Ältere Dame verteilt Creme auf Gesichtshaut (Quelle: Colourbox)
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- Die richtige Pflege für reife Haut

Rund 30 Prozent aller erwachsenen Frauen leiden an Akne tarda, auch Erwachsenen- oder Spät-Akne genannt. Welche Medikamente und Therapien helfen, das sagen die Experten in der rbb Praxis. Überhaupt braucht die Haut ab 40+ eine andere Pflege. Aber welche? Was bringen teure Anti-Aging-Produkte? Und wie gesund ist eigentlich Make-up?  

"Reife Haut" - so benennen Dermatologen die äußere Hülle ab Ende 40 oder Anfang 50. Die Haut verändert sich mit dem Alter, weil sie weniger Östrogen und Hyaluronsäure enthält. Vor allem aber lässt Sonne die Haut altern: Entsprechende Schäden nehmen ab dem 40. Lebensjahr zu. Pigmentstörungen entstehen: dunkle Flecken, wo sich der Farbstoff Melanin vermehrt sammelt, helle Depigmentierungen oder rote Äderchen.

Warum altert unsere Haut?

Die Alterung der Haut kommt durch eine Erschöpfung der Zellteilungsprozesse und eine Minderversorgung der Zellen zustande. Das Bindegewebe nimmt mit zunehmendem Alter an Stabilität ab. Zunehmend werden Kollagen- und Elastinfasern abgebaut. Auch die Zahl der Blutgefäße verringert sich. Die Haut ist schlechter durchblutet und wird schlaffer; sie kann weniger Feuchtigkeit speichern. Unterhaut sowie Oberhaut werden immer dünner, so dass sich die Blutgefäße deutlicher abzeichnen.

Sonnenschutz, gesunde Ernährung, wenig Alkohol, Verzicht aufs Rauchen, ausreichend Schlaf und wenig Stress beugen der Hautalterung vor. Trockenheitsfältchen lassen sich mit Feuchtigkeitspflege glätten. Da reife Haut meist zu Trockenheit neigt, sind rückfettende und feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte für diesen Hauttyp ohnehin am besten. Anti-Aging-Cremes können jedoch gegen Falten nichts ausrichten. Werbeclaims, denen zufolge Falten innerhalb weniger Wochen sichtbar zurückgehen, sollte man nicht glauben. Die Studien, die von der Industrie angeführt werden, beruhen meist auf einer Befragung von Anwendern. Eine kleine Gruppe von Probanden bewertet die Creme positiv, nicht mehr und nicht weniger. Viele Effekte sind zudem nur mit Spezialgeräten messbar. Hydratation, Hautrauigkeit, Elastizität - solche Faktoren testet die Industrie mit aufwendigen Verfahren. Dabei lassen sich zwar Veränderungen feststellen, beispielsweise dass Falten einige Zeit nach der Anwendung des Produktes weniger werden, allerdings im Mikrometerbereich.

Die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin D, Selen, Omega 3, Zink auf die Haut ist ebenfalls fraglich. Das größte Problem der Hautalterung sind freie Radikale. Sie entstehen durch UV-Licht, Stress oder vielfältige Schadstoffbelastungen und aktivieren in der Haut zahlreiche komplizierte Mechanismen. Über Entzündungsmediatoren und Enzyme wird der Kollagenstoffwechsel in den tieferen Hautschichten heruntergefahren. Die Folge: Die Elastizität der Haut nimmt ab. Es bilden sich Falten. Dass Nahrungsergänzungsmittel diesen natürlichen Alterungsprozess aufhalten sollen, ist nicht nachvollziehbar.

Hautprobleme im Alter: Spätakne (Akne tarda)

Besteht eine Akne über das 25. Lebensjahr hinaus oder entsteht sie dann erst, spricht man von einer Akne tarda oder Spätakne. Diese kann besonders bei Frauen auf eine Hormonstörung hindeuten und sollte den Arzt veranlassen, weitere Anzeichen wie eine unregelmäßige Periode oder verstärkte Körperbehaarung abzufragen oder die Frau daraufhin zu untersuchen. Es gibt auch eine genetische Veranlagung: Häufig hatten oder haben die Eltern dieser Patientinnen selbst eine Akne. Akne-artige Hauterscheinungen können außerdem durch Medikamente hervorgerufen werden. Neuerdings treten solche Nebenwirkungen beispielsweise unter der Therapie mit einigen modernen Biologicals auf, wie sie bei Rheuma oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden.

