Grafik zweier Beine mit Markierung Achillessehne (Bild: Colourbox)
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- Probleme mit der Achillessehne

Die Ferse ist ein verletzlicher Teil unseres Körpers, das wussten schon die alten Griechen. Und auch heute plagen sich viele Menschen, darunter auch junge, mit Beschwerden der Achillessehne. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Die rbb Praxis begleitet eine junge Frau, die durch gezieltes Training wieder ohne Schmerzen laufen und joggen lernt.

Als Sohn eines menschlichen Vaters und einer göttlichen Mutter galt Achill bis auf eine Körperstelle als unverwundbar: Als seine Mutter ihn in den Fluss Styx tauchte, blieb die Ferse, an der sie Achill mit der Hand hielt, vom Wasser unbenetzt und wurde so zu seinem Schwachpunkt. Auch bei uns Normalsterblichen ist diese Region häufig anfällig. Ein falscher Moment beim Handball, Squash oder Freizeit-Fußball reicht – und die Achillessehne ist verletzt. Mal ist sie nur in Fasern angerissen, oft reißt die Sehne komplett.

Achillessehnen-Reizung und -Entzündung

Oft kündigt sich die Verletzung schon längere Zeit an: Beim Joggen oder Fußball spielen tut es am Sehnenansatz an der Ferse weh, und die Sehne ist mitunter geschwollen. Eine Entzündung ist oft langwierig, denn die Sehne und die sie umgebende Region sind kaum oder nur schlecht durchblutet. Die Behandlung erfolgt in der Regel nicht-operativ. Zunächst sollen die Patienten die Aktivitäten herunterfahren, bei denen sie Schmerzen haben. Wenn dann die Symptome abgeklungen sind, können die Aktivitäten wieder langsam gesteigert werden. Ein Schuh mit erhöhtem Absatz und steifer Sohle entlastet die Sehne. Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung lindern die Beschwerden. Physiotherapeutische Übungen helfen die Achillessehne zu dehnen und zu strecken.

Schwangerschaft und Achillessehnenprobleme

Die Patientin im Film hatte wegen Schwangerschaft und Geburt ein Jahr mit dem Laufen ausgesetzt. Nun joggt sie seit einem viertel Jahr wieder – und hat seit einigen Wochen vermehrt Schmerzen an der linken Sehne. Sie treten sowohl am Morgen in Ruhe auf als auch beim Laufen. Könnte die Schwangerschaft zu den Problemen geführt haben? Eine Laufanalyse soll das klären. Dabei werden unter anderem Schrittlänge und Haltung ermittelt. Die 150 Euro für die Untersuchung muss die Patientin selbst bezahlen, die Kassen übernehmen das nicht. Die Untersuchung zeigt: Rumpf und Bein bilden bei der Patientin keine gemeinsame Achse; Knie und Fuß knicken nach innen weg. Offenbar war der Rumpf während der Schwangerschaft für das zunehmende Gewicht nicht stabil genug. Aufgrund des falschen Bewegungsmusters hat sich das Sehnengewebe verändert. Jetzt will die Physiotherapeutin mit geeigneten Übungen dafür sorgen, dass die Beinachse wieder gerade wird und stabil bleibt.

Erste Maßnahme: die Rumpfmuskulatur mit dem Theraband stärken und die (gereizte) Achillessehne entlasten. Auch fürs Laufen gibt der Therapeut Tipps: Die Patientin soll sich vorstellen, dass ein Luftballon ihren Kopf nach oben zieht und außerdem nur kleine Schritte machen – auch das stabilisiert den Rumpf. Unterstützend klebt die Physiotherapeutin Kinesio-Tapes über die Sehne entlang der Wadenmuskulatur bis hin zur Kniekehle. Das Tape hebt das Gewebe an in gewisser Weise, was wiederum die Region entspannt und zu einer Schmerzreduktion führen kann. Dazu empfiehlt die Physiotherapeutin Pilates-Übungen. Nach mehreren Monaten umfangreicher Therapie gehen die Schmerzen komplett zurück.

Auch Auf- und Abwippen bringt’s

Nicht immer muss es ein ausgeklügeltes Programm sein. Karsten Knobloch von der Unfallchirurgischen Klinik der MHH führte eine Studie mit 66 Probanden durch, die er eine einfache Übung turnen ließ: Sie stellten sich barfuß in Laufrichtung mit beiden Füßen an den Rand einer Treppenstufe, hoben sich auf die Zehenspitzen, hielten diese Position zwei Sekunden und senkten dann die Fersen unter die Horizontale der Stufe. Das exzentrische Krafttraining wiederholten die Patienten 15 Mal und nach einer Pause von 30 Sekunden weitere 15 Mal. Nach zwölf Wochen waren die Schmerzen um 44 Prozent gesunken. Das Auf- und Niederwippen sollten die Patienten Knobloch zufolge täglich mindestens dreimal, eventuell auch sechsmal wiederholen.

Anatomie der Sehne

Die Achillessehne ist zehn bis zwölf Zentimeter lang und eine der kräftigsten Sehnen des Körpers. Sie verbindet den dreiköpfigen Wadenmuskel mit der Hinterkante des Fersenbeins und überträgt die Kraft des Muskels auf den Fuß. Die hohen Anforderungen machen die Achillessehne besonders anfällig für Reizungen und Risse. Mehr als zwei Drittel aller Verletzungen an der Achillessehne passieren beim Sport. Vor allem beim Laufen, in der Leichtathletik, beim Tennis und anderen Ballsportarten hält das Gewebe der abrupten oder andauernden Krafteinwirkung nicht stand. Bei Sprüngen muss sie beispielsweise Belastungen aushalten, die das Neunfache des Körpergewichts betragen können.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Constanze Löffler

Service

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