Tuberkolose in Rötgenbild (Quelle: Colourbox)
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- Tuberkulose

Hierzulande schien sie ausgerottet – doch die Tuberkulose kehrt zurück. Die Zahl der Erkrankungen in Deutschland steigt deutlich. Die Behandlung erfolgt vor allem medikamentös in der Klinik. Aber was passiert mit denjenigen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber noch ansteckend sein können? Wir haben einen Berliner getroffen, der über ein Jahr zu Hause in Quarantäne war.

Tuberkulose, die früher auch als Schwindsucht bezeichnet wurde, ist eine bakterielle Infektion der Lunge und anderer Organe durch das Mykobakterium tuberculosis. Anstecken kann man sich überall, wo Menschen dicht gedrängt zusammen sind. Voraussetzung für eine Infektion ist allerdings meist ein enger Körperkontakt über einen längeren Zeitraum. Die Krankheit wird beim Einatmen infektiöser Tröpfchen – sogenannter Aerosole – über Mund und Nase übertragen. In vielen Fällen werden die Erreger bereits in den Atemwegen abgewehrt, so dass von allen infizierten Personen nur etwa zehn Prozent tatsächlich an Tuberkulose erkranken.

Gelangen die Bakterien jedoch in die Lungen, wird es gefährlich. Die Abwehrzellen (Makrophagen) des Immunsystems können die Bakterien zwar in sich aufnehmen, aber nicht restlos abtöten. Die Bakterien-Stäbchen überleben in den Zellen, teilen sich und breiten sich aus. Die Bakterien können über das Blut überall in den Körper gelangen, bis in die Knochen. Die Knochentuberkulose ist fast so häufig wie die Lungen-Tbc, jedoch nicht ansteckend.

Immungeschwächte besonders gefährdet

Für eine Tuberkulose gefährdet sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer genetisch bedingten Anfälligkeit. Auch ungünstige Lebensumstände gelten als Risikofaktoren. So tritt die Erkrankung häufiger bei obdachlosen Menschen, HIV-Infizierten und Tumorpatienten auf. Auch Migranten, die mit einer Infektion nach Deutschland kommen oder sich bei einem Heimatbesuch anstecken, zählen zu den Risikogruppen.

Nur in den wenigsten Fällen bricht die Krankheit direkt nach einer Infektion aus. Der Zeitpunkt zwischen Ansteckung und Ausbruch – die sogenannte Inkubationszeit – ist sehr lang. Die Erreger können im Körper viele Jahre überleben.
Die Symptome der Erkrankung sind in der Regel sehr unspezifisch. Meist beginnt sie mit einem ganz normalen Husten. Viele Patienten vermuten einen grippalen Infekt. Erst später folgen Schwächeanfälle, Gewichtsverlust, blutiger Auswurf, Nachtschweiß und Fieber. Deshalb wird eine Tbc oft spät erkannt.

Gefährlicher Auswurf oder nichtß

Tbc ist eine meldepflichtige Erkrankung. Jeder, der Kontakt zu einem Kranken gehabt haben könnte, muss sich testen lassen. Von "offener" Tuberkulose spricht man, wenn Keime im Auswurf (Sputum) nachweisbar sind. Finden die Ärzte Erreger in anderen Proben, aber (noch) nicht im Sputum, spricht man von einer "geschlossenen" Tuberkulose.

Eine weitere Diagnose-Möglichkeit ist die Röntgenuntersuchung der Lunge, bei der nach Tbc-typischen Auffälligkeiten gesucht wird: weiße Flecke als Reaktion auf die Tuberkel- Bakterium und typische Kavernen, also Höhlen, wo das Lungengewebe schon ausgehustet wurde. Nicht selten ist zusätzlich eine Computertomographie der Lunge erforderlich.

Therapie: Isolation und Antibiotika

Stellt der Arzt die Diagnose Tuberkulose, müssen die Patienten sofort isoliert werden. Besuche in geschlossenen Wohnungen von Tbc-Kranken sind tabu, ebenso wie ihr Aufenthalt in Menschenansammlungen. Vor der Tür gilt Mundschutz-Pflicht. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes müssen Betroffene sogar Warnschilder an der Wohnungstür anbringen.