Neben hormonellen Faktoren kommen komplexe Entzündungsprozesse in der Haut hinzu, welche zunächst mit der Bildung von Mitessern (sog. Komedonen) beginnen. Sie entstehen, weil die Hautpore (Ausführungsgang des Haares) zu einer verstärkten Verhornung neigt. Hinzu kommt die Aktivierung der Talgdrüsen, welche vermehrt Hautoberflächenlipide produzieren. Der Talg kann nicht mehr abfließen, da die Hautzellen den Ausführungsgang "verstopfen". Die Talgdrüse wölbt sich auf. Ein Mitesser entsteht. Wenn er sich entzündet, heißt das Pickel. Die Pickel entwickeln sich zu entzündlich-roten Knoten. Diese dürfen nicht ausgedrückt werden. Da der Ausführungsgang verstopft ist, könnte dadurch die Talgdrüse platzen - was für eine noch stärkere Entzündung sorgt.

Akne entsteht normalerweise nur an den Stellen, an denen sich viele Haarfollikel mit größeren Talgdrüsen befinden, also in der T-Zone im Dekolleté und im oberen Rückenbereich. Sie ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Eine rein lokale Behandlung lindert mit Gesichtswaschlotion, Gesichtswasser und lokal aufgetragenen Medikamenten mit Azelainsäure oder Vitamin A-Säure Entzündungen und Verhornungen. Die medizinischen Cremes oder Gele regulieren die Zellproduktion und lindern Entzündungen. Bei schwerer Akne helfen Antibiotika oder Tabletten mit Vitamin-A-Säure. Hormonpräparate regulieren den Überschuss an männlichen Hormonen und drosseln die Aktivität der Talgdrüsen.

Zusätzlich kann man die Pickel abdecken. Damit das Hautbild einigermaßen regelmäßig bleibt und sich die Haut nicht entzündet, sollten Betroffene vor allem dafür sorgen, dass die Poren freigehalten werden. Also müssen sie ein möglichst fettfreies Make-up wählen. Nur so lässt sich verhindern, dass die Pickel sich entzünden.

Hautprobleme im Alter: Altersflecken und Alterswarzen

Altersflecken und Alterswarzen entwickeln sich meist in der zweiten Lebenshälfte; mit voranschreitendem Alter nehmen sie weiter zu. Alterswarzen sind erhabene Hautveränderungen, die den Farbstoff Melanin einlagern. Sie entstehen durch Veranlagung und Sonnenlicht, sind aber weder infektiös noch gefährlich, da sie nicht durch Viren entstehen. Sie bilden sich vor allem im Gesicht, an Armen und Beinen und am Oberkörper. Ein Hautarzt sollte immer ausschließen, dass die Hautveränderungen nicht vielleicht doch Hautkrebs ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie zu entfernen: scharfer Löffel (Kürette), Skalpell oder Kälteverfahren. Den Laser wendet man gerne bei zahlreichen oder besonders dicken Alterswarzen an. Hornhautauflösende Verfahren, die bei echten Warzen angewendet werden, helfen bei Alterswarzen dagegen nicht.

Altersflecken entstehen vor allem an Hautstellen, die der Sonne am stärksten ausgesetzt sind: Gesicht, Hände und Dekolleté. An diesen Stellen sollte die Haut besonders vor der Sonne geschützt werden, um weitere Schäden zu verhindern. Gegen Altersflecken helfen Bleichcremes oder der Laser. Kleine, dunkle Flecken sprechen besonders gut auf lasern an. Der Laser erzeugt einen intensiven Lichtstrahl. Er dringt in die oberen Hautschichten ein und sprengt die Pigmentablagerungen. Die Behandlung dauert nur wenige Sekunden. Die gelaserte Stelle darf für einige Wochen nicht der Sonne ausgesetzt werden, sonst entstehen braune Flecken.

