Gefühllose Füße (Quelle: colourbox)
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- Polyneuropathie

Nervenschäden sind häufig z.B. bei chronischem Diabetes oder nach langjährigem Alkoholgenuss. Je früher das Kribbeln, Taubheitsgefühl oder andere Beschwerden diagnostiziert werden, desto eher können Ärzte die Verschlimmerung der sogenannten Polyneuropathie verhindern. Eine neue Therapie soll zusätzlich helfen.

Die sogenannte Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Meist sind verschiedene Nerven betroffen, in der Regel in Armen und Beinen. Die Betroffenen spüren ein Brennen, Kribbeln, Stechen in den Extremitäten oder diese fühlen sich taub an. Auch haben Betroffene Schwierigkeiten mit feinmotorischen Bewegungen oder können die Füße nicht mehr richtig heben. Eine Polyneuropathie kann sich auch in den Nerven ereignen, die für die Versorgung der Muskeln verantwortlich sind. Sind diese motorischen Anteile betroffen, werden bestimmte Muskeln vom Nerven nicht mehr angesteuert, der Betroffene spürt das als Schwäche in den Muskeln. Sind hingegen die sensiblen, also für das Gefühl verantwortlichen Anteile verschiedenster Nerven betroffen, spüren Betroffene eher eine Taubheit oder ein gedämpftes Gefühl in der betroffenen Körperregion.

Normalerweise fließen Nervensignale vom Gehirn ohne Probleme bis in die Füße. Dafür brauchen die Nerven Nährstoffe. Bei der Polyneuropathie ist der Stoffwechsel gestört, Nährstoffe gelangen nicht mehr ausreichend zu den peripheren Nerven und die Signalübertragung zwischen den Nerven vom zentralen Nervensystem bis in die Extremitäten ist gestört.

Polyneuropathie hat viele Ursachen

Die Liste möglicher Ursachen einer Polyneuropathie ist lang: Am häufigsten ist die Polyneuropathie als Folge von Diabetes oder übermäßigem Alkoholgenuss. Es gibt aber auch entzündliche Neuropathien, erbliche Neuropathien oder solche nach Medikamentengebrauch oder Chemotherapie.

Sorge bereitet den Experten derzeit vor allem die diabetische Polyneuropathie: Infolge des weltweiten Anstiegs der Häufigkeit des Diabetes mellitus treten in der klinischen Praxis vermehrt Patienten mit einer symptomatischen diabetischen Neuropathie auf. Eine Vielzahl von epidemiologischen Studien zeigen, dass nach 15-20 Jahren Diabetes etwa bei jedem Zweiten Nervenstörungen auftreten. Die schmerzhafte diabetische Neuropathie betrifft bis zu elf Prozent der Patienten mit Typ 1 Diabetes und jeden dritten Patienten mit Typ 2 Diabetes. Die Symptome sind sehr vielfältig: Sie können von einem unangenehmen Brennen in den Füßen bis hin zu einschießenden Schmerzen führen.

Was können Betroffene selbst tun?

Die Betroffenen sollten zunächst versuchen, ihren Blutzucker so gut wie möglich und so frühzeitig wie möglich einzustellen. Das gelingt mit einer Ernährungsumstellung und Sport. Eine frühzeitige gute Einstellung des Zuckerwertes kann die polyneuropathischen Beschwerden bessern oder zumindest dafür sorgen, dass die Nervenstörung nicht zunimmt.

Auch bei allen anderen Polyneuropathien ist eine rasche Suche nach der Ursache entscheidend, um die richtige Therapie auszuwählen. Denn wenn es mit einer Diagnose zu lange dauert und der Schaden irgendwann zu groß ist, regeneriert der Nerv auch bei Abschaltung der Ursache nicht mehr. Bleibt die Ursache der Taubheit in den Füßen unbekannt, verschreiben Ärzte zunächst für eine kurze Zeit Schmerzmittel. Langfristig sind eher Antiepileptika oder Antidepressiva angeraten, sie hemmen das Weiterleiten der Schmerzsignale, können aber auch erhebliche Nebenwirkungen haben. Experten empfehlen zudem physiotherapeutische Übungen: Sie können die Füße wieder anpassungsfähiger machen, die Muskulatur mobilisieren und stärken.  

 

Neue Therapie kann Diabetikern mit Polyneuropathie helfen

Neben der Physiotherapie können manche Diabetiker mit einer Polyneuropathie auch von einer bestimmten Muskelstimulation profitieren. Das zeigte sich zufällig im Rahmen einer Studie. Die sogenannte Hochtontherapie oder Hochton Elektrische Muskelstimulation (HTEMS), gehört zu den neuen Behandlungsmöglichkeiten bei diabetesbedingten Nervenschädigungen, die jeder dritte bis vierte der sieben Millionen Diabetiker entwickelt. Die Therapie basiert auf einer tiefgehenden Muskelstimulation durch elektrische Ströme mit hoher Frequenz. Die Therapie kann – einigen kleineren Studien zufolge – die Beschwerden von Diabetikern mit Polyneuropathie verbessern. Mit Hilfe der Hochtontherapie sollen die Muskeln aktiviert, neuropathische Beschwerden gelindert und die Insulinaufnahme verbessert werden.

Die Besserung bei Patienten mit Polyneuropathie war bei einem Vergleich zur TENS-Behandlung, also der transcutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS), deutlich ausgeprägter: Während in der TENS-behandelten Gruppe jeder Vierte über eine Besserung der Symptomatik berichteten, waren es in der HTEMS-Behandlung 69 Prozent der Patienten. Die Ergebnisse bestätigen zudem, dass mittels elektrischer Muskelstimulation auch die Insulinsensitivität bei den Patienten gebessert werden konnte. Die Therapie bekämpft – ähnlich wie Tabletten – nur die Symptome. Die Kassen bezahlen das Gerät daher nur in Einzelfällen.  

Beitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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