Impfspritze mit Schatten Grippe (Quelle: imago/Christian Ohde)
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- Grippeschutz – auch gut fürs Herz?

Schon seit Jahren wird Herz-Kreislauf-Patienten eine regelmäßige Grippeschutzimpfung empfohlen. Dieser Patientenkreis gilt als eine von mehreren Risikogruppen. Doch die Impfquoten seien nach wie vor zu niedrig, beklagt etwa die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie. Dabei kann eine Grippeschutzimpfung das Risiko für einen Herzinfarkt verringern.

Jedes Jahr rauscht die Grippewelle wieder über das Land. Im letzten Jahr war sie besonders heftig: Fast 340.000 Menschen erkrankten nachweislich an einer Grippe. Die Zahl der tatsächlich Betroffenen dürfte aber noch weit darüber liegen, denn nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt und nicht jede Arztpraxis schickt Erregerproben ins Labor. Allein in der Hauptstadt Berlin kam es laut dem Robert Koch-Institut zu 1100 zusätzlichen Todesfällen. Vielen Betroffenen ging es so schlecht, dass sie auf der Intensiv-Station behandelt werden mussten.

Die Influenza oder "echte" Grippe ist eine schwere Erkrankung, die durch plötzlich auftretendes hohes Fieber über 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schweißausbrüche, allgemeine Schwäche, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und trockenen Reizhusten gekennzeichnet ist. Meist ist der Beginn der Erkrankung im Vergleich zu einer Erkältung deutlich akuter und der Verlauf heftiger. Im Vordergrund stehen Fieber und Krankheitsgefühl - die klassischen Erkältungssymptome wie Husten und Schnupfen sind weniger ausgeprägt und können sogar vollkommen fehlen.

Künftig bessere Vierfach-Impfstoffe

Das Problem: Grippeviren sind besonders wandelbar und verändern sich von Jahr zu Jahr. Deshalb schützt auch eine durchgemachte Grippe nicht vor neuerlichen Infektionen. Jeden Winter sind mehrere und immer andere Virentypen gleichzeitig aktiv. Darum muss auch jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden und die Grippeimpfung muss jedes Jahr wiederholt werden.

Es gibt unterschiedliche Impfstoffe auf dem Markt - unter anderem einen Dreifach- und einen Vierfach-Impfstoff. Der Dreifach-Impfstoff wirkt gegen drei unterschiedliche Stämme der Grippeviren, der Vierfach-Impfstoff gegen vier unterschiedliche Stämme. Erstmals in diesem Jahr hat sich die Ständige Impfkommission (STIKO) festgelegt, welchen Impfschutz sie für sinnvoller hält - nach jahrelangen Diskussionen unter Experten. Sie empfiehlt den Vierfachimpfstoff, der damit auch von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt wird.

Zuletzt ging durch die Medien, dass die Impfstoffe bereits knapp werden. Das dafür zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) kann diesen Engpass bislang nicht bestätigen, vermutet aber, dass die Impfseren deutschlandweit ungleich verteilt wurden. Um dies bestätigen zu können, ruft das PEI Angehörige der Heilberufe sowie Verbraucherinnen und Verbraucher auf, über ein spezielles Meldeformular mitzuteilen, wenn ein Grippeimpfstoff nicht verfügbar ist. Falls es also nun tatsächlich eine Minderversorgung in einzelnen Regionen gibt, könnten entsprechende Massanhemn angeregt werden, wie beispielsweise eine Umverteilung.

Nach Modellrechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) können durch diese Vierfach-Impfung gegen Grippeviren etwa 270 000 Grippeerkrankungen verhindert und mehr als 100 000 Arztbesuche unnötig werden. Vor allem chronisch kranke Menschen profitieren von der Grippeimpfung - so etwa Patienten mit Herzerkrankungen. Denn ältere Menschen und chronisch Kranke sind besonders gefährdet für schwere oder sogar tödliche Verläufe der Influenza.