Eine Tbc-Therapie dauert normalerweise mindestens vier Monate, gelegentlich bis zu einem Jahr und sogar länger. Zu den Antibiotika kommen Tabletten, welche die starken Nebenwirkungen der Antituberkulotika dämpfen sollen. Rund ein Dutzend Medikamente pro Tag sind üblich. Und das über Zeiträume von Monaten, oft mehr als ein Jahr.
Ein Problem bei der Medikamentengabe: Gegen die wichtigsten Medikamente haben verschiedene Bakterien-Stämme im Laufe der letzten 20 Jahre Resistenzen entwickelt. Die Bakterien verändern ständig ihre Strukturen und suchen sich neue Wege in die Abwehrzellen des Immunsystems. Die Wirkung der Antibiotika läuft ins Leere. Zudem wurde die Forschung nach neuen Medikamenten gegen die Krankheit weltweit praktisch eingestellt: Seit dreißig Jahren sind keine neuen Wirkstoffe auf den Markt gekommen.

Tödliche Seuche

Vor mehr als 100 Jahren starben in Deutschland Millionen Erwachsene an Tuberkulose. Erst der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch (1843-1910) kam der geheimnisvollen Seuche auf die Spur. Koch entdeckt den Tbc-Erreger und stellt 1882 die Ergebnisse seiner Untersuchungen vor. Mit seiner Entdeckung begründete Koch die Ära der Tbc-Forschung. 1905 erhält er den Nobelpreis.

Die winzigen stabförmigen Bakterien sind die Ursache allen Übels - Schuld am Tod von Millionen Menschen. Die Anzucht von Kulturen aus dem Auswurf der Patienten auf Glasplättchen zum Nachweis der Krankheit wird noch heute in vielen Kliniken angewandt. Koch hat das Verfahren vor 135 Jahren erfunden.

Im Jahr 1898 eröffnete die Landesversicherungsanstalt bei Berlin die Beelitz-Heilstätten. Denn längst hatte die Schwindsucht, wie die Tbc damals noch offiziell hieß, auch die Mittelschicht erreicht. So traf man sich in Beelitz zur Kur – im Zauberberg vor Berlin. Die Ausstattung der Klinik war edel, die Krankensäle hochmodern. Mit Frischlufttherapien, Badekuren und gesunder Luft glaubte man der Tuberkulose beizukommen. Ein gigantisches Krankenhaus für 3.000 Patienten, die größte und modernste Lungenheilanstalt Europas. Robert Koch war nicht begeistert von den Beelitz Heilstätten; er hielt nicht viel von Luftkuren. Koch glaubte, dass nur die Bekämpfung der Armut und die Erforschung neuer Arzneimittel gegen die Krankheit helfen würden.

Tbc wütete auch in Berlin

Nach dem Zweiten Weltkrieg breitete sich die Krankheit auch in Berlin aus. Tausende Menschen litten an Hunger; die Abwehrsysteme der Menschen gegen Krankheitserreger aller Art funktionierten nicht mehr. Im Jahr 1947 gab es rund 65.000 Tbc-Erkrankungen – allein in Berlin. In vielen Krankenhäusern herrschten katastrophale hygienische Zustände. Bei vielen von denen, die sich damals als Kind mit Tuberkulose-Bakterien angesteckt haben, ist die Krankheit nie ganz ausgeheilt. In den 1950er Jahren nahm man in beiden deutschen Staaten den Kampf gegen die Tuberkulose auf. An die Reihenuntersuchungen werden sich viele – in Ost wie in West – noch erinnern. Die Tuberkulose wird meldepflichtig; mit strengen Kontrollen versucht man die Seuche in den Griff zu bekommen. Endlich gibt es auch Zugang zu wirksamen Medikamenten: Mit Antibiotika lässt sich die Krankheit heilen.

Beitrag: Johannes Mayer
Infotext: C. Löffler, S. Faß

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