Manuelle Therapie am Knie (Quelle: imago/allOver)
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- Schmerzen im Knie - Neue Hilfe bei Kreuzband-Problemen

Manchmal reicht eine falsche Drehung und das Kreuzband reißt. Inzwischen gibt es immer bessere Möglichkeiten, das Kreuzband operativ wieder in Funktion zu bringen. Doch trotzdem folgt ein oft monatelanger Ausfall, auch für Nicht-Profis oft ein Problem. Die rbb Praxis zeigt, wer besonders gefährdet ist und wie man eine Ruptur verhindert. Unterstützt werden wir dabei von einem Hockey-Olympiasieger: Martin Häner ist inzwischen nicht nur sportlicher, sondern auch medizinischer Experte, als angehender Orthopäde und Unfallchirurg.

Es reichen ein falscher Schritt, eine falsche Drehung, ein plötzlicher Sturz - und das Kreuzband im Knie ist gerissen. Sportarten mit vielen Sprüngen, abrupten Stopps, schnellen Richtungswechseln und Drehbewegungen belasten das Knie in besonderer Weise. Deswegen verletzen sich vor allem Fuß-, Hand- und Basketballer sowie Skifahrer, Feldhockeyspieler und Judokämpfer am vorderen Kreuzband. Jedes Jahr zerren und reißen sich rund 100.000 Menschen hierzulande eines der Kreuzbänder. Frauen sind dabei zwei- bis achtmal häufiger betroffen als Männer.

Dass das Knie so anfällig ist, liegt zum einem an seiner komplizierten Anatomie, zum anderen daran, dass es als das meist beanspruchte Gelenk des Körpers fast dessen gesamtes Gewicht trägt. Die Kreuzbänder geben dem Kniegelenk seine Stabilität. Das vordere Kreuzband verbindet den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein. Reißt es, kann das Knie durch die Instabilität wegknicken. Zusätzlich rutscht der Schienbeinkopf bei jedem Schritt einen Zentimeter nach vorn und wieder zurück und beschädigt so die Knorpelschicht.

Problemfall vorderes Kreuzband

Der Kreuzbandriss gehört zu den schwersten und häufigsten Bänderverletzungen. Das vordere Kreuzband reißt zehn bis zwölf Mal häufiger als das hintere. Etwa bei jedem dritten Betroffenen ist zusätzlich ein Meniskus beschädigt. Verletzungen am vorderen Kreuzband zwingen Sportler häufig zu monatelangen Ruhepausen mit Operationen und Rehabilitation. Für professionelle Athleten können sie auch das Karriere-Aus bedeuten.

Fachleute empfehlen daher, sich ein gerissenes Kreuzband so früh wie medizinisch möglich operieren zu lassen. Mehr als 90 Prozent der Kreuzbandrisse werden bisher mit einer Kreuzbandplastik behoben. Als Kreuzband-Ersatz verwendet man dabei körpereigene Sehnen, wie zum Beispiel ein Stück aus der Patellasehne, die zwischen der Kniescheibe und dem Schienbein liegt. Häufig wird auch die Sehne des Semitendinosus-Muskels verwendet, der seitlich zwischen Ober- und Unterschenkel verläuft.

Neues Verfahren lässt gerissenes Band heilen

Nun gibt es eine neue Methode, die vor allem bei frischen Rissen des vorderen Kreuzbandes zum Zuge kommt. Zunächst werden die beiden Stümpfe des zerrissenen Kreuzbandes mit einer Naht wieder zusammengeführt. Im zweiten Schritt wird ein System eingebaut, das eine Entlastung des genähten Kreuzbandes gewährleistet. Zunächst wird eine Metall-Hülse, in die eine Feder eingebaut ist über einen Bohrkanal im Unterschenkelknochen verankert. Am Oberschenkel wird ein Metallplättchen befestigt. Dann verbindet der Operateur beide Teile über etwa eine hochfesten Polyethylenfaden: Dieser stabilisiert das Kreuzband und verschafft ihm die Ruhe, die es zum Heilen braucht. Das Federsystem sorgt dafür, dass der Kunststofffaden sich dynamisch den Anforderungen des Knies anpassen kann. Herstellerangaben zufolge kann das alte, neu zusammengewachsene Kreuzband nach rund sechs Monaten wieder seine volle Funktion übernehmen. Das neue minimal-invasive Verfahren wurde vor einigen Jahren in der Schweiz entwickelt.

