EKG Herz
imago/Science Photo Library
Grafik: Mensch mit Herz, davor EKG-Strömungen (Quelle: imago/Science Photo Library) | Bild: imago/Science Photo Library

- EKG - dem Herzrhythmus auf der Spur

Ein Elektrokardiogramm, kurz EKG, hatte fast jeder schon einmal. Doch was genau wird dabei gemessen? Welche Herzprobleme können erkannt werden? Wir zeigen live im Studio, wie ein EKG Rhythmusstörungen aufdecken kann. Und wir stellen ein ganz neues Gerät zur Langzeitmessung der Herzströme vor: ein Messgerät, dass eher an ein Fitnessarmband als ein medizinisches Gerät erinnert.

Das Elektrokardiogramm (EKG) ist eine schonende Untersuchung des Herzens. Es stellt die elektrischen Vorgänge im Herzen grafisch dar. Das wiederum erlaubt dem Arzt Rückschlüsse auf die Funktion und gewisse Störungen des Herzens. Das EKG liefert Hinweise auf verschiedenste Herzerkrankungen, angefangen von Herzrhythmusstörungen über die Herzmuskelentzündung bis hin zum Herzinfarkt. Dafür leitet der Arzt die durch den Herzschlag entstehenden Spannungsänderungen am Herzen an der Haut mit Hilfe von Elektroden ab. In der Regel werden dazu insgesamt zehn Elektroden am Körper befestigt: Jeweils eine an jedem Arm und Bein - die so genannten Extremitätenableitungen - plus sechs weitere an festgelegten Punkten auf dem Brustkorb, die Brustwandableitungen. Ein Gel verbessert den Kontakt zwischen Haut und Elektroden. Ruhe- und Langzeit-EKG sind vollständig schmerzfrei, haben keine Nebenwirkungen und bergen somit keinerlei Risiken. Beim Belastungs-EKG sind ernsthafte Zwischenfälle zwar selten, können aber vorkommen.

Belastungs-EKG

Wie beim Ruhe-EKG (Elektrokardiogramm) registrieren auch beim Belastungs-EKG angeheftete Elektroden die elektrischen Ströme des Herzmuskels. Allerdings ist der Patient auf einem Laufband oder einem stationären Fahrrad (Ergometer) aktiv. Anhand der aufgezeichneten Datenkurven kann der Arzt feststellen, ob eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck vorliegen. Die Untersuchung dauert etwa eine Stunde.

Langzeit-EKG

Manchmal verstecken sich die Herzprobleme und sind genau in dem Moment, wenn das EKG arbeitet, nicht zu sehen. Dann kann ein Langzeit-EKG Auskunft geben. Auch beim Langzeit-EKG messen mehrere Elektroden die elektrische Aktivität des Herzens. Die Daten werden über einen Zeitraum von 24 Stunden mit Hilfe eines kleinen EKG-Geräts gespeichert und anschließend vom Arzt analysiert. Er kann so Herzrhythmusstörungen und bis zu einem gewissen Grad auch Herzklappenfehler erkennen. Außerdem lässt sich ablesen, ob ein eingesetzter Herzschrittmacher wie gewünscht arbeitet.

Die Untersuchung mit dem Langzeit-EKG ist absolut risikofrei. Die Patienten tragen das Langzeit-EKG mindestens 24 Stunden, es ist aber auch für eine noch längere Nutzung gedacht. Immer wenn der Träger eine Unregelmäßigkeit spürt, drückt er auf diesen Knopf. Dann speichert das Gerät ein paar Minuten vor und nach diesem Ereignis die Daten. Dadurch kann man zum Teil auch selten auftretende Ereignisse erwischen. Es gibt auch Geräte, die unter die Haut implantiert werden. Zum Beispiel bei unerklärlichen Ohnmachten, die nur selten auftreten, kann man hier Ergebnisse bekommen.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist mittlerweile die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung hierzulande; rund zwei Millionen Menschen leiden daran. Bis 2050 werden sich diese Zahlen verdoppeln. Ein Grund für den rasanten Zuwachs: der demographische Wandel mit immer mehr älteren Menschen. Ein zweiter bedeutsamer Risikofaktor: unser ungesunder Lebensstil. Längst leiden viele junge Leute zwischen 30 und 40 unter Vorhofflimmern. Gerade in dieser Altersgruppe stecken vor allem Stress und übermäßiger Alkoholkonsum dahinter.

