Pflanzliche Heilmittel, Phytopharmaka (Quelle: imago/imagebroker)
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- Pflanzliche Mittel - Vorsicht Nebenwirkungen!

Medikamente mit Wirkstoffen auf Pflanzenbasis, so genannte Phytopharmaka gelten als besonders verträglich. Und tatsächlich sind sie ihren Pendants aus dem Reagenzglas hier oft überlegen. Trotzdem: Auch pflanzliche Arzneimittel haben Nebenwirkungen, die Organe wie Herz, Nieren oder Leber schädigen können. Außerdem haben Arzneipflanzen oft beträchtliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Schon einfache Kräutertees können die Wirkung von Medikamenten gefährlich verstärken oder - ebenso problematisch - sogar aufheben.

Herbstzeit, Erkältungszeit. Wenn jetzt die ersten kalten Tage kommen, greifen wir gern zu Tee und pflanzlichen Arzneimitteln. Die natürlichen Inhaltsstoffe haben das Image, harmlos, sanft und ohne Nebenwirkungen beispielsweise gegen Erkältungsbeschwerden zu wirken. Doch die Dosis macht das Gift. Diese Weisheit von Paracelsus gilt auch für pflanzliche Mittel: Bei übermäßiger Anwendung oder für Patienten mit bestimmten Vorschäden können auch pflanzliche Arzneien gefährlich werden.

Ein Beispiel: Huflattich. Das Kraut wird gern gegen Husten als Tee getrunken, langfristig kann es aber die Leber schädigen. Ein anderes Beispiel: Pfefferminze. Pfefferminzöl ist bei Erkältung beliebt. Doch es kann auch zu Atemnot führen. Und Pfefferminztee kann den Säurerückfluss in die Speiseröhre verstärken. Das ist zum Beispiel für Menschen mit Sodbrennen ein Problem. Der Hustenlöser Thymian - enthalten in vielen phytotherapeutischen Erkältungspräparaten - kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

Vorsicht bei Blutverdünnern!

Patienten, die regelmäßig gerinnungshemmende Medikamente wie Acetylsalicylsäure oder Marcumar einnehmen, sollten von folgenden Arzneipflanzen die Finger lassen: Ginko, Teufelskralle, Ginseng oder Papaya. Sie können die Wirkung der gerinnungshemmenden Medikamente ungewollt verstärken.

Ein weiteres Beispiel: Johanniskraut. Hilft bei Stimmungsschwankungen, und gilt eigentlich als gut verträglich. Doch auch Johanniskraut kann gravierende Wechsel- und Nebenwirkungen haben: Auch dieses Kraut kann die Wirkung von Gerinnungshemmern verstärken. Außerdem kann es bei starker Sonneneinstrahlung heftige Hautreaktionen hervorrufen. Weitere bekannte Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Schwindel und Müdigkeit. Johanniskraut ist zudem für seine Wechselwirkungen bekannt: So können manche Medikamente bei gleichzeitiger Gabe von Johanniskraut ihre Wirkung verlieren: Bei Arzneimitteln, die gegen Herzrhythmusstörungen und bei Herzschwäche eingenommen werden kann das lebensbedrohlich sein! Und auch ungewollte Schwangerschaften sind bei Einnahme von Johanniskraut möglich: die enthaltenen Wirkstoffe können die Anti-Baby-Pille wirkungslos machen.

Diskussion um Schöllkraut

Schöllkraut wirkt krampflösend, schmerzstillend und entzündungshemmend. Außerdem wird es in der Warzenbehandlung eingesetzt. Doch die Substanz kann auch die Leber angreifen. Um diese Wirkung gab es bereits einen jahrelangen Streit, der nun entschieden ist: Nach einem Todesfall muss der Pharmakonzern Bayer die Packungsbeilage seines pflanzlichen Magen-Darm-Mittels Iberogast um Warnhinweise ergänzen. Bayer muss nun auf dem Beipackzettel künftig auch vor sehr seltenen, aber schwerwiegenden Leberschäden warnen. Iberogast ist ein pflanzliches Arzneimittel mit Schöllkraut gegen Krämpfe, Übelkeit oder Sodbrennen. Das Mittel zählt zu den bekanntesten Gesundheitsprodukten von Bayer.

Todesfall nach Iberogast

Auslöser sind neue, bekannt gewordene Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) mitteilt. Darunter befindet sich nach Angaben der Behörde ein Fall von Leberversagen mit Lebertransplantation, der tödlich endete und im Juli bekannt geworden ist.

Einen Streit um neue Warnhinweise für Iberogast gibt es bereits seit zehn Jahren. Schon 2008 forderte das Bfarm, die Produktinformationen von schöllkrauthaltigen Arzneimitteln wie Iberogast um zahlreiche Warnhinweise wie mögliche Leberschäden zu ergänzen. Hoch dosierten Produkten wurde die Zulassung entzogen. Nun hat Bayer den Beipackzettel ergänzt. Neu ist darauf der Hinweis, dass das Mittel nicht von Schwangeren oder Stillenden eingenommen werden darf. Zudem warnt der Hersteller, Iberogast nicht bei Lebererkrankungen oder vorherigen Leberleiden anzuwenden. Bei den Nebenwirkungen steht nun, dass bei schöllkrauthaltigen Produkten Fälle von Leberschädigungen aufgetreten sind.

Bei der Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln sollte immer folgendes beachtet werden:
• Auch pflanzliche Präparate können gefährliche Nebenwirkungen haben!
• Sie können die Wirkung von Arzneimitteln positiv oder negativ beeinflussen.
• Daher die Einnahme unbedingt auch dem Arzt mitteilen.
• Vorsicht bei Präparaten, die exotische Pflanzen enthalten und bei Online-Bestellungen. Nicht immer entsprechen die angegebenen Studien auch den Tatsachen!

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

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