Augen eines älteren Herrn (Bild: Colourbox)
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- Abrupte Diabetes-Therapie schadet den Augen

Diabetiker müssen akribisch darauf achten, ihren Blutzucker in Schach zu halten. Ist der dauerhaft zu hoch, schädigt das kleinste Blutgefäße. Im Auge kann das zu Netzhaut-Einblutungen und der Bildung instabiler Gefäße führen. Diabetesbedingte Augenschäden sind bei den 40-80-jährigen häufigste Ursache von Blindheit. Doch eine neue Studie zeigt nun: Wer hohen Blutzucker zu rabiat bekämpft, schadet den Augen zusätzlich.

Bei Diabetikern kann es zu einer ganzen Reihe verschiedener Augenerkrankungen kommen: Neben einer Linsentrübung ist das vor allem die diabetische Retinopathie und das Makulapathie. Nur wenn Betroffene regelmäßige Augenuntersuchungen inklusive der Kontrolle der Netzhaut wahrnehmen, können diese Komplikationen frühzeitig entdeckt und wirksam behandelt werden.

Neue Studie: Blutzucker sanft senken

Dabei ist die Grundlage jeder Therapie eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung sowie eine regelmäßige Blutdruckkontrolle und Rauchverzicht. Französische Forscher haben nun gezeigt, dass die Blutzuckereinstellung äußerst sorgsam und kontrolliert sanft passieren sollte – ansonsten können sich die bestehenden Augenerkrankungen verschlimmern. Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig sich vorerkrankte Augen nach einer intensiven Senkung des Blutzuckers verschlimmern und welche Risikofaktoren es dafür gibt.

Die umfangreiche Literaturrecherche von Studien aus den Jahren 1980 bis 2016 sowie einschlägiger Expertenempfehlungen ergab: Patienten, bei denen ein schlecht kontrollierter Diabetes Typ-1 und Typ-2 intensiv behandelt wurden, profitierten nicht. Zudem verschlimmerte sich der Befund der Augen bei Patienten, die eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse hinter sich hatten oder die sich operativ den Magen hatten verkleinern lassen, um abzunehmen.

Je stärker die Augen vor der Therapie bereits geschädigt waren, desto extremer fiel nach der starken Blutzuckersenkung die Verschlechterung der Augen aus, teilweise kam es sogar zu irreversiblen Schädigungen der Netzhaut. Bei den Patienten mit mild ausgeprägten Augenerkrankungen traten die Verschlimmerungen hingegen oft nur vorübergehend auf.

Was das Risiko für eine schlechte Prognose zusätzlich verschlimmert

Die Forscher ermittelten Risikofaktoren, die den Befund zusätzlich verschlimmern:
• eine schlechte Diabeteskontrolle bei Behandlungsbeginn
• eine zu intensive Senkung des Langzeitblutzuckerwertes
• eine lang bestehende Diabeteserkrankung
• eine fortgeschrittene diabetesbedingte Augenerkrankung bei Behandlungsbeginn.

Fazit:

Um Diabetespatienten mit erkrankten Augen davor zu bewahren, dass sich die Beschwerden weiter verschlimmern, sollte ihr Blutzucker nie abrupt, sondern immer sanft gesenkt werden. Zudem ist eine regelmäßige Kontrolle der Netzhaut wichtig. Patienten mit zusätzlichen Risiken sollten den Empfehlungen der Autoren zufolge alle drei Monate untersucht werden, alle anderen halbjährlich.

Filmbeitrag: Raphael Jung
Infotext: Beate Wagner

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