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- Triage-System

Viele Notaufnahmen in Kliniken sind überfüllt. Denn viele Kranke kommen auch, weil die Arztpraxen geschlossen sind - da gilt es, zwischen allen Hilfesuchenden den Überblick zu behalten.

Immer häufiger gehen Patienten in die Notaufnahme, denen auch ein niedergelassener Arzt helfen könnte. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Viele Patienten etwa haben keinen Termin bei niedergelassenen Ärzten bekommen, einige halten es grundsätzlich für schneller, direkt eine Notaufnahme aufzusuchen. Einige betrachten die Notaufnahme gar als Hausarztersatz. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Charité - Universitätsmedizin in Berlin.

Das Problem: die Notaufnahmen, die ohnehin oft am Limit arbeiten, werden noch mehr belastet. In Notaufnahmen ist das Patientenaufkommen nur schwer planbar. Immer wieder kommt es zu Überschreitungen der Behandlungskapazitäten - nicht alle Patienten können unmittelbar behandelt werden. Die Folge sind nicht nur mitunter lange Wartezeiten für die Patienten. Auch die Sicherheit der Patienten kann dadurch gefährdet sein. Nur ein Teil der Patienten hat lebensgefährliche beziehungsweise medizinisch dringliche Beschwerden.
Um genau diese Notfallpatienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen möglichst rasch zu behandeln, arbeiten viele moderne Notaufnahmen mit einem so genannten Triage-System.

Der Begriff Triage wurde in den napoleonischen Kriegen im 18. Jahrhundert geprägt. Damals überstieg die Anzahl der Verletzten und Verwundeten die Kapazitäten der Helfer. Diese mussten dann diejenigen auswählen, die direkt medizinische Hilfe benötigten.

Im Rahmen eines Triage-Systems in der Notaufnahme schätzt eine erfahrene Pflegekraft den Schweregrad der Erkrankung oder Verletzung des Patienten ein und bewertet es nach einem Drei- oder Fünf-Stufen-Schema. Je nach Triage-Stufe werden die Patienten umgehend behandelt - etwa wenn sie lebensgefährlich verletzt oder erkrankt sind - oder sie müssen warten.

Die Vorteile eines solchen Systems liegen auf der Hand: die knappen Ressourcen werden so verteilt, dass sie zuerst denen zukommen, die die medizinische Versorgung am nötigsten haben. Zudem kann jede Pflegekraft und jeder Arzt an jeder Klinik sofort in der Notfallrettung arbeiten, weil die Arbeitsabläufe und die Bewertung der Schwere der Fälle immer gleich sind. Und wenn die Patienten darüber aufgeklärt werden, ob und warum nach diesem System gearbeitet wird, verstehen sie - im Falle einer harmloseren Erkrankung - sicher auch die längere Wartezeit. Schließlich würden sie auch wollen, dass sie direkt behandelt werden können, wenn es um Leben und Tod geht.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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