Zutaten für Couscous und Gemüse (Quelle: imago/Photocase)
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- Fasten zur Unterstützung der Chemotherapie

Fasten liegt im Trend – bei Gesunden und Kranken. So interessieren sich beispielsweise auch immer mehr Menschen mit Krebs für das sogenannte Kurzzeit-Fasten. Es soll zum Beispiel während der Chemotherapie die Nebenwirkungen verringern und möglichst auch die Behandlung wirksamer machen. Erste kleine Studien zeigen positive Hinweise. Doch Forscher warnen auch: Krebspatienten sollten nie auf eigene Faust fasten.

Seit Urzeiten ist der menschliche Stoffwechsel auf Fastenzeiten gepolt. In Zeiten des Überflusses schlemmten unsere Vorfahren ungehemmt. Blieben Netze und Fallen leer, hungerte man eben für einige Stunden oder Tage. Der menschliche Organismus übersteht längere Hungerperioden, indem er in verschiedenen Organen und Geweben Energiereserven mobilisiert.

Beim Kurzzeit-Fasten treten generell heilsame biochemische Veränderungen im Körper auf: Beispielsweise verbessern sich Zucker- und Fettstoffwechsel. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel nicht gedrosselt und anders als beim herkömmlichen Fasten über mehrere Tage auch keine Muskelmasse abgebaut. Bereits seit den 1930er Jahren weiß man aus Tierversuchen, dass sich kurze Fastenzeiten ohne Hungerstress generell positiv auf die Gesundheit auswirken: So verlängerte sich die Lebenserwartung verschiedener Labortiere, ihre Blutwerte bessern sich, die Hirnzellen waren widerstandsfähiger, der Blutdruck sank.

Fasten hilft nachweislich bei vielen chronischen Leiden

Dass Fasten auch bei Rheumaleiden und chronischen Zivilisationskrankheiten mitunter wie ein Medikament wirkt und die Therapie mit Arzneimitteln unterstützen kann, ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Bei Krebsleiden galt Nahrungsverzicht dagegen bisher als Tabu - denn Krebspatienten sterben oft gar nicht an der Krankheit selbst, sondern an deren Folgen wie zum Beispiel Mangelernährung. Doch nun gibt es neue Hinweise, dass ein Nahrungsverzicht über wenige Tage die Verträglichkeit der Chemotherapie steigern könnte. So zeigt eine aktuelle Studie an Frauen mit Brust- und Eierstockkrebs, dass eine Chemotherapie von den meisten Patientinnen besser vertragen wird, wenn sie 36 Stunden vor und 24 Stunden nach der Verabreichung der Chemotherapie fasten.

Krebszellen werden in eine Falle gelockt

Experten erklären diesen Effekt mit der Evolution: Wie unsere Vorfahren bewiesen, können unsere Körperzellen Hunger gut aushalten. Gesunde Zellen fallen sozusagen in eine Art Winterschlaf, wenn ihnen keine Nährstoffe angeboten werden. In diesem "Stand-by"-Modus sind sie auch vor den Zellgiften der Medikamente besser geschützt.

Krebszellen jedoch sind auf das Gegenteil programmiert: Sie wollen sich hemmungslos vermehren und wachsen und kennen daher kein Fastensignal. So nehmen sie auch die Zellgifte der Chemotherapeutika in sich auf - und gehen daran zugrunde. Die Folge: Die gierigen Krebszellen sind den Giften ausgeliefert, die gesunden Körperzellen sind vor ihnen geschützt. Der Krebs wird sozusagen in eine Falle gelockt. Experten betonen, dass es keinesfalls darum geht, ihn auszuhungern - wie in vielen alternativen Therapie-Foren zu lesen ist. Denn das funktioniert einerseits nicht, andererseits würde es dem Patienten auch nur schaden.

Im Tierversuch erfolgreich

Die Fastentherapie bei Chemo hat im Tierversuch gute Ergebnisse erzielt: In einem Tierversuch eines italienischen Forschers überlebten alle fastenden Mäuse die Chemotherapie, während in der normal gefütterten Kontrollgruppe zwei Drittel starben. Ob diese Studienergebnisse in vollem Umfang auf den Menschen übertragbar sind, ist aber noch nicht geklärt. Vor allem muss noch erforscht werden, bei welchen Krebsarten und bei welchen Zusammensetzungen von Chemotherapeutika das Konzept funktioniert.

Niemals auf eigene Faust fasten

So positiv die ersten Hinweise sind: Krebspatienten sollten nie ohne gründliche Aufklärung und kompetente Betreuung im Alleingang fasten. Denn das kann gefährlich werden und es kommen auch längst nicht alle Patienten infrage. Nicht für den Nahrungsverzicht geeignet ist zum Beispiel, wer einen Body-Mass-Index (BMI) unter 20 hat, wer eine belastende Operation hinter sich hat oder an Begleiterkrankungen wie Diabetes, Leber- oder Nierenproblemen leidet. Außerdem sollte man beim Fasten einen Entlastungs- und einen Aufbautag beachten, auf die richtige Flüssigkeitszufuhr schauen, Bewegung und Ruhepausen einhalten. Auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit können auftreten. Sie lassen sich durch gezielte Maßnahmen in den Griff bekommen.

Vegane Ernährung und Zucker-Verzicht empfehlenswert

Auch wenn der Effekt des Fastens noch nicht geklärt ist, empfehlen Experten schon heute, 48 Stunden vor und 24 Stunden nach der Chemotherapie vegan und zuckerfrei zu essen. Das bedeutet den Verzicht auf Fleisch, Käse, Milchprodukte und Eier sowie auf Süßigkeiten, Schokolade, süße Früchte und Säfte. Daneben empfehlen Experten Präbiotika zur Unterstützung der Darmflora, also zum Beispiel Chicorée, Artischocken, Topinambur, Wurzelgemüse und ganz besonders Nüsse. Zudem spricht viel dafür, dass sich mit mehr Gemüse und Obst das Risiko für eine Rückkehr der Krebserkrankung verringern lässt.

Beitrag: Sigrun Damas
Infotext: Beate Wagner

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