Beim Vorhofflimmern ist die Erregung der Herzvorhöfe komplett aus dem Takt. Die elektrischen Impulse im Bereich der Herzvorhöfe verlaufen ungeordnet: Der Vorhof kontrahiert sich nicht mehr richtig, sondern "flimmert" mit hoher Frequenz. Da diese Vorhofaktionen nur noch zum Teil und unregelmäßig auf die Kammern übergeleitet werden, verliert das Herz einen Großteil seiner Schlagkraft. Das kann zu einem niedrigen Blutdruck und allgemeiner Schwäche führen. Auch Luftnot, Herzschmerzen, Übelkeit oder Herzstolpern können Symptome sein.

Das beängstigende: Das unregelmäßige Schlagen hält dann minuten-, stunden- oder sogar tagelang an oder es bleibt dauerhaft. Vorhofflimmern kann jedoch ernste Folgen haben. Rund dreiviertel aller Schlaganfälle haben ihre Ursache im Vorhofflimmern. Die Gefahr beim unbehandelten oder unentdeckten Vorhofflimmern ist das Auftreten eines Schlaganfalls. Dabei bilden sich im Herzen Blutgerinnsel, die als so genannte Embolien ins Gehirn geschwemmt werden.

In bis zu zwei Dritteln der Fälle kehrt ein neu aufgetretenes Vorhofflimmern innerhalb von 48 Stunden spontan wieder in den Sinusrhythmus zurück. Bei länger anhaltendem Vorhofflimmern können Medikamente (so genannten Antiarrhythmika) den zu schnellen Herzschlag bremsen. Bei einer so genannten Ablation bekommt der Patient über die Leiste einen Katheter bis zum Herzen geschoben. Dann wird die Stelle ausfindig gemacht, an der die Erregung fehlgeleitet ist und im Anschluss mit hochfrequentem Strom verkocht. Das alles geschieht unter Röntgenkontrolle. Mögliche Risiken sind die Schädigung gesunder Strukturen oder die Unterbrechung eines notwendigen Leitungsstranges. Dann braucht der Patient einen Herzschrittmacher. Die Erfolgsquote einer Ablation wird zwischen 50 und 90 Prozent angegeben.

weitere Themen der Sendung

Hanfblätter und ärztliches Rezept (Quelle: imago/Christian Ohde)
imago/Christian Ohde

Cannabis als Medizin - kommt die Hilfe an?

Für manchen Schmerzpatienten ist Cannabis eine ersehnte Therapieoption. Seit knapp anderthalb Jahren kann Medizinalhanf auf Kosten der Krankenkassen ärztlich verschrieben werden, soweit die Theorie. Doch erhalten die Betroffenen, denen Cannabis Linderung verschaffen könnte, das Mittel auch wirklich? Die rbb Praxis hat nachgefragt.

Äterer Herr schnaubt sich die Nase (Quelle: imago/blickwinkel)
imago/blickwinkel

Angst vor Schnupfen - wenn die Nase läuft

Im höheren Alter klagen zahlreiche Menschen darüber, dass die Nase regelmäßig zu tropfen beginnt. Sie befürchten eine Erkältung oder Allergie. Doch die laufende Nase ist eine reine Alterserscheinung. Die Alterstropfnase - auch "old man’s nose drip" genannt - ist zwar lästig aber völlig harmlos. Dennoch ist es sinnvoll abzuklären, ob sich hinter den Beschwerden eine andere Erkrankung verbirgt.

Ein Mann pflück Birnen von einem Baum an der Straße (Quelle: rbb)
rbb

Obst in der Stadt

Unzählige Bäume in unserer Region ächzen gerade unter der Last ihrer vielen Früchte. Höchste Zeit also, ihnen ein bisschen unter die Arme zu greifen: frisches Obst pflücken, hilft den Pflanzen und uns. Was aber, wenn die Bäume direkt an einer viel befahrenen Straße stehen. Kann das wirklich gesund sein?