Speiseröhre (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Allergiegefahr für die Speiseröhre!

Eine recht häufige Erkrankung der Speiseröhre ist noch immer kaum bekannt - selbst bei vielen Ärzten. Die "eosinophile Ösophagitis" (EÖ) ist eine allergische Erkrankung, bei der die Schleimhaut der Speiseröhre zunehmend versteifen kann. Das Problem: Speisen können stecken bleiben. Das ist sehr schmerzhaft und kann sogar zu schweren Verletzungen führen.

Erst seit Ende der 1970er Jahre ist die EÖ als eigenständige Erkrankung anerkannt. In den letzten Jahren wird die Erkrankung immer häufiger diagnostiziert – nicht nur weil die Diagnosebedingungen verbessert sind. Experten gehen von einer echten Zunahme der Erkrankungshäufigkeit aus. Dennoch wird die Erkrankung häufig erst sehr spät – oft erst nach Jahren diagnostiziert. Auf etwa 3000 Einwohner kommt heutzutage ein Fall von EÖ.

Wenn es im Halse stecken bleibt

Dabei sind die Beschwerden durchaus eindrücklich: mehrmals im Jahr, beim Genuss bestimmter Speisen – bleibt den Betroffenen buchstäblich der Bissen im Halse stecken. Nicht selten so fest, dass der Speisekloß endoskopisch herausgeholt werden muss. Typischerweise rutschen Getränke oder weiche Speisen ohne Probleme durch die Speiseröhre, festere Nahrung oder Tabletten bleiben jedoch immer wieder stecken.

Begleitet wird das durch Schmerzen in der Speiseröhre und einen extremen Würgereiz. Viele Patienten erleben auch einen beängstigenden Druck in der Speiseröhre. Aber auch Magen- oder Speiseröhrenschmerzen ohne steckengebliebene Nahrung kommen vor. Die Erkrankung beginnt meist schon im Kindesalter, wird jedoch besonders bei jüngeren Betroffenen oft nicht erkannt. Bei Kindern kommt es anstelle des steckengebliebenen Bissens eher über unspezifische Bauchschmerzen mit Erbrechen, Übelkeit und saurem Aufstoßen – bis hin zur Nahrungsverweigerung. Häufig erinnert das an Sodbrennen - mit der Besonderheit, dass die Beschwerden nicht auf die klassischen Medikamente gegen die Refluxkrankheit (wie etwa Protonenpumpenhemmer) ansprechen.

Magenspiegelung zur Diagnose

Ursache der Erkrankung ist eine allergische Reaktion. Bei entsprechender genetischer Disposition führen bestimmte Nahrungsmittel und Umweltantigene dazu, dass Entzündungszellen aktiviert werden und die Speiseröhre allergisch gereizt wird.

Diagnostiziert wird die EÖ in einer Magenspiegelung. Hier zeigt sich oft ein so genannter Baumringaspekt. Das sind ringförmige Verletzungen der Schleimhaut in der Speiseröhre, die wir die Jahresringe eines Baumes aussehen. Zudem ist die Schleimhaut der Speiseröhre extrem empfindlich und blutet leicht. Ärzte sprechen von der so genannten Krepp-Papier-Schleimhaut.

Während der Magenspiegelung entnimmt der Arzt eine Schleimhautprobe. Unter dem Mikroskop zeigen sich die typischen entzündlichen Veränderungen bei EÖ. Im Gewebe der Speiseröhre (lateinisch: Ösophagus) sammeln sich typische Zellen, so genannte eosinophile Granulozyten – daher auch der Name eospinophile Ösophagitis.

Eosinophile Granulozyten sind spezielle weiße Blutzellen, die auf eine Überempfindlichkeit der Schleimhaut hinweisen. Als Folge des Dauerreizes reagiert die elastische Schleimhaut mit der Bildung von festerem Bindegewebe. Die Beweglichkeit der Speiseröhre vermindert sich nach und nach. Bei fortgeschrittenem Befund kann die versteifte und verengte Speiseröhre sogar einreißen. Dann muss sofort operiert werden. Doch solch schwere Verläufe lassen sich abwenden.

Neue Therapieform erleichtert das Leben

Therapie der Wahl bei einer EÖ ist wie bei vielen anderen Allergien auch das Kortison. Meist wurden bisher kortisonhaltige Asthmasprays eingesetzt, die dann jedoch nicht eingeatmet sondern in den Mund und Rachen gesprüht und heruntergeschluckt wurden. Das allerdings war wenig effektiv, da die Medikamente beim Schlucken relativ schnell durch die Speiseröhre hindurch und in vielen Fällen an den entzündeten Stellen vorbei gingen. Um die Kontaktzeit mit der Speiseröhre zu erhöhen, wurde alternativ auch zähflüssiger Sirup eingesetzt. Keines der Medikamente jedoch war speziell für die EÖ entwickelt worden und wurden außerhalb der normalen Einsatzgebiete eingesetzt – ein so genannter Off-Label-Use. Das Problem dabei: die Kostenübernahme für diese Medikamente erfolgte nach Einzelfallprüfung und war damit Angelegenheit der einzelnen Kostenträger. Jetzt gibt es seit einigen Monaten ein Kortisonpräparat in Form von Schmelztabletten. Diese neue Darreichungsform ermöglicht die Behandlung der entzündeten Stellen direkt in der Speiseröhre. Das Medikament sowie die Betreuung durch eine zertifizierte Ernährungsberaterin werden von der Krankenkasse bezahlt. Bei den meisten Patienten reicht eine kurzfristige Behandlung allerdings nicht aus. Für eine Langzeittherapie werden die Medikamente dann aber niedriger dosiert.
Hilfreich kann auch eine hypoallergene Diät sein, dabei wird empfohlen, auf die häufigsten Nahrungsmittelallergene zu verzichten. Bei der "Six Food Elimination Diet" werden Weizen, Milch, Eier, Soja, Meeresfrüchte und Nüsse vom Speiseplan gestrichen und dann erst nach und nach wieder zugefügt – immer das Auftreten von Beschwerden im Auge behaltend. Allerdings ist diese Diät oft schwer umzusetzen.

Die EÖ ist eine seltene Erkrankung, die aber immer häufiger auftritt. Diese Zunahme beobachten Experten auch bei anderen allergischen Erkrankungen. Und die sind bei Patienten mit EÖ auch häufiger zu finden: Asthma, allergische Rhinitis (Heuschnupfen) Ekzeme und Nahrungsmittelallergien. Daher ist die oberste Devise: bei Verdauungsbeschwerden und Schmerzen in der Speiseröhre an die EÖ denken – insbesondere wenn man bereits unter anderen Allergien leidet. Denn eine frühe Diagnose der EÖ kann helfen, schwere Verläufe zu vermeiden.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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