Junge Frau hält sich den Bauch (Quelle: imago/McPhoto/Baumann)
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- Bakterien im Darm – wie sinnvoll sind die Tests?

Wir sind niemals ganz allein. Billiarden von Bakterien und anderen kleinsten Organismen leben auf und in uns. Sie bevölkern unsere Haut und Schleimhäute, unseren Nasen- und Rachen-Raum und den Verdauungstrakt. Das Gewicht dieses so genannten Mikrobioms: sagenhafte 1,5 Kilogramm.

Die Wissenschaft beginnt erst zu verstehen, welche Bedeutung diese Bakterien für unseren Organismus haben. Im Fokus stehen dabei die Keime, die unseren Darm besiedeln. Die so genannte Darmflora ist nämlich ein wichtiger Teil des menschlichen Stoffwechselsystems.

Tausende verschiedener Keime

Mehr als tausend verschiedene Bakterienarten haben Wissenschaftler in der menschlichen Darmflora bereits gefunden – in immer neuen und individuellen Kombinationen. Vermutlich sind es aber sogar weitaus mehr Keimarten. Dabei hängt die Zusammensetzung von verschiedensten Faktoren ab: dem Alter, dem Geschlecht, der Herkunft und nicht zuletzt natürlich von der Ernährung. Und die Zusammensetzung der Darmflora scheint einen starken Einfluss auf die unterschiedlichsten Erkrankungen zu haben. Forscher stellten fest, dass stark übergewichtige Menschen eine geringere Anzahl unterschiedlicher Bakterienarten haben als schlanke, gesunde Personen. Die Darmflora entscheidet offenbar darüber, ob wir dick werden oder nicht: Überträgt man Darmbakterien einer dicken Maus auf eine dünne, dann nimmt diese auch zu.

Allerdings ist es schwer, diese Ergebnisse zu interpretieren. Denn die einzelnen Bakterienarten können niemals einzeln betrachtet werden, sondern müssen immer im Zusammenhang mit der restlichen Darmflora gesehen werden. Denn wenn ein Bakterium besonders häufig auftritt, treten manch andere in den Hintergrund oder sind überhaupt nicht mehr in der Flora zu finden.

Daher wurde der Begriff Enterotyp definiert, der eine Gruppe bestimmter Bakterien beschreibt. Forscher haben für die Darmbakterien drei Enterotypen definiert, bei denen jeweils unterschiedliche Bakterienarten besonders häufig vorkommen. Das Problem: obwohl sich diese drei Enterotypen klar voneinander unterscheiden lassen, können die Forscher nicht klar definieren, bei welchem Enterotyp besonders häufig bestimmte Erkrankungen oder etwa Übergewicht auftreten.

Klar ist aber: das Mikrobiom hat Einfluss auf das Körpergewicht, auf immunologische Erkrankungen wie etwa chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Asthma oder Allergien und sogar auf das Gehirn. Forscher vermuten, dass die Darmflora auch eine Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose, Parkinson und der Alzheimer-Demenz spielt.

Tests für die Darmflora: nicht empfehlenswert

Nicht nur bei Verdauungsproblemen werden den Betroffenen daher nicht selten Tests angeboten, die die Keime im Darm bestimmen. Doch was bedeuten die Ergebnisse zur Bakterienbesiedlung und wie sinnvoll sind diese Tests?

Darmflora-Stuhltests werden ab 80 Euro angeboten. Doch sie sind umstritten, denn die Ergebnisse sind nicht immer aussagekräftig. Der Test erkennt viele Bakterien gar nicht oder nur ungenau, denn nur ein Bruchteil der Keime unserer Darmflora kann überhaupt außerhalb des menschlichen Körpers angezüchtet werden. Oft genug liefern dann auch zwei verschiedene Labore unterschiedliche Ergebnisse aus der gleichen Stuhlprobe.

Zudem zeigt ein solcher Test immer nur eine Momentaufnahme. Denn nicht nur von Mensch zu Mensch gibt es Unterschiede. Auch innerhalb eines Darmes kann die Flora an unterschiedlichen Stellen eine unterschiedliche Zusammensetzung zeigen. Nicht zuletzt ist die Zusammensetzung der Flora kein starres Gebilde, sondern ändert sich von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde.

Das allerdings weitaus größte Problem solcher Test ist aber, aus der Analyse der Darmflora irgendwelche Handlungsanweisungen abzuleiten. Noch ist viel zu wenig bekannt über die Bedeutung der einzelnen Bakterienarten und deren individuelle Zusammensetzung. Und nicht immer hat die Zusammensetzung des Mikrobioms etwas mit den individuellen Krankheitssymptomen zu tun. Ernährungs- und Handlungsempfehlungen auf Basis solcher Analysen fehle den Fachgesellschaften zufolge die wissenschaftliche Grundlage. Und diese Ernährungsempfehlungen schränken nicht nur die Lebensqualität des Patienten ein, im schlimmsten Fall können sie sogar zu einer Mangelernährung führen.

Anders sieht es mit anderen Stuhltests in der Gastroenterologie aus. In der Darmkrebsvorsorge sind sie sehr sinnvoll, um etwa verstecktes Blut im Stuhl auf zu spüren. Auch Tests auf krankmachende Keime wie etwa Salmonellen oder Clostridien sind bei entsprechenden Symptomen zuverlässig und sinnvoll. Bei unspezifischen Verdauungsbeschwerden hingegen sind Ultraschalluntersuchungen oder eine Darmspiegelung die sinnvolleren Untersuchungen als ein unspezifischer Test, der vom Patienten zuhause gemacht wird.

Die Darmflora unterstützen

Dennoch kann man auch selber etwas für seine Darmflora tun. Durch die Auswahl seiner Nahrungsmittel. So fördern Gemüse und Vollkornprodukte eine gesunde Darmflora. Bei der Verdauung von komplexen pflanzlichen Kohlenhydraten entstehen andere Stoffe als bei der von Aminosäuren und Fetten aus Fleisch oder Milchprodukten. Pflanzliche ballaststoffreiche Kost kann so die Darmflora verbessern und das hat dann auch positive Auswirkungen auf das Gehirn und auf das Immunsystem. Das menschliche Darm-Mikrobiom ist in der Lage, 500.000 verschiedene Metaboliten zu produzieren darunter Hormone und Neurotransmitter. Deshalb beeinflusst eine darmfreundliche Ernährung zahlreiche Körperfunktionen.

Allerdings muss jeder individuell überprüfen, was er am besten verträgt. Salat ist keine leicht verdauliche Kost, manche Menschen vertragen sie nicht so gut. Grüner Blattsalat ist noch relativ verträglich, aber vor allem in der Kombination mit viel rohem Gemüse und insbesondere am Abend kann er bei empfindlichen Menschen zu Verdauungsproblemen führen.

Manchmal hilft dann kurzes Erhitzen oder eine Umstellung auf warme Küche. Eine Ernährung nach den Prinzipien der Ayurveda-Medizin kann hilfreich sein – warm, regelmäßig und leicht verdaulich, lautet dort der Grundsatz. Viele verdauungsfördernde Gewürze wie Koriander, Kreuzkümmel und Fenchel kommen zum Einsatz, auch sie tun dem Darm gut.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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