Grafik: Entzündung am großen Zeh (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Hallux valgus

Der große Zeh steht schief, der Ballen ragt nach außen, bei einem Hallux valgus verformt sich der Vorfuß. In vielen Fällen kommt es zu Entzündungen, Schmerzen beim Laufen. Häufig lässt sich dann eine operative Korrektur der Fehlstellung nicht vermeiden. Die rbb Praxis stellt eine Methode vor, bei der Schrauben eingesetzt werden, die sich nach einer gewissen Zeit auflösen. 

Ein Hallux valgus oder "Ballenzeh" ist eine schief stehende Großzehe: Der große Zeh zeigt in die Richtung des kleinen Zehs, der erste Mittelfußknochen ist nach innen gerichtet. In extremen Fällen schiebt sich der schiefe Zeh sogar im 90°-Winkel über die anderen Zehen. Kann die Großzehe noch mit eigener Muskelkraft gerade gerückt werden, besteht lediglich eine Vorstufe des Hallux valgus. Bei dauerndem Druck auf den Zeh entwickelt sich jedoch irgendwann eine dauerhafte Schieflage. Auch die Sehne an der Großzehe wird verlagert, was die Fehlstellung noch verstärkt. Der Zeh sitzt dadurch nicht mehr richtig in seinem Gelenk, es entwickelt sich eine Art knöcherner Auswuchs am Großzehengrundgelenk. 

Gründe für einen Ballenzeh

Es gibt innere und äußere Faktoren, die die Entstehung eines Hallux valgus begünstigen.
Zu den äußeren Faktoren gehören zu enge, hohe Schuhen. In Ländern, in denen vor allem Sandalen getragen werden oder die Menschen barfuß gehen, kommt es nicht zu der typischen Fußfehlstellung. Auch Berufe, in denen Betroffene stundenlang stehen müssen, können zum Hallux valgus führen. Und: der Ballenzeh kann auch auf erblichen Faktoren beruhen. Großmutter, Mutter, Bruder – oft haben ganze Familien einen deformierten großen Zeh.

Diagnose des Ballenzehs – und wie man die Beschwerden lindert

Zur Diagnose empfiehlt sich ein Röntgenbild. Es zeigt, wie weit die Fehlstellung vorangeschritten und ob das Großzehengrundgelenk schon verändert ist. Denn oft führt ein Hallux valgus zu einer Arthrose, da sich das Gelenk durch die Fehlstellung schneller abnutzt. In leichten Fällen (und das sind die meisten) sollte eine Druckentlastung des Großzehenballens im Vordergrund der Therapie stehen. Dazu können häufiges Barfußlaufen, das Tragen von offenen oder geweiteten Schuhen, sowie das Einlegen von ringförmigen Schaumstoffpolstern beitragen. Sie entlasten den Vorfuß und nehmen den Druck von dem deformierten Zeh.

OP als letzte Möglichkeit

Doch auch Hilfsmittel und gezielte Fußübungen können den Hallux valgus nicht rückgängig machen. Wenn Einlagen und Physiotherapie die starken Beschwerden nicht mehr lindern, bleibt nur noch eine Operation, um die Fehlstellung zu korrigieren. Ein Hallux valgus kann dabei mit zahlreichen Beschwerden einhergehen: Von krampfartigen stechenden Schmerzen in Ruhe bis hin zu Laufproblemen selbst auf kürzesten Strecken oder einem entzündeten Schleimbeutel kann die schiefe Zehe das Leben erschweren.

Welche Technik ist die passende?

In der Literatur sind mehr als 100 Varianten von Hallux valgus-Operationen beschrieben. Von der Entfernung des Knochenvorsprungs über die Umstellung (Osteotomie) des Mittelfußknochens bis hin zur Versteifungsoperation ist alles möglich. Wann welches Verfahren infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie stark der Hallux valgus ausgeprägt ist. Beim Eingriff wird der Zeh wieder begradigt. In vielen Fällen verschwinden dann die Beschwerden. Im Anschluss an die Operation trägt der Patient meist einen speziellen Schuh. Die Heilung der knöchernen Korrektur dauert im Normalfall sechs bis acht Wochen. Nach dieser Zeit kann der Fuß wieder voll belastet werden, aber es dauert dann noch eine Weile, bis der operierte Fuß auch Belastungen wie Beruf und Sport standhält. Relativ bald nach der Operation sollte auch eine Physiotherapie beginnen, damit das Gelenk nicht versteift.

Orthopäden raten nur dann zu einer korrigierenden Operation, wenn bei den Betroffenen wirklich medizinische Beschwerden vorliegen. Ein rein kosmetisches Problem reicht nicht für einen solchen Eingriff. 

Magnesium-Schrauben ersparen Zweit-OP

In der Berliner Charité verwenden die Operateure seit einiger Zeit Magnesiumschrauben, um die knöcherne Korrektur zu fixieren. Der Vorteil: Die Magnesium-Schraube löst sich innerhalb von ein bis zwei Jahren auf – und damit langsamer als Milchsäureschrauben, die bereits länger in der Orthopädie verwendet werden. Der Knochen hat also genug Zeit, zu verheilen; es entstehen seltener Knochendefekte. Hinterher muss das Metall nicht wieder entfernt werden; dem Patienten wird die zweite OP erspart. Außerdem hat die Schraube den Vorteil, dass Magnesium nur sehr selten Allergien auslöst. So können auch die Patienten versorgt werden, die allergisch auf Nickel und Titan reagieren. In der Fußchirurgie der Charité setzen die Ärzte etwa bei einem Drittel der Patienten mit einem zu operierenden Ballenzeh die Magnesiumschrauben ein.

Der Preis einer einzelnen Schraube liegt rund 25 Prozent über dem, was normalerweise für eine Titanschraube auszugeben ist. Deshalb wird die Magnesiumschraube nicht generell eingesetzt, sondern nur bei einem Allergie-Verdacht. 

Beitrag: Ursula Stamm
Infotext: C. Löffler, S. Faß

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