Junge Frau mit dunklen Haaren und Schal um den Hals liegt krank im Bett (Quelle: imago/Rolf Kremming)
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- Das Pfeiffersche Drüsenfieber – Küssen verboten

Fieber, Halsschmerzen und Schlappheit - nicht immer handelt es sich bei diesen Beschwerden um einen klassischen grippalen Infekt: auch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus kann diese Symptome hervorrufen. Folge: Pfeiffersche Drüsenfieber - eine verkannte Infektion.

Die Bezeichnung "Pfeiffersches Drüsenfieber" geht zurück auf den Kinderarzt Emil Pfeiffer. Er beschrieb die Krankheit erstmals. Da viele seiner Patienten angeschwollene Lymphknoten und Fieber hatten, nannte er sie Drüsenfieber. Die Bezeichnung aus dem englischen Sprachraum "kissing disease" beschreibt trefflich den Ansteckungsweg: hier heißt die Erkrankung Kusskrankheit. Weitere Bezeichnungen sind infektiöse Mononukleose, Monozyten-Angina oder Studentenfieber.

Ursachen

Ursache der Erkrankung ist eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, das zu den Herpesviren gehört. Über 90 Prozent der Erwachsenen tragen dieses Virus in sich. Übertragen wird es vor allem durch Speichelkontakt, etwa beim Küssen oder wenn man aus demselben Glas wie ein Infizierter trinkt, die gleiche Gabel benutzt, usw. Dabei muss der Überträger nicht einmal Symptome haben. Auch innerhalb der Inkubationszeit und auch noch Monate nach Abklingen der Symptome können sich die Viren noch im Speichel befinden. So kann es zum Beispiel auch von den gesunden Eltern auf die Kinder übertragen werden.

Viele Patienten - gerade Kleinkinder – bleiben nach der Infektion mit dem Virus komplett beschwerdefrei. Bei anderen – insbesondere Jugendlichen oder jungen Erwachsenen - kann sich die Erkrankung aber auch über mehrere Wochen hinziehen.

Verlauf

Zu Beginn stehen eher allgemeine Beschwerden, die denen einer Erkältung ähneln: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Halsweh. Dann werden die Symptome immer typischer: eine Mandelentzündung mit weißlichen Belägen auf den Tonsillen und schmerzlos geschwollene Lymphknoten an Hals und Nacken, Achseln oder den Leisten. Müdigkeit und Erschöpfung nehmen zu. Oft kommt es auch zu einer Vergrößerung der Milz, seltener zu einer Leberschwellung. Gelegentlich treten auch Hautausschläge auf, die von leichten Rötungen bis hin zu juckenden Quaddeln reichen können.

Meist klingen die Beschwerden nach einigen Wochen ab und das Pfeifferische Drüsenfieber ist nach wenigen Monaten ausgeheilt. Allerdings klagt jeder Zehnte auch nach mehr als einem halben Jahr noch über Beschwerden, insbesondere über Müdigkeit und Erschöpfung. In fast allen Fällen heilt eine Epstein-Barr-Virus-Infektion folgenlos aus.

Der Virus kann lange warten

Ein Problem bleibt: Wie alle Herpesviren kann auch das Epstein-Barr-Virus lebenslang im Körper schlummern und von Zeit zu Zeit wieder aktiviert werden. Dann treten zwar selten Symptome auf, allerdings sind die Betroffenen in dieser Zeit wieder ansteckend und können das Virus weiter verbreiten.

Die Kusskrankheit von einer einfachen Erkältung zu unterscheiden, ist auch für geübte Ärzte nicht einfach, da sich die Beschwerden gerade zu Beginn sehr ähneln. Nur durch eine gezielte Blutuntersuchung - eine Antikörperbestimmung - kann eindeutig nachgewiesen werden, ob die Beschwerden durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst wurden.

Therapie

Haben die Viren noch keine Organe befallen, besteht die Therapie für mindestens drei bis vier Wochen aus viel Ruhe, genügend Schlaf und wenig körperlicher Anstrengung. Auf Kontakt- und Kampfsportarten sollte sogar mehrere Monate verzichtet werden, da die geschwollenen inneren Organe durch Schläge zusätzlich verletzt werden könnten oder sogar ein Milzriss möglich wäre.

Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol können Kopfschmerzen, Halsschmerzen und
Fieber in der Akutphase lindern. Bei sehr schweren Krankheitsverläufen können Ärzte auch Wirkstoffe einsetzen, die die Virusvermehrung unterdrücken.

Wer einmal am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt war, entwickelt Antikörper und kann nicht erneut erkranken. Eine Impfung gegen das Epstein-Barr-Virus gibt es bislang nicht. Vorbeugen kann nur, wer den Kontakt zu erkrankten Personen meidet. Und für die gilt in dieser Zeit natürlich: Küssen verboten!

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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