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- Brustkrebs-Früherkennung

Rund 70.000 Frauen und 600 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Brustkrebs. Brustkrebs belegte im Welt-Krebsbericht 2012 mit fast 12 Prozent aller Fälle hinter Lungenkrebs Platz zwei in der Liste der häufigsten Krebsarten. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtsmedizin widmet sich auf ihrer heute beginnenden Tagung auch dem Thema Brustkrebs-Früherkennung.

Das Brustkrebsrisiko steigt mit dem Alter; so sind die meisten betroffenen Frauen älter als 50 Jahre, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. Die meisten Tumore werden erst entdeckt, wenn sie so groß sind, dass nur noch radikale Operationen und belastende Therapien die Heilungs- und Überlebenschancen verbessern können. Je früher erkannt, desto besser sind die Chancen, noch viele Jahre ohne Beschwerden zu leben.

Allerdings sind Früherkennungsuntersuchungen hierzulande nicht unumstritten. Denn: Sie retten weit weniger Menschen als landläufig angenommen. Vor allem aber führen sie zu Folgeuntersuchungen und überflüssigen Eingriffen. Bei den Massentests gesunder Menschen entdecken Ärzte vor allem Geschwulste, die entweder harmlos sind oder die zeitlebens keine Probleme gemacht hätten. Auf etwa 100 von 1000 Röntgenbildern finden die Begutachter beim Mammographie-Screening ein auffälliges Ergebnis. Oft sind das kleinere Brusttumore, die klinisch nicht von Bedeutung sind. Unbemerkt hätten sie keiner Behandlung bedurft. Einmal im Screening entdeckt, werden sie aber therapiert.

Tastuntersuchung der Brust

Der Arzt tastet die Brüste und benachbarte Lymphknoten in den Achselhöhlen nach Knoten oder Verhärtungen ab, fragt nach Veränderungen der Brust und erklärt die Selbstuntersuchung der Brust. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung bei Frauen ab 30 Jahren. Tasten ist allerdings keine Früherkennung! Diese Untersuchung kann nur größere Tumoren finden, die vielleicht schon gestreut haben. Weder für die Abtastung der Brust durch einen Arzt noch für die Selbstuntersuchung als alleinige Methode ist belegt, dass dadurch Krebstode verhindert werden. Verdächtige Tastbefunde müssen aber unbedingt abgeklärt werden und führen zu weiteren Untersuchungen wie Mammografie oder einer Gewebeprobe.

Brustkrebs-Screening

Für die Untersuchung werden beide Brüste senkrecht und schräg zwischen Plexiglasplatten gedrückt und geröntgt. Tumore erscheinen hell. Die Befundung nehmen zwei unabhängige Untersucher vor. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung alle zwei Jahre für Frauen im Alter zwischen 50 bis 69 Jahren. Die Qualität der Untersuchung wird in Deutschland überwacht; der Arzt muss jedes Jahr Aufnahmen von mindestens 5.000 Frauen beurteilen. Pro 1000 untersuchte Frauen kann die Mammographie einen Tod verhindern. Dafür werden allerdings auch viele Befunde entdeckt, die sich am Ende als harmlos herausstellen. Weil jedem Verdacht auf Krebs nachgegangen werden soll, werden die Frauen weiter untersucht: Ultraschall, MRT, vielleicht sogar eine Gewebeprobe. Teilweise vergehen Monate, bis die Frauen erfahren, dass sie nicht an Brustkrebs erkrankt sind. Damit nicht genug: Fünf von 1000 Frauen mit positiven Befunden wird unnötigerweise die Brust ganz oder teilweise entfernt - weil sie lediglich einen langsam wachsenden oder wenig aggressiven Tumor haben. Bei dichtem Drüsengewebe kann die Mammografie durch Ultraschall oder Magnetresonanztomografie ersetzt werden. Frauen, die Brustkrebs in der Familie haben, werden frühere und häufigere Untersuchungen empfohlen.

Blinde ertasten zuverlässig Brustkrebs

Blinde können sich seit ein paar Jahren zur Medizinisch-Taktilen Tastuntersucherin (MTU) ausbilden lassen. Denn sie sind besonders feinfühlig: Mit ihren Händen finden sie Tumore häufiger und schneller als Sehende - und können damit Leben retten. Studien haben ergeben, dass die Tastuntersucherinnen 50 Prozent mehr Verhärtungen ertasten als erfahrene Frauenärzte. Die Tumore sind im Schnitt etwa ein Drittel kleiner. Die Spezial-Untersuchung kostet 46,50 Euro; einige Kassen übernehmen die Kosten bereits.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau in der westlichen Welt. Insgesamt erkranken allein in Deutschland etwa 70.000 Frauen jährlich neu daran. Jede Dritte verstirbt. Eine große Chance auf Heilung gibt es, wenn der Krebs frühzeitig entdeckt wird, also bevor er in den übrigen Körper streuen kann. Ein bildgebendes Verfahren dazu ist die Mammographie. Frauen zwischen 50 und 69 haben im Abstand von zwei Jahren das Recht auf die Untersuchung. Bei jüngeren Frauen tastet der Gynäkologe während der Vorsorge die Brustdrüse ab. Die Brusttastuntersuchung durch den Gynäkologen ist für Frauen zwischen 30 und 50 Jahren die einzige Brustkrebsfrüherkennungsmaßnahme. Oft wird sie nicht nach standardisierten und validierten Abläufen und häufig unter hohem Zeitdruck durchgeführt.