Impfung schützt vor mehr als nur der Grippe

Zu den gefürchteten Komplikationen der Influenza gehören Entzündungen des Herzmuskels oder des Gehirns. Schon seit Jahren warnt die Deutsche Herzstiftung vor Folgeerkrankungen der Grippe wie Herzmuskelentzündung mit späterer Herzschwäche. Die tritt bei gut fünf Prozent aller viralen Infekte auf, zu denen eben auch die Grippe zählt. Durch die Herzmuskelentzündung kann das Herz vorübergehend oder dauerhaft geschwächt werden. Das Problem: die Beschwerden bei einer Herzmuskelentzündung sind meist wenig wegweisend: Müdigkeit, Leistungsverfall und Fieber, später dann Atemnot, Wasseransammlungen in den Beinen und Brustschmerzen. Bereits bei geringer körperlicher Belastung kann es dann zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen.

In den meisten Fällen heilt die Herzmuskelentzündung nach einer Grippe folgenlos wieder aus, wenn auch die Grippe überwunden ist. Aber bei drei von zehn Betroffenen bleibt eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Herzschwäche zurück.

Weniger bekannt ist der Zusammenhang zwischen der Grippe und dem Herzinfarkt. Den zeigt unter anderem eine Studie, die Anfang 2018 im renommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Demnach ist vor und nach einer Grippe das Herzinfarktrisiko deutlich erhöht. Warum es vermehrt zu Herzinfarkten im Zusammenhang mit einer Grippe-Infektion kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich führt die Abwehrreaktion des Körpers auf die Grippeviren dazu, dass sich Kalkablagerungen in den Blutgefäßen, die so genannten Plaques, von den Innenwänden der Gefäße ablösen und die Herzkranzgefäße verstopfen.
Der Grippeimpfung räumen einige Experten daher eine ebenso große Bedeutung zur Vermeidung von Herzinfarkten ein wie der Senkung des Blutdrucks, der erhöhten Blutfettwerte und einem Rauchstopp.

Vorbeugen ist das A und O

Um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden, sollte eine Grippe immer auskuriert werden. Auf schwere Körperliche Arbeit und Sport sollte während der Infektion verzichtet werden.

Welche der unzähligen Virenstämme genau in den jeweiligen Impfstoff kommen, wird jeweils von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Dabei müssen die Experten sozusagen in eine Glaskugel blicken und prognostizieren, welches Virus in der anstehenden Saison besonders aktiv sein wird. Nicht immer liegen sie damit haargenau richtig. Aber auch wenn der Schutz nicht bei jedem vollständig ist, verläuft die Erkrankung bei Geimpften in der Regel weniger schwer als bei Nicht-Geimpften. Außerdem gilt: Je mehr Menschen sich impfen lassen, umso besser. Denn jeder Geimpfte ist eine Hürde für das Virus, sich weiter auszubreiten. Dieser so genannte Herdenschutz ist besonders wichtig für Menschen, die nicht geimpft werden können: Neugeborene, Patienten mit Immunschwächen oder solche, die aufgrund anderer Erkrankungen Immunsuppressiva - das sind Substanzen, die die Funktionen des Immunsystems vermindern - einnehmen müssen.

Als guter Schutz vor einer Ansteckung mit Viren gilt häufiges und gründliches Händewaschen. Etwa 40 Mal am Tag fassen wir uns täglich ins Gesicht. So übertragen wir Keime auf Handläufe, Türklinken und Co. Gründliches Händewaschen reduziert das Infektionsrisiko um bis zu 50 Prozent. Gründlich bedeutet: mit Seife rund 30 Sekunden lang. Das ist länger, als so mancher denken würde. Wer dabei zweimal das Lied "Happy Birthday" vor sich hinsummt, kommt auf knapp 30 Sekunden. Und bekommt nebenher gute Laune.

Filmbeitrag: Stefan Sperfeld
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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