Spritze für eine Impfung (Quelle: imago/blickwinkel)
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- Neue Impfung gegen Gürtelrose

Wer irgendwann einmal die Windpocken hatte, muss Jahrzehnte später mit ihr rechnen: der Gürtelrose. Eine äußerst schmerzhafte Nervenerkrankung, die auch chronisch werden kann. Der Auslöser: Windpocken-Viren, die sich nach ausgestandener Erkrankung ein Leben lang in den Nervenwurzeln verstecken. Je schwächer unser Immunsystem wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Viren wieder aktiv werden und sich eine Gürtelrose entwickelt. Das Problem: gerade für immungeschwächte Menschen war die bisherige Impfung nicht geeignet. Ein völlig neuer Impfstoff soll helfen. Aber wie wirksam ist er? Und wer sollte sich impfen lassen? Die rbb Praxis klärt auf.

Die Erreger der Gürtelrose, Varizella-Zoster-Viren genannt, sind tückisch. Nachdem sie – meist in der Kindheit – die Windpocken verursacht haben, wandern sie ins Rückenmark bis in kleinste Nervenwurzeln und schlummern dort jahre- oder jahrzehntelang. Irgendwann, wenn zum Beispiel bei älteren Menschen das Immunsystem schwächelt, werden die Viren reaktiviert. Dann wandern sie über die Nervenfasern bis zur Haut, schädigen dabei die Nerven und lösen eine Gürtelrose aus. Ärzte sprechen von einem Herpes zoster.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 400.000 Menschen an einer Gürtelrose. Mehr als 60 Prozent der Betroffenen sind älter als 50 Jahre alt. Mit dem Alter nimmt die Häufigkeit von Herpes zoster zu. Das erhöhte Erkrankungsrisiko wird darauf zurückgeführt, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter weniger leistungsfähig ist.

Gürtelrose befällt Haut gürtelförmig

Typisch für eine Gürtelrose ist ein Hautausschlag mit kleinen Bläschen mit stark brennenden, einschießenden oder stechenden Schmerzen. Wie der Name Gürtelrose schon sagt, befällt der Herpes Zoster meist gürtelförmig den Rumpf, den Kopf oder auch das Gesicht. Gelegentlich können auch Arme oder Beine betroffen sein. Zu den unspezifischen Symptomen der Gürtelrose zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Schwäche. Die Bläschen heilen innerhalb von acht Tagen bis vier Wochen wieder – die Nervenschmerzen und Missempfindungen aber können bleiben und chronisch werden. Sind das Gesicht oder die Augen betroffen, droht der Verlust des Sehvermögens. Bei immunschwachen Patienten kann sich die Gürtelrose über den Körper ausbreiten und lebensbedrohlich werden.

Rechtzeitig mit Medikamenten behandeln

Die klassische Therapie der Gürtelrose erfolgt mit virushemmenden Medikamenten. Wird ein Patient hingegen zu spät behandelt, droht ein chronischer Verlauf. Bleiben die starken Schmerzen länger als drei Monate bestehen, obwohl die Haut schon längst wieder unauffällig erscheint, sprechen Experten von einer sogenannten postherpetischen Neuralgie. Schon die Berührung mit einem Wattestäbchen empfinden Betroffene dann als schmerzhaft. Die Krankheit ist aufgrund der unterschiedlichen Symptome, des manchmal unklaren Schmerzbildes und der schwierigen Abgrenzung zu anderen Schmerzformen sehr schwer zu diagnostizieren. Viele Patienten quälen sich Monate, bis sie die Ursache ihrer Beschwerden erfahren.

Die qualvollen chronischen Nervenschmerzen sind viel schwerer zu behandeln als eine akute Gürtelrose. Patienten erlernen Verfahren zur Entspannung und Schmerzbewältigung. Herkömmliche Schmerzmittel sind oft wirkungslos. Stattdessen kommen Wirkstoffe aus der Epilepsietherapie, Antidepressiva und morphium-ähnliche Substanzen (Opioide) zum Einsatz. Sie alle wirken über das zentrale Nervensystem und beeinflussen die Nervenbahnen. Schmerzfreiheit lässt sich meist nicht mehr erreichen, aber eine Linderung und somit eine bessere Lebensqualität. Weitere langfristige Probleme können eine Erblindung oder eine Entzündung der Lunge, der Leber, des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks sein. Deshalb ist die frühe Schmerztherapie wichtig.

In einigen Fällen hilft auch die Rückenmarksstimulation: Über Elektroden lassen sich Schmerzbahnen im Rücken verändern oder hemmen, denn im Rückenmark wird das Schmerzempfinden von einer Nervenzelle auf die andere weitergeleitet. Unter örtlicher Betäubung legt der Arzt dafür eine hauchdünne Elektrode an die Hinterseite des Rückenmarks. Wie ein Herzschrittmacher können diese Elektroden feinste elektrische Impulse senden und so die natürlichen Reizleitungen beeinflussen, also auch die Schmerzbahnen. Zusätzlich wird in Vollnarkose ein Impulsgeber unter die Bauchdecke des Patienten eingepflanzt und mit den im Rückenmark liegenden Elektroden verbunden. Damit kann der Patient die Stärke der Impulse steuern.

Neue Impfung auch für Immungeschwächte

Seit Mai 2018 gibt es eine Impfung für Menschen ab 50 Jahre. Die aktuelle Impfung ist altersunabhängig effektiv, bei über 50-Jährigen hat sie noch eine Wirksamkeit von über 90 Prozent. Der Wirkstoff funktioniert selbst bei über 80-Jährigen. Anders als ein 2013 zugelassener Wirkstoff können mit dem neuen Präparat auch Menschen mit einer Immunschwäche geimpft werden. Denn es handelt sich um einen sogenannten Totimpfstoff – und ist damit auch für Menschen mit Abwehrschwäche geeignet. Abgeschwächte Lebendimpfstoffe wie beispielsweise der Windpockenimpfstoff sind bei Patienten, die zum Beispiel Immunsuppressiva nehmen müssen, hingegen kontraindiziert. Der Arzt spritzt die Impfung im Abstand von zwei Monaten. Sie kann auch mit einer Grippeimpfung kombiniert werden.

Übrigens: Wer als Kind gegen Windpocken geimpft wurde, ist nicht vor einer Erkrankung an Gürtelrose geschützt, zumindest aber dürfte die Krankheit dann etwas weniger schwer verlaufen. Und wer schon einmal eine Gürtelrose durchgemacht hat, ist auch nicht vor einer erneuten Erkrankung gefeit: Ein erneutes Auftreten liegt bei drei bis fünf Prozent.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

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