3D-Grafik einer Gallenblase mit Gallensteinen (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Gallensteine schonend entfernen - ohne Operation

Die Gallenblase speichert Gallensäfte, die wir für die Verdauung brauchen. Entzündet sie sich oder machen Steine Probleme, wird sie oft entfernt.  

Mir kommt die Galle hoch! Du spuckst Gift und Galle! Mir läuft die Galle über! Sprichwörtlich hat die Galle keinen guten Ruf. Doch ohne Galle könnten wir keine Fette aufnehmen - und damit auch keine fettlöslichen Vitamine. Tatsächlich aber kann die Galle problematisch werden. Wenn sich aus der Galle Steine bilden, die dann dazu führen, dass sich die Gallenblase entzündet. Sogar, wenn die Gallenblase bereits entfernt wurde, können noch Gallensteine entstehen. Nun gibt es ein hochmodernes Endoskop, das bis in die Gallenwege schauen kann. Damit können so zielgenau wie nie zuvor, die Steine entfernt oder zertrümmert werden.

Jeden Tag produziert die Leber etwa einen halben Liter Gallenflüssigkeit. Gespeichert wird die Galle in der Gallenblase, die wie ein kleiner Auffangsack am Gallengang hängt und deren Ausführungsgang im Zwölffingerdarm endet. Die Galle benötigt der Körper, um die Fette aus der Nahrung zu verdauen. Durch zu starke Eindickung der Gallenflüssigkeit können sich Gallensteine in der Gallenblase bilden. Das passiert im Laufe des Lebens bei vielen, aber nicht jeder bekommt dadurch auch Probleme. In gut der Hälfte der Fälle bereiten sie gar keine Beschwerden und bleiben daher unentdeckt.

Wenn aber der Genuss von fetten Speisen, Kaffee oder Wein immer wieder starke Oberbauch-Schmerzen verursacht, steckt eine Entzündung der Gallenblase dahinter. In einem solchen Fall ist dann meist ein Gallenstein aus der Gallenblase ausgeschwemmt worden und in den Gallenweg abgegangen. Und das ist schmerzhaft. Kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch, oft verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und verfärbtem Stuhl - das sind die klassischen Symptome einer Gallenblasenentzündung. Anfangs wird oft mit Schmerzmitteln und Antibiotika behandelt. Kommt es wiederholt zu solchen Entzündungen, muss die Gallenblase raus oder man versucht zumindest, die Steine zu zertrümmern oder zu entfernen. Denn wenn sich die Gallenblase immer wieder entzündet, kann im schlimmsten Fall Gallenblasenkrebs entstehen. Tumoren in Gallenblase und Gallengang wachsen lange, ohne Beschwerden zu verursachen. Sie werden daher in vielen Fällen erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Nicht selten haben sie dann bereits Tochtergeschwülste in der Leber gebildet.

Um die Gallenwege und die Gallenblase zu beurteilen, ist eine Ultraschalluntersuchung hilfreich. Als Ergänzung gibt es schon seit vielen Jahren die so genannte ERC (kurz für (Endoskopische - retrograde-Cholangioskopie). Dabei handelt es sich um eine radiologische Untersuchung kombiniert mit einer Spiegelung des Zwölffingerdarms. Dabei wird dann vom Zwölffingerdarm aus der Gallengang aufgesucht und die Gallengänge mit Kontrastmittel dargestellt. Das Problem dabei: man kann zwar erkennen, wenn es irgendwo im Gallengangssystem eine Engstelle gibt, aber nicht unbedingt, was diese Engstelle verursacht: ein Stein, eine Entzündung, oder ein Tumor?

Mit Hilfe der so genannten modularen Cholangioskopie kann der Gallengang sehr gut sichtbar gemacht werden. Und nicht nur das: bei der Cholangioskopie können auch gezielte Gewebeentnahmen erfolgen und Gallensteine direkt entfernt werden. Bisher waren dazu gleich zwei erfahrene Ärzte nötig, die den Eingriff gemeinsam durchführen, da mehrere Instrumente benutzt wurden. Inzwischen gibt es neue, extrem feine Geräte, die die Cholangioskopie deutlich effektiver gemacht haben. Dabei wird ein Mini-Endoskop zur Spiegelung der Gallengänge durch ein herkömmliches Endoskop hindurch zum Dünndarm vorgeschoben. Die neuen Geräte bieten eine bessere Sicht und die Möglichkeit, unterschiedlichste Instrumente zu nutzen. So können etwa über einen Mulitfunktionskatheter Gallensteine auch direkt zertrümmert und entfernt werden.

Komplikationen sind bei der Untersuchung eher selten. Meist können die Patienten nach einem Tag Aufenthalt das Krankenhaus wieder verlassen - und haben sich dadurch eine Operation erspart. Doch nicht nur für Gallenstein-Patienten bieten die neuen Untersuchungsgeräte einen entscheidenden Vorteil. Gerade Patienten mit Verdacht auf Tumoren in den Gallenwegen liefern sie die erste Möglichkeit, unter Sichtkontrolle Gewebeproben von suspekten Bereichen zu entnehmen. So zeigten Studien, dass bei 97 Prozent der Patienten die verdächtigen Bereiche gut dargestellt werden konnten und in einer Vielzahl der Fälle eine Tumorerkrankung sicher ausgeschlossen oder diagnostiziert werden konnte. In einer weiteren Studie wurde bei jedem vierten Patienten nach der Cholangioskopie die ursprüngliche Therapie geändert, weil sie nicht zum Befund passte.

Bisher wird das Verfahren dieser modularen Cholangioskopie bundesweit in 14 Zentren angewendet. Patienten sollten ihren behandelnden Arzt auf diese Möglichkeit ansprechen.

Infotext: Dr. Katrin Krieft

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