Zwei Frauen stehen am Hopfensee und schauen auf das Wasser (Quelle: imago/MiS)
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- Genesungsbegleiter

Seit zehn Jahren gibt es Genesungsbegleiter, und es werden immer mehr. Bisher wissen noch zu wenige Menschen, dass es sie überhaupt gibt und was sie für psychisch kranke Menschen leisten. Die rbb Praxis stellt zwei Helfer vor.

Genesungsbegleiter sind ehemalige Psychiatriepatienten, die nach einer Ausbildung anderen Menschen mit psychischen Problemen helfen. Ex-Patienten begleiten also seelisch Kranke. Die meisten Genesungsbegleiter arbeiten auf psychiatrischen Stationen, in Tageskliniken und in der Integrierten Versorgung. Sie haben eine einjährige Ausbildung und bekommen ein reguläres Gehalt.

"Ex-In" werden die Genesungsbegleiter auch genannt. Der Begriff kürzt die englische Bezeichnung "Experience Involvement" ab. Das bedeutet so viel wie: Aus eigenem Erleben und eigener Anschauung einbringen, was Patienten fühlen, wie sie sich sehen und was sie wünschen. Einst selbst betroffen, fällt es den Genesungsbegleitern nicht schwer, Kummer und innere Konflikte zu verstehen. Sie kennen seelische Erschütterungen aus dem eigenen Leben und wissen genau, wie es sich anfühlt, depressiv zu sein oder unter einer Psychose zu leiden. Existenzängste, Antriebslosigkeit und Nebenwirkungen von Psychopharmaka – das alles ist ihnen bekannt.

In Spandau zum Beispiel, betreuen sie ihre Klienten ambulant, schauen bei ihnen vorbei und fragen, wie es ihnen geht. Dort und in den Kliniken ebnen sie den Patienten den Weg zurück nach Hause. Auf dem Genesungsweg vertreten sie die Bedürfnisse der Patienten. Spaziergänge mit Patienten gehören beispielsweise zu den täglichen Aufgaben der Genesungsbegleiter im Krankenhaus Rüdersdorf. Dabei sollen sie offen und unverkrampft mit den Kranken ins Gespräch zu kommen.

Auch den ehemaligen Patienten, die jetzt als Genesungsbegleiter arbeiten, kommt der Job entgegen: Nach einer schweren seelischen Krise und einer mehr oder minder langen beruflichen Auszeit fällt es nicht allen leicht, auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Als Genesungsbegleiter werden ihr Wissen und ihre Erfahrungen wertgeschätzt; in der freien Berufswelt dagegen verheimlichen viele Ehemalige ihre Lebenskrisen. Für manchen kann die neue Aufgabe sogar eine Genugtuung sein: Jahrelang waren sie im System Psychiatrie gefangen, wo man sie als kranke Person gesehen hat, mit der nicht viel anzufangen ist. Jetzt helfen sie Patienten genau wie jene, die eine einschlägige Ausbildung oder ein Studium haben – und sind Vermittler zwischen zwei Welten.

Auch in Berlin und Brandenburg erkennen Kliniken und Einrichtungen den Wert der "erfahrenen" Mitarbeiter. Im Rüdersdorfer Krankenhaus genauso wie in der ambulanten Versorgung in Berlin-Spandau erreichen Genesungsbegleiter ihre Klienten oft auf einer anderen Ebene, als es Ärzte und Therapeuten können.

Der Arzt und Wissenschaftler Sebastian von Peter forscht dazu, wie die Zusammenarbeit mit Genesungsbegleitern gelingen kann und fordert einen wertschätzenden Umgang mit ihnen. Alle Studien zeigen, auch aus dem internationalen Kontext, dass es wichtig ist, dass die Institution sich selbst aufmacht und dass alle die dort arbeiten, einen Veränderungsprozess durchlaufen. Sonst kann die Arbeit der Genesungsbegleiter nicht wirken. Der Freundeskreis Spandau hat inzwischen mehrere Genesungsbegleiter eingestellt, die die Arbeit mit Patienten unterstützen. Hier heißen die Genesungsbegleiter auch Peerberater und waren von Anfang an ein Gewinn für die ambulante Versorgung von psychisch Kranken. Ihre wichtigste Aufgabe: Mut machen, motivieren, Hoffnung geben, dass die Psychiatrie keine Endstation ist. Die Erfahrungen der Genesungsbegleiter sprechen für sich: Es ist möglich, nach psychischen Erkrankungen wieder gesund zu werden – jetzt auch mit der Unterstützung von Genesungsbegleitern.

 

Filmbeitrag: Jana Kalms
Infotext: Constanze Löffler

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