Frau beim Augenarzt (Quelle: imago/Westend61)
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Krankhafte Veränderung der Netzhaut - Das diabetische Auge

Bei Diabetikern sind Gefäße in allen Teilen des Körpers in Mitleidenschaft gezogen - auch im Auge. Sehstörungen wie unscharfes Sehen, Verzerrungen, kleine Punkte im Sichtfeld aber auch eine veränderte Hornhaut oder ein geschädigter Sehnerv sind typische Diabeteskomplikationen. Jedes Jahr erblinden 2.000 Menschen infolge ihrer Zuckerkrankheit. Die rbb Praxis zeigt, wie das Augenlicht speziell bei einer diabetischen Retinopathie gerettet werden kann.

Häufigste Ursache für Sehstörungen bei Diabetikern sind Gefäßveränderungen in der Netzhaut, der Retina, die sogenannte diabetische Retinopathie. Die Erkrankung ist zugleich auch die häufigste Erblindungsursache bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren in Europa und Nordamerika. Schreitet die Krankheit unbehandelt fort, sind gefährliche Blutungen im Auge, eine Netzhautablösung oder eine Erblindung möglich.

Die Diagnose ist relativ einfach, denn der Augenarzt hat am Auge einen direkten Blick auf die geschädigten Gefäße und Strukturen. Anders als bei Herz oder Nieren kann er die Gefäßschäden direkt sehen: geplatzte Gefäße, winzige Aussackungen, die reißen und Blutungen verursachen, Gefäße, die zusätzlich wachsen und aus denen es ebenfalls bluten kann.

Lange unbemerkt, dann mit vielen Symptomen

Zunächst entwickelt sich die Retinopathie meist unbemerkt, lange bevor sich die Sicht der Betroffenen verschlechtert. Bei jedem dritten Menschen mit Typ-2-Diabetes ist die Sehzellschicht schon angegriffen, wenn der erhöhte Zucker überhaupt erst entdeckt wird.
Besonders tückisch: Die Beschwerden treten oft erst auf, wenn die "Stelle des schärfsten Sehens", die sogenannte Makula, in der Netzhautmitte bereits unwiederbringlich in Mitleidenschaft gezogen ist.

Die typischen Anzeichen einer beginnenden Retinopathie sind vielfältig: Die Sicht verschwimmt, die Sehschärfe nimmt ab, die Betroffenen haben Probleme beim Lesen, das Farbsehen verändert sich oder kleine dunkle Rußpartikel schwimmen vor den Augen. Im Auge treten punktförmige Netzhauteinblutungen auf; es bilden sich neue, teilweise undichte Gefäße. Für die Entstehung dieser Gefäße ist der Botenstoff Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) verantwortlich. Das Signalmolekül kann auch Ödeme verursachen, Flüssigkeitsschwellungen der Netzhaut im zentralen Bereich. Die Folge: die Netzhaut wird verdickt, die Sehrezeptoren geschädigt.

Individuelle Therapie

Der Augenarzt behandelt die diabetische Netzhauterkrankung abhängig vom Stadium. Allen Ansätzen gemein ist, dass eine Behandlung nur dann erfolgreich ist, wenn der Diabetes als Grunderkrankung richtig und konsequent therapiert wird. Eine sprichwörtliche "Heilung" ist genauso wie eine Heilung des Diabetes selbst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich.

Bei der Lasertherapie werden sowohl überschüssige Gefäße "verödet" als auch die Bildung des Wachstumsfaktors eingeschränkt. Infolge des Lasereingriffs sinkt der Anreiz für Gefäße, weiter zu wuchern. Der Nachteil der Methode: Die Augenärzte müssen den zentralen Bereich, da also, wo der Sehnerv sitzt, auslassen, da das Risiko groß ist, die Makula zu verletzen.

Inzwischen gibt es auch eine medikamentöse Möglichkeit, das Fortschreiten der Sehstörungen zu verhindern. Moderne Medikamente, sogenannte Anti-VEGF Substanzen, wirken diesen Gefäßneubildungen entgegen und sorgen dafür, dass die ausgetretenen Flüssigkeit abnimmt. Auch Kortikosteroide werden für diesen Zweck verwendet. Die Gabe von Medikamenten ins Auge kann die Sicht in vielen Fällen verbessern oder zumindest stabilisieren und Langzeitkomplikationen vermeiden. Für die Injektion wird das Auge mit Tropfen betäubt; die Prozedur selbst dauert nur wenige Sekunden. Die Injektionen müssen im Abstand von vier Wochen mehrmals wiederholt werden.

Bei Einblutungen in das Auge und Vernarbungen mit Netzhautablösung bleibt oft nur die sogenannte Vitrektomie, also die operative Entfernung des Glaskörpers. Der Glaskörper wird durch Gas oder Silikonöl ersetzt, um die Netzhaut wieder zu befestigen, da sie nur durch den Druck des Glaskörpers in ihrer Lage gehalten wird.

Was die Patienten selbst tun können

In den Wochen zwischen den Injektionen können Patienten die Therapie und die Verbesserung ihrer Sehkraft unterstützen: durch das Einhalten der Diät-Empfehlungen, Verzicht auf Nikotin- und übermäßigen Alkoholgenuss und die Kontrolle der Blutzucker- aber auch der Blutdruckwerte.

Noch besser ist es, wenn es gar nicht so weit kommt: Der regelmäßige Gang zum Augenarzt inklusive der Kontrolle der Netzhaut ab Beginn der Diabetesdiagnose schützt vor bleibenden Sehstörungen und der Erblindung. Und nur die frühe Diagnose der Retinopathie erlaubt eine erfolgreiche Behandlung.

Diese Faktoren verschlechtern die Prognose

Die Forscher ermittelten Risikofaktoren, die das Fortschreiten von Augenerkrankungen bei Diabetes begünstigen:
• eine schlechte Diabeteskontrolle bei Behandlungsbeginn
• eine zu intensive Senkung des Langzeitblutzuckerwertes
• eine lang bestehende Diabeteserkrankung
• eine fortgeschrittene diabetesbedingte Augenerkrankung bei Behandlungsbeginn.

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Constanze Löffler

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