Im Gegensatz zu anderen Behandlungsmethoden muss der Orthopäde dabei keine körpereigene Sehne entfernen und im Knie einbauen. Durch den Erhalt des eigenen Kreuzbandes bleibt die Tiefensensibilität im Knie erhalten. Diese Funktion muss sonst - zusammen mit dem Muskelaufbau rund ums Knie - nach dem Ersatz der körpereigenen Sehne in mühsamer physiotherapeutischer Arbeit wieder erarbeitet werden. Mit dem neuen Verfahren bleiben die natürlichen anatomischen Gegebenheiten hingegen möglichst erhalten. Gleichzeitig sind die Betroffenen früher wieder mobil.

Postoperative Belastung geringer

Insgesamt schätzen die Experten der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie die operative Belastung mit dem neuen Verfahren für Patienten als geringer ein als bei einer herkömmlichen Operation samt Nachsorge. Allerdings muss der Eingriff innerhalb der ersten drei Wochen nach dem Unfall erfolgen. Sonst ist das Kreuzband nicht mehr vital genug. Das neue Verfahren verwenden in Berlin derzeit erst fünf Kliniken, in Brandenburg eine Klinik. Die Kassen zahlen beide Verfahren.

Ein häufiges Problem, vor allem bei Sportlern, ist zudem, dass Betroffene nach einer Operation oft wieder zu früh mit dem Training beginnen. Nach einer Operation zeigen sich jedoch noch viele Defizite bei Muskelaktivitäten in Knie, Hüfte und Knöchel – teilweise sogar noch bis zu fünf Jahre nach der Operation. Die allgemeine Regel, nach einem Kreuzbandriss mindestens sechs bis neun Monate zu pausieren, wird oft nicht eingehalten. Die Rückfallrate beim Riss des vorderen Kreuzbandes liegt für das operierte sowie das andere Knie aber zwischen drei und 49 Prozent.

Muskelfunktionstests erlauben Vorhersage

Experten raten daher heute zu Muskelfunktionstests, wie zum Beispiel dem "Return to play"-Test. Dieser ermittelt nicht nur die Muskelstärke, sondern erstellt auch eine Bewegungsanalyse. Eine Überprüfung der passiven Stabilisatoren, bei der ein Arzt das Knie bewegt und nicht der Patient selbst, reiche indes oft nicht aus. Mit dem Muskelfunktionstest "Return to play" können Experten Schwachstellen wie eine falsche Sprung- oder Lauftechnik ermitteln. Der Test dauert etwa anderthalb Stunden und eignet sich auch zur Prävention und zur Ermittlung des Risikos einer neuerlichen Knieverletzung.

Denn Studien haben gezeigt, dass die verwendeten Stabilisations- und Kräftigungsübungen oder angepasste Bewegungsabläufe wie das Landen mit dem gebeugten statt dem gestreckten Knie das Verletzungsrisiko deutlich senken können. Der Test ermöglicht es, verletzungsanfällige Sportler, gerade auch bei Jugendlichen, zu identifizieren.

Effektive Vorbeugung verhindert einen Riss

Damit es erst gar nicht so weit kommt, raten Experten zum Beispiel der Deutschen Kniegesellschaft zudem generell zu Vorbeugung: Wer regelmäßig spezielle Übungen zur Prävention von vorderen Kreuzbandverletzungen macht, eine Innendrehung des Knies beim Sport vermeidet und auf eine korrekte Bewegungstechnik achtet, halbiere sein Risiko für entsprechende Verletzungen oder gar einen Kreuzbandriss. Frauen profitierten noch mehr als Männer von diesen Übungen. In Situationen ohne Kontakt zu anderen Sportlern sinke ihr Verletzungsrisiko Studien zufolge um zwei Drittel.

X-Beine erhöhen das Risiko

Die Deutsche Kniegesellschaft hat zudem ein Trainingsprogramm entwickelt, das Sportler darin schulen soll, die X-Beinstellung zu vermeiden. In einer 30-seitigen Broschüre beschreiben Experten verschiedene Lauf-, Balance-, Sprung- und Kraftübungen, die die Gelenke und die umliegende Muskulatur stabilisieren. Die Übungen sollten zwei- bis dreimal pro Woche in ein 20- bis 30-minütiges Aufwärmtraining eingebaut werden.

Denn: Gefährdet für einen Kreuzbandriss sind vor allem Sportler mit einer X-Beinstellung. Wer dazu neigt, lässt sich mit einem einfachen Sprungtest feststellen. Dazu springt der Athlet von einem Kasten, landet und springt dann mit maximaler Kraft in die Höhe und landet wieder. Sind die Knie bei der Landung nach innen geneigt, sprechen Orthopäden und Unfallchirurgen von der X-Beinstellung. Betroffene sollten an einer Änderung dieses Bewegungsmusters arbeiten.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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