder nach Hause – und landen nicht im Pflegeheim.

Seltene Rehaformen für spezielle Situationen

Die geriatrische Reha hingegen wird in speziellen Reha-Einrichtungen angeboten. Seltenere Formen der geriatrischen Reha sind die ambulante und die mobile Reha. In die geriatrische Reha kommen die Senioren nach der Früh-Reha, sie macht sie wieder fit für ein selbstbestimmtes Leben. Dazu gehört selbständig zu laufen, sich selbst zu waschen, Treppen zu steigen oder den Haushalt zu erledigen. In der ambulanten Reha werden die Patienten tagsüber therapiert, abends fahren sie nach Hause. Diese Form eignet sich, wenn der Patient für den täglichen Transport in die Klinik flexibel genug ist und die Angehörigen mithelfen können.

Bei der mobilen Reha kommen die Therapeuten zu dem Patienten nach Hause, wenn dieser zum Beispiel eine ansteckende Krankheit hat oder geistig verwirrt ist. Auch erblindete Menschen profitieren von einer mobilen Reha, weil sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Ein eigener, stetig wachsender Bereich der Altersmedizin ist zudem die sogenannte Alterstraumatologie. Denn mit der steigenden Lebenserwartung steigt auch die Zahl unfallverletzter, älterer Patienten, die häufig gleichzeitig an akuten oder chronischen Begleiterkrankungen leiden. Die Alterstraumatologie konzentriert sich auf Patienten ab dem 65. Lebensjahr, die vorwiegend an sogenannten Altersfrakturen leiden. Denn ganz gleich ob der Oberschenkel, Oberarmkopf oder ein Wirbelkörper gebrochen ist – oft liegt eine Osteoporose zugrunde, die die Knochenfestigkeit so angreift, dass sie solche Frakturen begünstigt.

Vorsicht vor Stürzen im Alter

Stürze sind bei älteren Menschen eines der Hauptrisiken für Pflegebedürftigkeit. Etwa jeder dritte Mensch über 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei Menschen über 80 Jahren ist es sogar fast jeder zweite. Auf einen harmlosen Sturz folgt oft ein ernster Knochenbruch. Denn die Knochendichte nimmt bei Frauen nach der Menopause rasch und bei Männern allmählich ab.

Erleiden die Patienten einen Oberschenkelhalsbruch, stirbt fast jeder dritte über 70-Jährige im ersten Jahr. Fast die Hälfte ist nicht mehr so mobil wie zuvor, ein weiteres Drittel kann nicht mehr allein gehen. Für ältere Patienten ist die schnelle Wiederherstellung zum Beispiel in einer speziellen Alterstraumatologie essentiell, da eine Einschränkung der Mobilität und Selbständigkeit für sie schwieriger zurückzuerlangen ist als für jüngere. Doch in den letzten Jahren hat sich auch hier viel getan: Dank passgenauer Rehabilitation gehen heute vier von fünf Sturzüberlebenden nach der Operation wieder nach Hause.

Möglichst viel unter einem Dach

Inzwischen gibt es Kliniken, die einerseits die Früh-Reha und andererseits ein Zentrum für Alterstraumatologie direkt unter einem Dach haben. Die Vorteile: Besonders bei älteren Patienten beeinflussen die Begleiterkrankungen sowie die Komplikationen im direkten zeitlichen Zusammenhang mit der OP den Behandlungserfolg. Vor der Operation wissen daher alle in die Behandlung involvierten Ärzte, ob der Patient zum Beispiel wegen eines Herzproblems oder wegen brüchiger Knochen gestürzt ist.

Die auf ältere Menschen spezialisierten Chirurgen wissen zudem, welche Implantate für ihre betagten Patienten am besten geeignet sind. Postoperativ kümmern sich die Spezialisten in der Früh-Reha um die Patienten. Andere alterstraumatologische Zentren kooperieren mit Kliniken in der näheren Umgebung, in denen die geriatrische Früh-Reha stattfindet.

Jeder kann seine Lebensqualität verbessern

Die professionelle klinische Behandlung älterer Patienten ist eine wichtige Säule, um möglichst lange eine hohe Lebensqualität aufrecht zu erhalten, der eigene Lebensstil ist eine andere. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass jeder Mensch selbst oder mit Unterstützung viel für eine lange und hohe Lebensqualität tun kann. Denn die Gesundheit im Alter wird nur zu 30 Prozent von den Genen bestimmt. 70 Prozent sind durch den persönlichen Lebensstil und den medizinischen Fortschritt bedingt.

Hinter "Lebensstil" verbergen sich mehrere Maßnahmen, wie Sport und Bewegung, Ernährung, Vorsorge, Verzicht auf Alkohol und Zigaretten, ausreichend Schlaf, psychische Gesundheit. Bei älteren Menschen ist dabei in Sachen Sport keine Höchstleistung gemeint, sondern die tägliche Bewegung und das Krafttraining. Die Muskelkraft ist eine wichtige Sturzprophylaxe, alle älteren Patienten sollten daher im Fitnessstudio Krafttraining machen. Zudem erlernen sie hier Übungen für einen stabilen Rumpf, um das Gleichgewicht besser zu halten. Wer sein Gleichgewicht hält, stürzt seltener und kann zum Beispiel besser allein den Haushalt bewältigen.

Herz und Gefäße altern durch Lebensstil

Ein gesunder Lebensstil beugt auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Gerade bei Herz-Kreislauf-Leiden im Alter geht man davon aus, dass diese sich infolge eines über viele Jahre unbemerkt verlaufenden Alterungsprozesses von Herz und Gefäßen entwickeln. Tückisch ist, dass man die schleichenden Veränderungen, wie zum Beispiel eine starke Gefäßverkalkung, über Jahrzehnte nicht bemerkt. Nicht selten ist sogar ein akuter Herzinfarkt - aus subjektiv empfundener völliger Gesundheit heraus - das erste Zeichen einer Herzerkrankung.

Wer die Gefäßalterung verhindert, lebt länger

Indem man die Alterung von Herz und Gefäßen verhindert, beugt man gleichzeitig auch vielen anderen Alterskrankheiten vor. Denn die Risikofaktoren beeinflussen sich alle gegenseitig: Übergewicht und Bewegungsmangel bringen die Blutfettwerte in Schieflage und erhöhen das Diabetesrisiko. So kommt es zu Bluthochdruck, Schäden an den Gefäßwänden und Arteriosklerose, die letztlich auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in die Höhe treiben.

Wer kardiovaskulären Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohe LDL-Cholesterinwerte, Zigaretten, Diabetes mellitus und Übergewicht bewusst entgegensteuert, arbeitet also aktiv auch Herz-Kreislauf-Leiden entgegen. So zeigen neue Studien, dass beispielsweise eine cholesterinarme Ernährung krankhafte Prozesse wie beispielsweise eine Arterienverkalkung in den Gefäßen nicht nur aufhalten, sondern sogar rückgängig machen kann. Bereits stattgehabte Prozesse der Gefäßalterung lassen sich bis zu einem gewissen Umfang ungeschehen machen.

Je früher, desto besser

Da die verschiedenen Risiken wechselseitig bedingen und beeinflussen, sollten schädliche Einflüsse also so früh wie möglich und so gut es geht ausgeschaltet und Bluthochdruck und Diabetes frühzeitig behandelt werden. Haben sich hingegen Herz-Kreislauf-Schäden wie Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen oder eine Herzmuskelschwäche erst einmal etabliert, sind sie in der Regel chronisch – ihr Verlauf lässt sich dann nur noch verlangsamen, nicht aber umkehren.

 

 

Beitrag: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

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