Frau hat Migräne und hält sich den Kopf (Quelle: imago/PhotoAlto)
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- Migräne – schafft eine Atlastherapie Linderung?

Wer sie hat, leidet Qualen: Migräne. Mit den heftigen Kopfschmerzen und den Begleitbeschwerden wie Lichtempfindlichkeit, Schwindel oder Übelkeit haben pro Tag in Deutschland rund eine Million Menschen zu kämpfen. Einigen soll eine Behandlung am Atlas-Halswirbel Linderung verschaffen. Die rbb Praxis hat sich zwei Methoden angeschaut.

Rund eine Million Menschen haben hierzulande mit Migräne zu kämpfen. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Bei Kindern und Jugendlichen schätzt man, dass vier bis fünf Prozent betroffen sind. Ältere Menschen leiden deutlich weniger häufig unter diesen Kopfschmerzen.

Die typischen Beschwerden sind pochende Kopfschmerzen auf einer Seite, Blitze im Blickfeld, Übelkeit und Erbrechen, manchmal kommen auch Zahnschmerzen dazu. Meist überfällt die Migräne die Betroffenen anfallsartig, bis zu fünf Tage kann eine Attacke dauern. Verantwortlich für die heftigen Symptome ist eine Überaktivität von Botenstoffen an den Nervenenden. In Bereich der Hirnhäute dehnen sich die Blutgefäße aus und entzünden sich. Diese Reizung erzeugt höllische Schmerzen.

Keine Migräne wie die andere

Was die Migräneattacken auslöst, ist noch nicht gänzlich verstanden. Klar aber gibt es individuelle Unterschiede. So reagieren die meisten Betroffenen auf Stress, bei Frauen lösen oft hormonelle Schwankungen die Migräne aus. Weitere Triggerfaktoren können bestimmte Lebensmittel, Rotwein oder Zusatzstoffe in der Nahrung sein. Zudem werden Wetterfühligkeit und auch Schlafmangel für die Schmerzen verantwortlich gemacht.

Für manche Betroffene kann eine Behandlung des sogenannten Atlas Linderung verschaffen. Denn auch eine Atlaswirbelverschiebung oder Atlasblockade kann Ursache von immer wiederkehrenden Migräneattacken sein. Der Atlaswirbel ist der erste Halswirbel - er trägt den Kopf.

Wodurch wird eine Atlasblockade ausgelöst?

Eine Atlasblockade ist eine Bewegungsstörung – landläufig auch Blockierung genannt – der sogenannten Kopfgelenke. Das ist die Gelenkverbindung zwischen dem Hinterkopf und dem ersten Halswirbel. Schmerzhaft wird die Bewegungsstörung, wenn die kleinen, umliegenden Nackenmuskeln verspannt sind.

Die Ursache lässt sich nicht immer genau auf einen Auslöser zurückführen, da die Beschwerden mit einer zeitlichen Verzögerung eintreten. Es gibt Fälle, da wird die Blockade durch einen Auffahrunfall, ein Schleudertrauma, ausgelöst. Manchmal ist es ein Sturz oder auch nur, dass man sich nachts verlegen hat. Es kann auch schon bei Babys zu einer Atlasblockade kommen, verursacht durch die Geburt oder die Lage im Bauch.

Wie wird die Atlasblockade diagnostiziert?

Es gibt spezielle Untersuchungstechniken in der manuellen Medizin oder Osteopathie, um eine Atlasblockierung zu erkennen: Der Arzt weiß, in welche Richtung sich die Gelenke typischerweise bewegen. Er kann daher mit den Händen feststellen, ob eine Richtung gestört ist – und es in diesem Bereich eine Bewegungseinschränkungen gibt.

Die Atlaskorrektur besteht aus zwei Schritten

Eine wirksame Therapie kann die sogenannte Atlaswirbelkorrektur sein. Sie besteht aus Massage und Druckwellenbehandlung: Zunächst lockern dafür speziell ausgebildete Physiotherapeuten, Heilpraktiker oder Ärzte die Muskulatur entlang der Wirbelsäule bis zum Nacken – z.B. mit einem elektrischen Schröpfgerät. Die Vibrationen dringen tief in die Muskeln ein und lösen Verspannungen kleinster Muskeln rund um den ersten Halswirbel. Zudem wird die Durchblutung gefördert. Ziel ist es, dem Atlas mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen.

Anschließend werden mit einem Massagegerät Druckwellen im Nackenbereich erzeugt. Der Atlaswirbel wird über viele kleine Impulse langsam in seine Gelenkposition zurückgebracht und sitzt anschließend wieder stabil auf den Gelenkflächen.
Nach der Behandlung braucht der Körper fünf bis acht Wochen, um sich an die Veränderungen durch die Atlaskorrektur zu gewöhnen. Dann wird die Position des Atlaswirbels kontrolliert und, wenn nötig, korrigiert. Begleitende Rückenmassagen sollen die Regeneration beschleunigen. In den meisten Fällen reicht ein Termin plus Nachkontrolle.

Klassische Atlastherapie nach Arlen

Eine andere manuelle Behandlung des Halswirbels darf nur von Ärzten vorgenommen werden: die Atlastherapie. Mit der Kuppe des Mittelfingers übt der Arzt für Manuelle Medizin kurze Impulse auf die Muskeln und Bänder am Übergang vom Kopf zum Hals aus. Dieser Dehnreiz verändert die muskuläre Spannung und das "Wahrnehmungsmuster" der Sinnesrezeptoren, der Schmerz geht zurück.

Die Atlastherapie wenden Ärzte für Manuelle Medizin oft auch bei Säuglingen und Kindern an, wenn diese etwa motorisch bedingte Entwicklungsverzögerungen haben.
Die sanfte Atlastherapie kommt - anders als die Chirotherapie - ohne Manipulationen an Kopf und an der Halswirbelsäule aus. Verletzungen der Arterien entlang der Halswirbelsäule sind daher unwahrscheinlich. Ärzte, die Patienten mit der Atlastherapie behandeln, müssen vor allem darin geübt sein, die Richtung, Stärke und Häufigkeit der manuellen Impulse für jeden Erkrankten individuell zu ermitteln.

Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht

Atlaswirbelkorrektur oder Atlastherapie nach Arlen können die Migräne manchmal langfristig wirksam behandeln, häufiger aber die Frequenz und Häufigkeit der Anfälle reduzieren. Wissenschaftliche Belege gibt es für beide Verfahren aber derzeit nicht. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten von 80 bis 250 Euro in der Regel daher nicht.

Filmbeitrag: Tom Garus
Infotext: Beate Wagner

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