Neuer Ausbildungsberuf für Blinde

Seit wenigen Jahren gibt es nun einen neuen Beruf, in dem blinde Frauen sich mithilfe ihres feinen Gespürs in den Fingerspitzen auf die Suche nach Veränderungen in der Brustdrüse begeben: die Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU). Blinde haben einen nachweislich überlegenen Tastsinn, was sich beispielsweise durch ihre Fähigkeit äußert, Braille-Schrift zu lesen. In einer neunmonatigen theoretischen und praktischen Fortbildung werden blinde und sehbehinderte Menschen in qualifizierten Berufsförderungswerken zu Medizinisch-Taktile Untersucherinnen (MTU) ausgebildet. Die besonderen Fähigkeiten der Untersucherinnen lassen sich auch in Zahlen ausdrücken: Ein Mensch ohne Sehbehinderung ertastet Knötchen in der Brust ab zweieinhalb Zentimeter, ein erfahrener Frauenarzt ab etwa einem Zentimeter Durchmesser. Eine blinde Tasterin kann Verhärtungen schon ab fünf bis acht Millimeter Größe fühlen.

Die optimale Vorsorge vereint mehrere Methoden

Der Einsatz einer MTU bei der Untersuchung schafft ein höheres Maß an Sicherheit für die Erkennung von Brustveränderungen. Die Tastuntersuchung durch die MTU erfolgt nach einem speziell entwickelten, standardisierten und qualitätsgesicherten Untersuchungskonzept. Die Tastuntersuchung ist ohne technisches Gerät möglich und beinhaltet keine Strahlenbelastung.

Gute Erfolge

Die bisherigen Erfolge mit der so einfachen wie ungefährlichen Untersuchungen können sich sehen lassen: Bis zu einem Drittel mehr Krebsgeschwüre sollen die MTUs ertasten können, ergab eine Vorstudie aus Erlangen. Zudem fanden sie auch bis zu 50 Prozent mehr und 30 Prozent kleinere Verhärtungen als der Arzt. Das kann aber auch daran liegen, dass die Untersuchung bei der MTU 30 bis 60 Minuten dauert – und nicht nur drei, wie in manchen Praxen.
Für die Untersuchung wird die Brust zunächst mit einem speziellen Streifen präpariert: Er unterteilt die Brust in verschiedene Regionen, die dann in verschiedenen Lagepositionen Region für Region abgetastet wird. Die Streifen sind mit Blindenschrift ausgestattet - die Brust somit in Koordinaten eingeteilt. Drei Gewebeschichten werden nach und nach durchgetastet.

Jeder Befund der MTU wird durch die Ärztin kontrolliert

Findet die MTU ein auffälliges Knötchen, kann sie die Position direkt in dem Koordinatensystem festlegen. Jede von der MTU aufgefundene Strukturauffälligkeit wird danach durch die Ärztin kontrolliert und bewertet. Sie legt fest, ob und welche weiteren Untersuchungen wie Brustultraschall oder Mammographie eventuell erforderlich sind. Denn: Keine auch noch so feinfühlige Tasterin kann die sichere Diagnose durch den Arzt ersetzen.

Stand der Dinge

Heute arbeiten deutschlandweit 37 ausgebildete MTUs in 58 Arztpraxen, Kliniken und discovering-hands-Zentren - Tendenz weiter steigend. Zahlreiche gesetzliche Krankenkassen übernehmen auf der Basis eines bundesweiten Vertrages die Kosten der Untersuchung ihrer Versicherten, weitere Kassen auf Antrag. Die Untersuchungskosten werden zudem von allen Privatversicherungen (auf Basis des individuell gewählten Kostenerstattungstarifes) übernommen. Die Untersuchung kostet zwischen 45 und 50 Euro. Zum Vergleich: Eine Mammographie mit Röntgen-Strahlung kostet 78 Euro.

Das sagen die Kritiker

Wenn eine blinde MTU nichts findet, könnten sich Frauen in falscher Sicherheit wiegen und womöglich auf andere, besser belegte Früherkennungsmaßnahmen verzichten. Das zumindest befürchten Kritiker. Außerdem gehört Experten zufolge zur Untersuchung der Brust neben dem Abtasten auch die Beurteilung der Hautbeschaffenheit. Ärzte müssen einschätzen: Ist die Hautstruktur vergröbert wie bei einer Apfelsine? Gibt es Einziehungen oder Rötungen? Blinde können das nicht sehen.

Filmbeitrag von Pia Kollonitsch
Infotext: Constanze Löffler

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