Bogenschießen als Therapie für Parkinson.
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- Diagnose Parkinson

Parkinson gehört zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Die Diagnose im Frühstadium ist schwierig, weil die Krankheit mit unspezifischen Beschwerden beginnt.  Erst wenn das Zittern beginnt und die Bewegungen steif und langsam werden, schließen viele Ärzte auf Parkinson. Bis zu diesem Zeitpunkt hat aber ein jahrelanges Nervenzellsterben stattgefunden. Wie Früherkennung funktionieren kann, erklärt die rbb Praxis.

Die Parkinson-Erkrankung ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Beim Gesunden werden mithilfe von Dopamin Signale im Gehirn von einer Zelle zur nächsten weitergegeben. Parkinson geht mit einem Untergang der Dopamin-produzierenden Zellen einher. Die Erkrankung verändert daher die Signalübertragung zwischen den zentralen Nervenzellen. Da Dopamin für das Ausführen von Bewegungsabläufen unabdingbar ist, entstehen klassische Symptome wie verlangsamte Bewegungen oder das Händezittern.

Die Diagnose ist vor allem im Frühstadium schwer zu stellen, denn Parkinson beginnt mit unspezifischen Beschwerden. Dazu können eine Verschlechterung des Geruchssinns zählen, Depressionen oder Verdauungsstörungen. Erst wenn die typischen Bewegungsstörungen einsetzen, wenn also das Zittern beginnt, die Bewegungen steif und langsam werden, ist die Diagnose "Parkinson" leichter zu stellen.

Oft wird die Diagnose spät gestellt

Bis zum Zeitpunkt der Diagnose kann dann schon jahrelang ein Absterben von Nervenzellen stattgefunden haben. Auch deshalb ist die Entwicklung wirkungsvoller Therapien schwierig. Oft wird die Diagnose verkannt. Wegen des unspezifischen Zitterns werden Betroffene nicht selten als alkoholkrank abgestempelt, laufen jahrelang von Arzt zu Arzt oder hoffen, dass die Symptome von selbst verschwinden.

 

Die Diagnose setzt sich aus Bausteinen zusammen

Die Diagnose setzt sich immer aus mehreren Bausteinen zusammen. Einen Hinweis
kann zum Beispiel ein Riechtest liefern. Ein weiterer Baustein ist die Bildgebung. Bislang wurde die Untersuchung hauptsächlich mit einer Positronen-Emissions-Tomografie (PET) durchgeführt. Doch auch der Hirn-Ultraschall, eine so genannte "transkranielle Sonografie", kann bei Parkinson ähnlich zuverlässige Ergebnisse liefern. Der Ultraschall hat mehrere Vorteile: Patienten werden keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Die Untersuchung kann jederzeit wiederholt werden und sie verursacht nur geringe Kosten.

Bei der Parkinsonerkrankung geht ein bestimmter Bereich des Gehirns, die so genannte Substantia nigra ("Schwarze Substanz") im Verlauf der Erkrankung allmählich zugrunde. Dabei nimmt der dort ohnehin vorherrschende hohe Eisengehalt weiter zu. Im Ultraschall ergibt sich so dort ein besonders starkes Echo und damit ein gut erkennbarer heller Schatten auf dem Bildschirm.

Die fundierte körperliche Untersuchung ist wichtig

Die fundierte körperliche Untersuchung eine der wichtigsten Säulen der Diagnose. Ärzte achten dabei vor allem darauf, ob der Patient unter motorischen Bewegungsstörungen leidet, seine Bewegungen verlangsamt sind und ob die Muskeln einseitig versteift sind. Die als Rigor bezeichnete Steifigkeit der Muskulatur entwickelt sich im fortgeschrittenen Stadium und geht auf einen erhöhten Muskeltonus zurück. Anfänglich ist vor allem der Schulter- und Nackenbereich betroffen, so dass dies zunächst häufig mit Muskelverspannungen oder auch Rheuma verwechselt wird. Betroffene bewegen sich häufig steif und ruckartig.

Das klassische Symptom bei der Parkinson-Erkrankung ist der Tremor. Dabei ziehen sich Muskelgruppen in schnellem Rhythmus zusammen, es entstehen rasche Zitterbewegungen. Häufig beginnt der Tremor einseitig an den Händen, später sind auch die Füße oder der Kiefer betroffen. Grundsätzlich kann das Zittern den ganzen Körper erfassen. Meist passiert das im fortgeschrittenen Stadium.

Ein weiteres wirksames Hilfsmittel, um dem zentralen Dopaminmangel bei Parkinson auf die Spur zu kommen, ist ein erster Medikamententest. Dabei erhält der Patient Dopamin, welches das mangelnde körpereigene Dopamin ersetzt. Besteht ein Morbus Parkinson, verschwinden die Beschwerden nach Gabe des Medikaments innerhalb von Minuten. Auch therapeutisch erhalten Parkinsonpatienten Dopamintabletten, meist in Form des Vorläufermoleküls L-Dopa (Levodopa).

Medikamentenpumpen als Alternative

Doch nicht alle Patienten vertragen L-Dopa in Tablettenform. Sie leiden unter sogenannten Wirkungsschwankungen. Für sie besteht die Möglichkeit, durch Medikamentenpumpen eine gleichmäßigere Wirkung zu erreichen. Die Medikamentenpumpen werden nicht eingepflanzt, sondern an einer Halterung am Körper getragen.

Parkinsonpatienten brauchen aktive und passive Bewegung

Zusätzlich erhalten Parkinsonpatienten viel Physiotherapie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei in der Behandlung der für das Krankheitsbild typischen eingeschränkten Körperwahrnehmung und der damit verbundenen Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Zusätzlich profitieren Patienten von einer Bewegungstherapie, die in einer Kombination von Musik- und Physiotherapie besteht.

Zur Unterstützung der aktiven Physiotherapie kann Parkinson-Betroffenen zusätzlich Massage, Wärmeanwendung, manuelle Lymphdrainage, Taping und Elektrotherapie helfen. Damit können Muskelverspannungen und Schmerzen gelindert und Bewegungen erleichtert werden. Weitere Bewegungsübungen wie zum Beispiel Taiji (Schattenboxen) zeigen zudem große Wirkung auf die Körperkontrolle und das Gleichgewicht bei Parkinson.

 

Beitrag: Thomas Förster
Infotext: B. Wagner, S. Faß

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