Symbolbild für Schwindel, Ohnmacht: sich drehender Wald (Quelle: imago/Peter Widmann)
imago/Peter Widmann
Bild: imago/Peter Widmann

- Plötzliche Ohnmacht – was steckt dahinter?

Manchmal beginnt es mit Sehstörungen, Rauschen in den Ohren oder Übelkeit. Dann sacken Betroffene oft plötzlich zusammen. Jeder Dritte wird im Laufe seines Lebens mindestens einmal ohnmächtig. Und dann? War das ein eher harmloses Kreislaufversagen oder doch Warnzeichen für etwas Gefährliches? Wer kann helfen kann und wie können Betroffene vorsorgen? Die rbb Praxis informiert.

Plötzlich dreht sich alles, es treten Schwindel und Kontrollverlust auf, die Beine sacken weg, vor den Augen wird es schwarz: Ohnmacht ist weit verbreitet. Jeder dritte Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit einer Ohnmacht. Die Gründe können vielseitig sein, daher ist die Diagnose für Ärzte eine Herausforderung.

Lange Zeit sahen Ärzte Patienten, die beim Blutabnehmen ohnmächtig werden, als zart besaitete Charaktere an. Heute wissen sie: Tritt eine Bewusstlosigkeit immer in der gleichen Belastungssituation auf, steckt dahinter meist keine organische Ursache.

Dann spielt in der Regel das sogenannte vegetative Nervensystem für einen Moment verrückt. Der Sympathikus-Nerv - unter anderem zuständig für einen schnellen Puls und kräftigen Herzschlag - setzt für einen Augenblick aus. Sein Gegenspieler, der Vagusnerv, übernimmt die Regie. Er lässt den Blutdruck innerhalb von Sekunden drastisch absacken. Das Gehirn erhält für kurze Zeit zu wenig Blut und damit Sauerstoff und schaltet ab.

Fehlregulation des Kreislaufs

Neben dem Nervensystem kann aber auch der Kreislauf Ursache einer Ohnmacht sein. Hintergrund einer solchen kreislaufbedingten Ohnmacht ist meist ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie), vor allem bei großen und schlanken Menschen. Ausgelöst wird diese Form der Ohnmacht zum Beispiel durch einen heftigen Schreck, Luftdruckschwankungen oder den Anblick von Blut.

Ob es sich um kreislaufbedingte Ohnmacht handelt, können Ärzte mit dem sogenannten Schellong-Test herausfinden: Dabei liegen Betroffene zehn Minuten lang auf einem Tisch und müssen abrupt aufstehen. Vor und nach dem Lagewechsel misst der Arzt Blutdruck und Puls. Steigt der Puls stark an, ist das ein Hinweis auf die Tendenz für eine kreislaufbedingte Ohnmacht. Neben dem Schellong-Test wird oft eine Untersuchung auf einem Kipptisch durchgeführt, der plötzlich aufgerichtet wird.

Empfindlicher Nerv

Auch ein überempfindlicher Karotis-Nerv an der Halsschlagader kann der Grund für eine Ohnmacht sein. Wird der sensible Punkt zu stark von außen gedrückt, beispielsweise durch einen engen Hemdkragen oder beim Rasieren, kann das ebenfalls zu einem wirksamen Kreislaufreflex bis hin zur Ohnmacht führen. Denn der Karotisnerv hilft, den Blutdruck zu regulieren.

Störung der Herzfunktion

Meist ist die Ohnmacht harmlos. Es gibt aber auch lebensbedrohliche Ursachen für die sogenannte Synkope. Sie gehen meist mit einer Herzerkrankung einher, beispielsweise zählen zu diesen Ursachen Herzrhythmusstörungen, eine Verengung der Aortenklappen, Schäden an den Herzkranzgefäßen oder am Herzmuskel.

Eine Synkope ist für Ärzte eine diagnostische Herausforderung. Denn oft sind nach einer plötzlichen Ohnmacht das EKG und die Blutwerte wieder völlig in Ordnung.
Das sind die unterschiedlichen Symptome bei einer kreislaufbedingten oder herzbedingten (kardialen) Ohnmacht:

• Eine kreislaufbedingte Ohnmacht kann mit Vorboten wie Sehstörungen, einem komischen Gefühl im Bauch, Kribbeln im Körper, Knacken und Rauschen im Ohr, Übelkeit und leichten Zuckungen einhergehen. Oft wird sie fälschlicherweise für eine Epilepsie gehalten. Sie kommt schnell und dauert nur kurz an. Danach sind die Patienten wieder fit.

• Eine kardiale Ohnmacht tritt meist ohne Vorboten auf. Der Blutdruck sackt ab und mitunter bleibt das Herz sogar für mehrere Sekunden stehen. Eine Ohnmacht, die in einen Herzstillstand übergeht, ist lebensgefährlich.

Auch der Wasserhaushalt kann dahinter stecken

Die häufigste Ursache bei älteren Menschen für eine Synkope: eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Oft unterschätzt wird auch der Effekt von Medikamenten auf eine mögliche Ohnmacht. So können beispielsweise Blutdrucksenker, die stark entwässern, eine entsprechende Wirkung haben. Zu den Grunderkrankungen, bei denen es häufiger zu einer Ohnmacht kommt, gehören einerseits Polyneuropathien wie bei Diabetes und andererseits Nervenregulationsstörungen.

Winzige Ereignisrekorder liefern Beweise

Haben Ärzte einen gestörten Herzrhythmus als Ursache in Verdacht, setzen sie bei wiederholten Ohnmachtsanfällen einen sogenannten Eventrekorder ein: Das Gerät wird unter örtlicher Betäubung unterhalb des Brustbeins unter die Haut geschoben und zeichnet danach drei Jahre lang die Herztätigkeit auf. Bei Auffälligkeiten funkt das Gerät die Daten an die behandelnden Ärzte. So lassen sich auch seltene Herzschäden entdecken und behandeln.