Wie gesund ist eigentlich... Make-up?

Ohne Make-up aus dem Haus? Für viele Frauen undenkbar. Sie schminken sich täglich. Dazu gehört für viele auch eine Grundierung, auch Foundation oder Make-up genannt. Sie kaschiert Unreinheiten und Rötungen und schafft einen ebenmäßigen Teint. Allerdings sorgen sich viele Anwenderinnen, dass das Make-up möglicherweise der Haut schadet, indem es sie nicht atmen und schneller altern lässt. Experten können hier beruhigen. Wer Make-up in geeigneter Dosis aufträgt, muss nicht befürchten, dass die Haut schneller altert. Im Gegenteil: Viele Produkte enthalten inzwischen einen Lichtschutzfaktor, der einer vorzeitigen Hautalterung vorbeugt. Nur wenn Make-up ungeschickt aufgetragen wird, kann es sich in bereits vorhandenen Falten sammeln, so dass diese stärker zum Vorschein kommen.

Jede Frau sollte das Make-up allerdings so wählen, dass es dem persönlichen Hauttyp entspricht: Wer eher eine fettige oder unreine Haut hat, nimmt eine Grundierung mit Puderanteil. Sie bindet Hautfett und reduziert den Glanz. Wer zu trockener Haut neigt, wählt flüssiges Make-up, also ein sogenanntes Fluid oder ein Mousse.

Eine Kosmetikakne kann entstehen, wenn man eine zu fettige Kosmetikgrundlage auf eine ohnehin zu Hautunreinheiten und Akne neigende Haut aufträgt oder wenn das Make-up am Ende des Tages nicht entfernt wird. Für alle Hauttypen gilt deshalb: unbedingt abschminken! Sonst verstopfen die Hautporen, Mitesser entstehen. Zum Reinigen nimmt man Wasser und eine pH-neutrale Seife oder Abschmink-Produkte.

Noch eine Sorge treibt viele Verbraucherinnen um: die Inhaltsstoffe. Tatsächlich stecken in vielen Make-ups Parabene als künstliche Konservierungsmittel. Sie stehen im Verdacht Krebs auszulösen und den Hormonhaushalt zu stören. Was ist da dran? Bislang gibt es dazu allerdings noch keine validen Langzeitdaten, die das wirklich belegen. Parabene gelten dann als unbedenklich, solange die Grenzwerte der EU-Verordnung eingehalten werden.

Wer mehr Sicherheit möchte, wählt Naturkosmetik. Sie enthält keine künstlichen Konservierungsstoffe. Dafür aber häufig ätherische Öle, auf die manche Anwenderinnen allergisch reagieren. Die Lösung: Spezielle duftstofffreie, antiallergische Grundierungen.

Wer zu Allergien neigt, kann bei einem neuen Make-up auch den Selbsttest machen: Dazu trägt man das Produkt an sieben aufeinander folgenden Tagen zweimal täglich auf dieselbe Hautstelle auf, beispielsweise in die Ellenbeuge. Bildet sich nach sieben Tagen kein Ekzem, ist davon auszugehen, dass das Produkt auch im Gesicht gut verträglich ist.

Was viele Frauen vergessen: die Hygiene! Keime, die ins Make-up gelangt sind, können zu Bakterieninfektionen auf der Haut führen. Deshalb Make-up nur mit sauberen Fingern auftragen. Pinsel und Schwämmchen sollten alle zwei Wochen gründlich ausgewaschen werden. Geöffnetes Make-up ist etwa in der Regel zwölf Monate haltbar, danach wirft man es wegen steigender Keimbelastung besser weg. In den Kühlschrank muss Make-up nicht. Es sollte aber dunkel und trocken aufbewahrt werden. So verhindert man, dass sich Bakterien und Schimmel bilden.

Fazit
Make-up zu verwenden ist unbedenklich, wenn man
• es entsprechend dem Hauttyp wählt,
• sich abends gründlich abschminkt,
• bei empfindlicher Haut antiallergische Produkte verwendet und
• auf die Hygiene achtet.

Filmbeiträge: Carola Welt
Infotext: Constanze Löffler

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