Frau kratzt gerötete Haut am Arm (Bild: Colourbox)
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- Plötzlicher Hautausschlag - was steckt dahinter?

Wenn der Job krank macht, stehen Hauterkrankungen ganz oben auf der Liste. Eine der häufigsten berufsbedingten Hauterkrankungen ist das chronische Handekzem. Wie wird es diagnostiziert? Und wie kann man seine Hände davor schützen? Die rbb Praxis informiert.

In Deutschland ist das Kontaktekzem weit verbreitet: Schätzungsweise sieben Millionen Menschen leiden daran. Besonders häufig sind Kontaktallergien gegen Chemikalien, Metalle, Duft- und Konservierungsstoffe. Oft trifft die Kontaktallergie die Hände, denn sie kommen besonders häufig mit Fremdstoffen in Berührung. Doch die Haut kann überall nässen, schwellen oder reißen, wo sie mit einem allergenen Stoff in Berührung kommt.

Häufiger Auslöser: Beruf

Häufig ist der Beruf dafür verantwortlich: Friseure kommen täglich mit Färbemitteln in Kontakt, Floristen mit Pflanzenschutzmitteln, Maurer mit Kobaltchlorid in Zement, Beschäftigte der Heil- und Pflegeberufe mit Duft- und Konservierungsstoffen in Cremes und Shampoos. Bei Ärzten und Pflegern bereiten nicht selten die Latexhandschuhe Probleme. Einsamer Spitzenreiter unter den Allergenen für eine Kontaktallergie: Nickel. Allein in Europa reagieren aktuellen Schätzungen zufolge 65 Millionen Menschen allergisch auf das Metall, das in Gürtelschnallen, Münzen oder Uhren verarbeitet ist. Die Folgen sind unübersehbar: Die Haut ist geschwollen, gerötet und schuppig. Mit der Zeit kann die Haut an den Händen sogar einreißen, dann wird es richtig schmerzhaft. Hautveränderungen an sichtbaren Stellen an den Händen lösen zudem bei vielen Patienten Schamgefühle und Ausgrenzungsangst aus.

Ab wann wird das Problem chronisch?

Von einem chronischen Handekzem sprechen Fachleute, wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen bestehen, in dieser Zeit immer wieder auftreten oder überhaupt nicht abheilen. Drei Ursachen spielen bei der Entstehung des chronischen Handekzems eine Rolle:

• übermäßiger Wasser- und Reizstoffkontakt
• Kontaktallergien
• erblich bedingte Neigung des Immunsystems, auf an sich harmlose Umweltsubstanzen überempfindlich zu reagieren

Epikutantest für eine sichere Diagnose

Kontaktallergien werden mit dem Epikutantest nachgewiesen. Zunächst wählt der Arzt sinnvolle Allergene aus den vorhandenen Testsubstanzen aus. Dabei hilft ihm das Gespräch mit dem Patienten, bei dem es darum geht, welcher Gegenstand oder welche Substanz das Kontaktekzem hervorgerufen haben könnte. Ist es durch Stoffe in Textilien ausgelöst worden, befindet es sich meistens dort, wo der Kontakt zum Kleidungsstück sehr eng ist, also im Achsel- oder Leistenbereich. Ekzeme an den Händen sind oft durch den häufigen Kontakt mit dem Allergen im Beruf ausgelöst. Der Arzt gibt die ausgewählten Testsubstanzen auf die gesunde Rückenhaut auf und klebt sie mit speziellen Pflastern fest.

Nach 24 bis 48 Stunden wird das Testpflaster wieder entfernt. Der Arzt liest die Ergebnisse zum ersten Mal ab. Weitere ein bis zwei Tage später findet eine zweite Ablesung statt. Manchmal ist es sinnvoll, nach weiteren zwei bis vier Tagen ein drittes Mal zu kontrollieren. Denn einige Allergene führen erst mit einer Verzögerung von fünf bis sieben Tagen zu einer Reaktion. Bis zu dieser letzten Kontrolle sollte die Testperson weder duschen noch stark schwitzen, da in beiden Fällen die Testsubstanz ausgespült werden könnte. Der Nachweis für die Kontaktallergie ist erbracht, wenn das getestete Hautareal eine ekzemartige Veränderung zeigt.

Das kann helfen

Die Auslöser meiden und bei aufflammenden Entzündungen kurzzeitig kortisonhaltige Cremes verwenden: Das sind die wichtigsten Tipps der Experten für Betroffene. Wichtig ist auch die Rückfettung der Haut mit duftstoff- und konservierungsstofffreien Cremes und Salben. Zusätzlich können eine Lichttherapie oder in besonders schweren Fällen eine medikamentöse Behandlung mit kortisonhaltigen Tabletten helfen, die wiederum ggf. mit bestimmten Antibiotika kombiniert werden. Seit 2008 ist auch eine mit Vitamin A verwandte Substanz für die Behandlung des chronischen Hautekzems zugelassen. Der Wirkstoff kann Entzündungen lindern und bestimmte Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems bremsen.

Abhilfe im Beruf - wie kann es gehen?

Wer beruflich mit den Allergenen Kontakt hat, kann den Arbeitgeber bitten, Ersatzstoffe zu verwenden. Wer in seinem Beruf weiterarbeiten will muss Handschuhe tragen, wenn Ersatzstoffe nicht verfügbar sind. Das können je nach Bedarf Baumwoll- oder allergenarme Kunststoffhandschuhe seine. Damit Handschuhe wirklich schützen, kommt es auf die Wahl des richtigen Modells und auf den korrekten Umgang damit an. Zehn Tipps zum Thema:

• Für Arbeiten mit Wasser, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln am besten Haushaltshandschuhe mit langen Stulpen verwenden: Sie sind wasserdicht, häufig auch chemikalienbeständig und können mehrmals verwendet werden.
• Puderfreie Modelle wählen: Gepuderte Handschuhe, vor allem aus Naturlatex, können Allergien auslösen. Außerdem reibt der Puder auf der Haut.
• Latexfreies Material bevorzugen: Auch ohne Puder birgt Naturlatex eine höhere Allergiegefahr als beispielsweise synthetischer Nitrilkautschuk.
• Die Enden der Stulpen nach außen umschlagen: So läuft keine Flüssigkeit über die Unterarme in die Handschuhe hinein.
• Handschuhe nur auf trockene Hände ziehen: Wenn die Hände oder die Innenseiten der Handschuhe feucht sind, weicht die natürliche Schutzschicht der Haut auf.
• Vorab eine schnell einziehende Schutzcreme auftragen: Sie unterstützt die Barrierefunktion der Haut.
• Auf kurze Tragezeit achten: Nach einer Weile fängt die Haut in Handschuhen zu schwitzen an. Dann besser eine Tätigkeit einschieben, die keine Handschuhe erfordert.
• Bei unvermeidbar längeren Tragezeiten dünne Baumwollhandschuhe unterziehen: Sie saugen den Schweiß auf.
• Wieder verwendbare Haushaltshandschuhe nach Gebrauch abspülen und zum Trocknen aufhängen: So werden sie wieder einsatzbereit. Sind sie beschädigt, ist ein Austausch fällig.
• Hände pflegen: In Pausen und nach getaner Arbeit unterstützt eine pflegende Lotion die Regeneration der Haut.

Filmbeitrag: Britta Wulf
Infotext: Constanze Löffler

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