Das kann das Leben retten, denn: Wird die Ursache kardialer Ohnmachtsanfälle nicht behandelt, stirbt jeder zweite bis dritte Betroffene innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Kreislaufbedingter Ohnmacht vorbeugen

Ist eine Schädigung des Herzens als Ursache ausgeschlossen, kann man einer kreislaufbedingten Ohnmacht mit diesen Maßnahmen vorbeugen:
Regelmäßige Bewegung - am besten einmal täglich 15 bis 30 Minuten an der frischen Luft. Auch Saunagänge und abwechselnd warme und kalte Duschen können den Kreislauf in Schwung bringen. Wer lange stehen muss, kann das Absacken des Blutes in die Beine durch das Anlegen von Kompressionsstrümpfen verhindern.

Leichte Ernährung, zum Beispiel mit Muntermachern wie Wasser, Saft und Kräutertees. Davon mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag trinken. Eine Tasse Kaffee kurbelt den Kreislauf nur vorübergehend an. Schwere oder fetthaltige Speisen meiden. Ausreichend Salz essen - aber maximal sechs Gramm pro Tag. Bei häufigen Symptomen können spezielle Medikamente (Alpha-Agonisten) den Blutdruck anheben.

Isometrische Übungen dienen zur Vorbeugung, können aber auch eine akut drohende Ohnmacht oft noch verhindern: Im Stehen die Beine kreuzen, dabei Bein-, Bauch- und Gesäßmuskeln anspannen. Danach mit einer Hand die andere greifen und in Brusthöhe mit beiden Armen in die Gegenrichtung ziehen. Zum Schluss einen Gummiball oder anderen Gegenstand in die Hand nehmen und kräftig drücken.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

weitere Themen der Sendung

Augen eines älteren Herrn (Bild: Colourbox)
Colourbox

Abrupte Diabetes-Therapie schadet den Augen

Diabetiker müssen akribisch darauf achten, ihren Blutzucker in Schach zu halten. Ist der dauerhaft zu hoch, schädigt das kleinste Blutgefäße. Im Auge kann das zu Netzhaut-Einblutungen und der Bildung instabiler Gefäße führen. Diabetesbedingte Augenschäden sind bei den 40-80-jährigen häufigste Ursache von Blindheit. Doch eine neue Studie zeigt nun: Wer hohen Blutzucker zu rabiat bekämpft, schadet den Augen zusätzlich.

Junge wird geimpft (Quelle: imago/blickwinkel)
imago/blickwinkel

HPV-Impfung - jetzt auch für Jungen

Als Forscher Harald zur Hausen entdeckte, dass das Papillomvirus, kurz HPV, Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, war das eine Sensation - und führte zur Entwicklung eines Impfstoffs. Seit zwölf Jahren werden Mädchen gegen HPV geimpft. Jetzt empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), auch Jungen zu impfen – und viele deutsche Ärzte finden: das war längst überfällig. Immer mehr Kassen übernehmen nun die Kosten.

Frau hat Migräne und hält sich den Kopf (Quelle: imago/PhotoAlto)
imago/PhotoAlto

Migräne – schafft eine Atlastherapie Linderung?

Wer sie hat, leidet Qualen: Migräne. Mit den heftigen Kopfschmerzen und den Begleitbeschwerden wie Lichtempfindlichkeit, Schwindel oder Übelkeit haben pro Tag in Deutschland rund eine Million Menschen zu kämpfen. Einigen soll eine Behandlung am Atlas-Halswirbel Linderung verschaffen. Die rbb Praxis hat sich zwei Methoden angeschaut.

Weitere Beiträge

Roman Knopf (Foto: Privat)
Privat

Interview l Spenderherz rettet Leben - "In tiefer Dankbarkeit, Dein Roman"

Gesundheitsminister Jens Spahn hat hat sich für die Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen: Wer nicht aktiv widerspricht, gilt als Spender. Grund für den Vorstoß: zu wenig Spenderorgane. Täglich sterben Menschen auf der Warteliste. 2017 bekamen nur noch ca. 800 Menschen ein Spenderorgan, davon 257 ein neues Herz. Einer von ihnen: Roman Knopf. Dem 40-jährigen transplantierten Chirurgen des Herzzentrums Berlin Ende 2015 ein neues Herz.

Hanfblätter und ärztliches Rezept (Quelle: imago/Christian Ohde)
imago/Christian Ohde

Cannabis als Medizin - kommt die Hilfe an?

Für manchen Schmerzpatienten ist Cannabis eine ersehnte Therapieoption. Seit knapp anderthalb Jahren kann Medizinalhanf auf Kosten der Krankenkassen ärztlich verschrieben werden, soweit die Theorie. Doch erhalten die Betroffenen, denen Cannabis Linderung verschaffen könnte, das Mittel auch wirklich? Die rbb Praxis hat nachgefragt.

Roboter streckt Hände aus (Quelle: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Wie wandelt sich der Arztberuf? - Künstliche Intelligenz in der Medizin

Big Data, Apps, Dr. Google - nicht nur Patienten haben heute viele moderne Mittel, um ihre Gesundheit zu überwachen und mitzugestalten. Auch viele Ärzte setzen auf smarte Technik in der Therapie und dank Künstlicher Intelligenz (KI) kann die manchmal sogar mehr als der Arzt selbst. Bei der Diagnose zum Beispiel: unzählige Daten "untersuchen". Arzt und KI - ein Team, von dem Patienten profitieren könnten.