HIV-Test (Bild: imago/epd)
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- Neuer HIV-Selbsttest

Es hört sich einfach an: kleiner Pieks und knapp 15 Minuten später hat man das Ergebnis. Seit September dieses Jahres gibt es die so genannten HIV-Selbsttests für zuhause. Bisher durften HIV-Tests nur von Ärzten oder bestimmten Beratungsstellen angeboten werden. Diese Beschränkung ist weg - allerdings gibt es beim Selbsttest einiges zu beachten.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) lebten Ende 2016 mindestens 470 Menschen in Brandenburg mit einer HIV-Infektion, in Berlin sogar mehr als 14.000 Menschen. Allerdings soll es Schätzungen zufolge in beiden Bundesländern zusammen mindestens noch 2.000 Menschen geben, die nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen. Deutschlandweit sollen es sogar bis zu 13.000 Menschen sein.

Lange schlummert das Virus

Von der Infektion bis zum Auftreten von Beschwerden vergehen oft Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, andere unwissend anzustecken. Umso wichtiger ist es, dass man Klarheit bekommt nach einer möglichen Risikosituation - also zum Beispiel ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Allerdings scheuen Viele in einer solchen Situation den Weg in die Arztpraxen, Aids-Hilfen oder Gesundheitsämter. Abhilfe kann da ein Selbsttest schaffen, der frei verfügbar ist und so die Hemmschwelle senkt. Dadurch ermöglicht der Test mehr Menschen eine frühe Diagnose und Behandlung.

Der Test ist einfach, aber es braucht Geduld

Rein technisch ist der Test in der Tat sehr einfach und schnell: Man entnimmt etwas Blut aus der Fingerkuppe und nach etwa 15 Minuten hat man das Ergebnis. Das Problem: Der Test weist nicht das HI-Virus an sich nach, sondern nur Antikörper, die gegen das Virus gebildet werden. Daher kann ein zuverlässiges Ergebnis erst etwa 12 Wochen nach einer so genannten Risikosituation, also dem Moment einer möglichen Ansteckung, liefern. So lange kann es nämlich dauern, bis sich Antikörper im Blut ausbilden.

Der Selbsttest ist hochsensibel

Ein weiteres Problem: Jeder Test kann falsche Ergebnisse liefern. Von einem falsch-positiven Ergebnis spricht man, wenn etwa ein HIV-Test ergibt, dass ein Mensch mit dem HI-Virus infiziert ist, in Wirklichkeit aber gesund ist.

Ein falsch-negatives Testergebnis würde bei einem HIV-Infizierten ergeben, dass er das Virus nicht in sich trägt - obwohl er oder sie es tut. Je sensitiver ein Test ist, desto eher liefert er ein falsch-positives Ergebnis. Und die HIV-Selbsttests sind sehr sensitiv. Sie sind sozusagen so empfindlich, dass sie manchmal "überreagieren" und ein positives Ergebnis anzeigen, obwohl keine Infektion vorliegt. Deswegen empfiehlt die Deutsche Aids-Hilfe im Falle eines positiven Ergebnisses einen zweiten Test bei einem Arzt durchführen zu lassen.

Selbsttest bedeutet auch: sich selbst schlau machen

Hierüber sollte man sich bewusst sein, wenn man sich für einen HIV-Selbsttest entscheidet. Bisher war eine ausführliche Beratung vor und nach dem Test durch den Arzt oder die Gesundheitsbehörde gewährleistet. Fällt das Testergebnis dagegen beim Selbsttest positiv aus, ist man erstmal allein und kann mit niemanden direkt reden. Daher ist es wichtig zu wissen, dass man sich auch nach einem Selbsttest selbstverständlich jederzeit an Beratungsstellen wie etwa die Aidshilfe wenden kann.

Außerdem gibt es ein Informationsangebot zu den Tests vom Bundes-Gesundheitsministerium (BMG) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Hier gibt es auch Antworten auf wichtige Fragen, etwa zum Umgang mit einem positiven Ergebnis, sowie Hinweise zu Beratungsmöglichkeiten. Informationen zur Selbsttestung auf HIV und Hilfe bei der Produktauswahl finden Interessierte auch auf den Seiten der Aidshilfe und des PEI. Fünf verschiedene Tests werden hier empfohlen, nur zwei sind derzeit nach Recherchen der rbb Praxis in Berlin erhältlich. Die anderen empfohlenen Produkte können online bestellt werden.

Bisher in der Apotheke und im Netz

Zu kaufen sind die Selbsttests in Apotheken zum Preis ab ca. 20 Euro. In Drogeriemärkte sollten die Tests eigentlich auch verkauft werden, die beiden Marktführer haben sie aber noch nicht in ihrem Sortiment. Wichtig ist, dass die Tests ein CE-Zeichen haben, für die Anwendung durch Laien entwickelt wurden und in Europa zugelassen sind.

In anderen Ländern waren die HIV-Tests übrigens bereits seit längerem frei verkäuflich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sie bereits seit 2016.

Filmbeitrag: Anja Herr
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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