Schwimmender von unten (Quelle: imago/photothek)
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- Badeunfälle in See, Fluss und Meer

Im Sommer nutzen viele Menschen die heimischen Gewässer zum Schwimmen, Planschen und Abkühlen. Doch leider unterschätzen nicht wenige die eigenen Schwimm-Fähigkeiten oder wissen zu wenig über die Gefahren von natürlichen Gewässern wie Sogwirkungen im Meer oder Strömungen - und vor allem Übermut im Wasser kann sehr gefährlich werden.

Die Sonne lacht, die Badetasche ist gepackt, die Urlaubspläne geschmiedet. Doch die Freude am Sommer und dem damit verbundenen Badespaß kann auch ganz schnell vorbei sein - und das Leben Betroffener von jetzt auf gleich aus den Angeln heben. Denn es kommt immer wieder vor, dass Menschen ertrinken oder sich beim Sprung ins Wasser schwer verletzten.

Anstrengung beim Schwimmen oft unterschätzt

Schwimmen macht Spaß, kann aber auch gefährlich sein. Mehr als die Hälfte der Ertrunkenen in Deutschland waren über 50 Jahre alt. Ältere Schwimmer unterschätzen oft, wie anstrengend Schwimmen für ihren Körper ist. Grund dafür ist unter anderem der Wasserwiderstand sowie die Anpassung des Organismus an die Wassertemperatur. Allein um die Körpertemperatur zu regulieren, muss der Körper viel Energie aufwenden.

Gerade ältere Menschen sind oft nicht ausreichend körperlich trainiert, schon ein bisschen wackliger auf den Beinen und haben oft mehrere Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems - das mindert die Leistungsfähigkeit. Zudem kann das Schwimmen selbst durch die höhere Kreislaufbelastung zu Herzinfarkten, zu Durchblutungsstörungen, zu Schlaganfällen führen.

Gefahr der Unterkühlung

Eine weitere Gefahr ist die Unterkühlung: Denn selbst wenn die Außentemperaturen ordentlich heiß sind, haben Seen oft 10 - 15 Grad Celsius weniger. Dazu können noch plötzliche kalte Strömungen kommen. Der Körper versucht die Temperatur aber an lebenswichtigen Organen wie dem Herz konstant zu halten.
Die Folge: Weniger Blut fließt zu den Muskeln, die Muskeln können nicht mehr entspannen, es kommt zu Krämpfen, die Betroffenen können keine effektiven Schwimmbewegungen mehr machen. Sie geraten unter die Wasseroberfläche und ertrinken. Gerade wenn es am See keine Badeaufsicht gibt, bleiben solche typischen Situationen unbemerkt.

Flüsse und das Meer sind oft reißende Ströme

Unkalkulierbare Risiken in Flüssen, Seen und im Meer sind zudem die Sogwirkungen, Unterwasserhindernisse und Schiffe. An den Meeren ist der Sog der Wellen eine der am häufigsten unterschätzten Gefahren. Dieser Sog entsteht, weil das Wasser am Meeresboden wieder zurückfließt. Dabei entsteht ein Sog, der auch kräftigen Menschen im flachen Wasser die Füße wegziehen kann.

Genauso gefährlich sind plötzlich auftretende Strömungen, die einen mit großer Kraft aufs Meer ziehen. Im Urlaub ist man übrigens besonders schnell dazu verleitet, unachtsam gegenüber Gefahren zu sein. In Deutschland ertrinken in Flüssen derzeit genauso viele Menschen wie in Badeseen. Wer eine gefährliche Strömung zum Beispiel beim Baden im Meer oder Fluss bemerkt, sollte versuchen, passiv zu schwimmen, sich also auf den Rücken legen und mit der Strömung schwimmen. Das spart Kräfte.

Vor jedem Kopfsprung die Tiefe checken

Nicht zu unterschätzten sind Experten zufolge auch die Tiefen von Badeflüssen oder Seen - bzw. der Mangel an Tiefe. Viele Gewässer haben nämlich oft längst nicht die Tiefe, die man zum Beispiel für einen Kopfsprung braucht. Vor jedem Sprung - selbst im Swimmingpool - sollte man daher die Tiefe prüfen. Sonst drohen Platzwunden, Brüche der Halswirbelsäule, Quetschungen des Rückenmarks mit Querschnittslähmung. Im schlimmsten Fall führt das umgehend zu einem Ausfall des Kreislaufzentrums und damit zum sofortigen Tod des Patienten.

Vorher nicht essen und kein Alkohol

Viele Badende missachten Grundregeln beim Schwimmen wie vorher nichts zu essen und auf Alkohol zu verzichten. Der Körper braucht nach dem Essen seine Energie für die Verdauung, so dass den Muskeln nicht mehr genügend zur Verfügung steht. So führt ein voller Magen schneller zu Krämpfen. Alkohol wiederum lässt einen die eigenen Kräfte überschätzen. Auch ist man nicht mehr so reaktionsschnell, um aus Strömungen herauszukommen oder Booten und Schiffen rechtzeitig auszuweichen. Daher sollte man einen vollen Magen ebenso meiden wie Alkohol.

Rennen nicht empfohlen!

Je größer der Unterschied zwischen Wasser- und Lufttemperatur ist, umso eher überlastet man seinen Kreislauf mit schnellem Rennen ins Wasser. Herzinfarkt oder Schlaganfall können die tödlichen Folgen sein. Besser nähert man sich Stück für Stück dem kalten Nass.

Rettungsschwimmer sind eine gute Lebensversicherung

Wer sicher baden will, sollte darauf achten, dass die Badestelle von Rettungsschwimmern überwacht wird. Trotz der vielen Badegäste an der Küste sterben hier nur wenige Badende. 80 Prozent aller Badenden in Deutschland ertrinken an unbewachten Badeseen.

Erste Hilfe

Wenn es an unbewachter Stelle zu einem Badeunfall kommt, muss man diesen Regeln folgen: Rufen: Zunächst dafür sorgen, dass über die 112 Hilfe gerufen wird.
Bergen: Um die Person aus dem Wasser zu retten, sollte man ihr möglichst einen schwimmenden Gegenstand hinhalten: Rettungsring, Seil oder einen Ast. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, ihr die Hand zu geben. Denn Menschen schlagen um sich und haben in ihrer Panik durchaus die Kraft Helfer mit unter Wasser zu ziehen.
Lagern: An Land muss man die Person richtig lagern, bis Hilfe eintrifft. Ist sie bewusstlos, dreht man sie auf die Seite.

Beitrag: Thomas Förster
Infotext: B. Wagner, C. Löffler

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