Schild: Landarzt/Landärztin gesucht
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Bild: imago/Sven Simon

- Ärztemangel

Jeder hat schon mal die Erfahrung gemacht mit langen Wartezeiten auf einen Arzttermin oder im Wartezimmer. Jeder zweite Brandenburger in ländlichen Gebieten findet, dass die ärztliche Versorgung sich in den vergangen Jahren verschlechtert hat. Tatsächlich aber ist die Zahl der Ärzte gestiegen. Wie passt das zusammen? Ist der Ärztemangel ein Fakt oder eher ein Gefühl? Die rbb Praxis versucht, Klarheit in den Zahlendschungel zu bringen.

Fakt ist: Nirgendwo ist die Arztdichte so gering wie in Brandenburg. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg waren Ende 2017 46 Arztsitze in Brandenburg nicht besetzt, mehr als 90 Prozent davon im hausärztlichen Bereich. Im Jahr 2017 behandelte ein Arzt rein rechnerisch 251 Einwohner. Im Bundesdurchschnitt kommen lediglich 214 Einwohner auf einen Arzt, in Berlin sogar nur 159.

Die Gesamtzahl der berufstätigen Ärzte in Brandenburg ist von 2001 bis 2017 um 34,5 Prozent gestiegen. Doch sind das vor allem Krankenhausärzte oder angestellte Ärzte in Praxen oder ambulanten Einrichtungen. Eine eigene Praxis in Brandenburg scheint für den Nachwuchs offenbar weniger attraktiv zu sein: Nur etwas über die Hälfte der Ärzte arbeiten in einer Einzelpraxis - noch vor zehn Jahren waren es fast zwei Drittel.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg sollte idealerweise der Weg zum Facharzt nicht länger sein als eine halbe Stunde. In einigen Regionen Brandenburgs lässt sich das aber nicht einmal erreichen, wenn ein Auto zur Verfügung steht.

Zudem steigt der Behandlungsbedarf auch deutlich schneller als die Zahl der Ärzte. Denn in einer alternden Gesellschaft suchen insbesondere ältere Patienten häufiger den Arzt auf. Und mit der Bevölkerung altert auch die Ärzteschaft. Laut kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg ist ein Drittel der Hausärzte älter als 60 Jahre. Der älteste praktizierende Hausarzt ist 87 Jahre, der Jüngste 33 Jahre alt - Durchschnittsalter: 54,9 Jahre.

In vier Landkreisen am äußersten Rand Brandenburgs sank die Zahl der niedergelassenen und angestellten Ärzte: in den Kreisen Spree-Neiße und Uckermark um zehn Prozent, im Kreis Priegnitz um fünf Prozent, und im Elbe-Elster-Kreis um zwei Prozent. Starke Zuwächse hingegen gab es in Potsdam, Oberhavel, Barnim und Dahme-Spreewald.

Gegensteuern will das Land Brandenburg unter anderem mit einer eigenen medizinischen Fakultät, der Medizinischen Hochschule Brandenburg seit dem Jahr 2014. Die Studiengebühren von knapp 125.000 Euro müssen dabei von den Studierenden selbst erbracht werden, können aber mit einem Darlehensvertrag zu zwei Drittel finanziert werden, der darauf basiert, dass sie anschließend bei vollem tariflichen Lohn für fünf Jahre in der Klinik arbeiten, die ihnen das Darlehen gewährt hat. Durch die geleistete Arbeit wandelt sich das Darlehen am Ende in ein Stipendium um. Da die Studenten bereits ab dem 2. Semester in kooperierenden Kliniken und Praxen arbeiten, erhofft sich die Medizinische Hochschule dadurch einen "Klebeeffekt", der die Ärzte im Land Brandenburg hält.

Zudem gibt es auch politische Lösungsansätze, wie etwa die gezielte finanzielle Unterstützung von jungen Ärzten, die sich in Förderregionen niederlassen. Anreize, die eine Niederlassung auf dem Land schmackhaft machen sollen. Und eventuell dazu führen können, dass der eine oder andere Arzt neben einer erfüllenden Aufgabe auch sein persönliches Glück findet. Denn laut einer Umfrage unter Brandenburger Hausärzten sind 98 Prozent gern Hausärzte und auch zufriedener als die Kollegen in der Stadt.

Filmbeitrag: Lucia Hennerici
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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