Ein Mann pflück Birnen von einem Baum an der Straße (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

- Obst in der Stadt

Unzählige Bäume in unserer Region ächzen gerade unter der Last ihrer vielen Früchte. Höchste Zeit also, ihnen ein bisschen unter die Arme zu greifen: frisches Obst pflücken, hilft den Pflanzen und uns. Was aber, wenn die Bäume direkt an einer viel befahrenen Straße stehen. Kann das wirklich gesund sein?

Im Sommer und Spätsommer erfreuen wir uns nicht nur an den warmen Temperaturen, sondern am vielen frischen knackigen Obst. Wer einen eigenen Garten hat, wird der Obst- und Gemüseernte manchmal allein kaum Herr. Selbst in der Großstadt kann man also leckeres Obst direkt von den Bäumen ernten. Doch an Straßen wachsend sind die Birnen- oder Apfelbäume dem Autoverkehr und somit all den Abgasen direkt ausgesetzt. Klar ist beispielsweise, dass sich Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber in verkehrsreichen Gegenden in Luft und Boden vermehrt finden. Sie gelten als krebserregend. Setzen sie sich auch auf die Früchte?

Um zu erforschen, ob man "Stadtfrüchte" bedenkenlos essen kann, führen Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin regelmäßig Erntezüge durch Berlin durch und untersuchen die Belastung der Ernte. Sie haben mehr als 200 Obstproben wie Steinobst, Äpfel, Beeren entlang der Straßen und in Parkanlagen entnommen. Die Ergebnisse der sogenannten Obststudie zeigen, dass die Blei- und Cadmiumwerte in diesem Obst deutlich unter den EU-Grenzwerten lagen, dass sie also problemlos nach dem Abwaschen konsumiert werden dürfen. Überraschend war, dass die Früchte sogar teilweise weniger belastet waren als Supermarktobst. So fanden die Experten in Äpfeln aus dem Supermarkt beispielsweise doppelt so viel Blei wie bei dem vom Obstbaum am Straßenrand, Pflaumen enthielten sogar das 16-fache. Alles Obst aus dem Supermarkt blieb aber ebenso unter den Grenzwerten der EU für Blei- und Cadmium. Nichtsdestotrotz war das Obst von den Straßenbäumen noch weniger belastet. Denn die Schadstoffe aus dem Boden sammeln sich bei Obstbäumen nicht in den Früchten, sondern nur in den Blättern.

Anders bei Gemüse: Hier landen Schwermetalle, die im Boden lagern, über die Wurzeln auch in den essbaren Teilen. Deshalb, so konnten die TU-Wissenschaftler nachweisen, zeigt Gemüse an viel befahrenen Straßen teilweise bedenkliche Schadstoffwerte auf. Mehr als die Hälfte der Proben waren über den EU-Grenzwerten für Blei und Cadmium. In unmittelbarer Straßennähe lagen sogar 65 Prozent der Proben über den Grenzwerten für Blei und Cadmium. Gärtner, die Kräuter oder Gemüse nahe einer stark befahrenen Straße anpflanzen, sollten daher Schutzsträucher pflanzen oder eine Vegetationsbarriere schaffen, um die Schadstoffe herauszufiltern. Zudem kann der "Höhenanbau" vor Schadstoffanreicherungen schützen. Ab dem zweiten Stock ist die Ernte wesentlich gesünder.

Wer sich lieber mit den Früchten der Stadt versorgt, dem kann die Internetseite mundraub.org auf seiner Obst-Erntetour dienlich sein: Sie zeigt an, an welchen Obstbäumen in Berlin und Brandenburg die Ernte frei verfügbar ist. Ansonsten gilt: nur mit Einwilligung der Obstbesitzer pflücken. Und das Waschen nicht vergessen, besonders bei der "Straßenernte" von Gemüse.

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Beate Wagner, Constanze Löffler

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