Plötzlicher Gedächtnisverlust (Quelle: rbb)
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- Hilfe bei Gedächtnisproblemen nach Depression

Menschen verlieren ihr Gedächtnis nach einem Unfall, traumatischen Erlebnissen, Hirnschlag oder Demenz. Was viele nicht wissen: Vergesslich wird man auch bei einer Depression. Ein Facharzt kann mittels Tests unterscheiden, ob die Gedächtnisprobleme durch Depression oder Demenz entstanden sind und helfen, blockierte Denkabläufe zu durchbrechen.

Neben einer demenziellen Erkrankung gehören Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Trotzdem werden diese Erkrankungen häufig nicht korrekt diagnostiziert. Selbst für den Profi ist es nicht immer leicht, Demenz und Depression zu unterscheiden.

Entsteht die Vergesslichkeit, weil vermehrt Hirnsubstanz abgebaut wird, oder ist sie die Begleiterscheinung einer Depression? Erschwerend kommt hinzu, dass beide Formen auch gemeinsam vorliegen können. Nicht jeder ältere Mensch, der plötzlich vergesslich wird, leidet also auch an einer unheilbaren Demenz.

So treten gerade im Frühstadium einer Demenz auch depressive Symptome auf, weil die Betroffenen den voranschreitenden Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten bemerken und voller Angst, Sorge und Traurigkeit die zunehmenden Einschränkungen erleben. Bei 35 bis 40 Prozent aller an Alzheimerdemenz erkrankten Patienten tritt im Verlauf der Erkrankung ein depressives Stimmungsbild auf.  

Anders herum glaubt mancher Depressive, dass er dement sei. Unter einer antidepressiven Therapie stellt sich die Welt dann oft wieder ganz anders dar. Tragisches Beispiel: Der Ex-Playboy, Fotograf und Multimillionär Gunter Sachs. Nach Literaturrecherchen war er zum Schluss gekommen, dass er an einer Alzheimer-Demenz leide - und nahm sich das Leben. Sachs hatte bei sich eine "wachsende Vergesslichkeit" und eine "rapide Verschlechterung meines Gedächtnisses" festgestellt. Doch rührte seine Vergesslichkeit tatsächlich von einer Demenz her oder waren es in Wahrheit die Anzeichen einer unbehandelten Depression? Die Medien jedenfalls zitierten nach seinem Tod Freunde, denen zufolge Sachs immer wieder unter Depressionen gelitten haben soll. Den Hang zur Traurigkeit könnte er vom Vater geerbt haben; der litt unter schweren Depressionen.

Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Krankheitsbildern. Sie dienen lediglich als Orientierungshilfe, da sich die Symptome - wie zuvor beschrieben - sehr ähnlich sein können. Wenn bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen mehrere dieser Symptome vorliegen, sollten Sie die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Hierzu sollte die erste Anlaufstelle der Hausarzt sein, mit dem sie das weitere diagnostische Vorgehen besprechen können.

Unterschiede zwischen Demenz und Depression (adaptiert nach Karl C. Mayer)

Hinweise auf eine Depression Hinweise auf eine Demenz
rascher Beginn, Dauer weniger als 6 Monate langsamer Beginn, erste Anzeichen liegen meist ein Jahr und länger zurück
auffällige Leistungsschwankungen bei ähnlichen Aufgaben meist gleichmäßige Leistungsminderung bei ähnlichen Aufgaben
Klagsamkeit, "Ich weiß nicht"-Antworten Über- und Herunterspielen von Krankheitszeichen, gute Lesitungs- und Testmotivation
Schalfstörungen, Gewichtsverlust, Grübelzwang, Suizidgedanken Kurzzeitgedächtnisdefizit im Vordergrund
orientiert, weiß Hilfe zu finden desorientiert, ungezielt Hilfe suchend
allgemeine Leistungsschwäche, oft detaillierte Schilderung der kognitiven Defizite
typische Schwächen (Verlaufen, Desorientiertheit, falsche Bedienung von Geräten) visuell-räumliche Störung, Schwierigkeiten beim Inhaltlichen Verstehen, Sprachfindungsprobleme, Rechenhemmung
sich nicht aufraffen können, Gefühl, alles falsch zu machen, verlangsamte koplexe Bewegungen vor allem Hirnleistungsstörungen: Denken, Sprechen, Rechnen, visuell-räumliche Störungen, Störungen des abstrakten Denkens
gute Alltagskompentenz im Gegensatz zum schlechten Abschneiden in Tests große Probleme, im Alltag zurecht zu kommen und schlechtes Abschneiden in Tests entsprechen sich
meist gutes Ansprechen auch der kognitiven Symptome auf Antidepressiva und Psychotherapie Symptome der verminderten Hirnleistung sprechen nicht auf Antidepressiva und Psychotherapie an, bei gleichzeitiger Depression bessert sich die Stimmung   

Quelle: Constanze Löffler, Beate Wagner "Männer weinen nicht"

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