3D-Grafik einer entzündeten Lunge (Bild: Colourbox)
Colourbox
Bild: Colourbox

- Impfung gegen Lungenentzündung

Je älter wir werden, desto älter wird auch unser Immunsystem - und kann sich gegen Viren und Bakterien schlechter wehren. Dadurch steigt die Gefahr für die gefährliche Lungenentzündung, gerade wenn der Organismus von einer Grippe oder Erkältung geschwächt ist. In jedem zehnten Fall verläuft eine bakterielle Lungenentzündung tödlich - ein Risiko, das sich durch eine Pneumokokken-Impfung deutlich senken lässt.

Jedes Jahr erkranken 750.000 Menschen an einer ambulant - also nicht im Krankenhaus erworbenen - Lungenentzündung, ausgelöst durch Bakterien und Viren. Knapp 300.000 Patienten kamen 2016 deswegen ins Krankenhaus, im Schnitt verstarb jeder zehnte an der Lungeninfektion. Nur zum Vergleich: Das sind zehnmal mehr Menschen, als es im gleichen Jahr Verkehrstote gab.

Viele erkranken in Verbindung mit einer anderen Krankheit wie Diabetes, Influenza oder COPD - aber eben längst nicht alle. Laut dem Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU) - ist die Pneumonie in Westeuropa unter allen Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache.

Keine eindeutigen Anzeichen

Erfahrene Fachärzte stellen eine Lungenentzündung schon beim Abhören fest. Doch unspezifische Symptome wie starker Husten, Atemnot, Fieber, Abgeschlagenheit führen oft dazu, dass Ärzte statt einer Lungenentzündung eine Bronchitis oder eine Grippe diagnostizieren. Insbesondere bei Patienten, die vorher bereits an den Atemwegen erkrankt waren, wird eher ein Rückfall und nicht gleich eine Lungenentzündung vermutet. Im Zweifel bringt ein Röntgenbild Klarheit.

Gefährdete Personengruppen

Besonders aufmerksam sollten Ärzte bei bestimmten Personengruppen nach einer bakteriellen Lungenentzündung mit Pneumokokken forschen. Anfällig dafür sind:

• Patienten, die älter als 60 Jahre sind,
• Kinder,
• Menschen mit einer geschwächten Abwehrlage,
• Erkältungs- und Grippepatienten,
• Patienten mit chronischen Erkrankungen des Herzens oder der Lunge,
• Diabetiker und
• Patienten mit bestimmten neurologischen Krankheiten.

Wer aus dieser Gruppe nicht geimpft ist, kann sich kaum vor einer Ansteckung schützen. Denn bei der bakteriellen Lungenentzündung können auch Menschen die Krankheitserreger weitergeben, bei denen die Lungenentzündung gar nicht ausgebrochen ist. Einmal Niesen reicht schon, um die Erreger zu verbreiten.

Meist sind Pneumokokken schuld

Pneumokokken sind in Europa die häufigsten Erreger bakterieller Lungenentzündungen. Daneben gibt es zahlreiche andere bekannte Erreger. Für alle gilt: Je schwächer das Immunsystem, umso heftiger reagiert es auf eine Infektion. Deshalb ist beim Verdacht auf eine bakterielle Lungenentzündung eine schnelle Antibiotikatherapie notwendig. Verzögert sich der Therapiebeginn, kann das die Prognose dramatisch verschlechtern. Bewährte Antibiotika, etwa zehn Tage genommen, reichen in der Regel aus, um die Infektion auszukurieren. Die Antibiotika-Therapie muss dabei konsequent bis zum Ende fortgeführt werden. Sonst drohen Rückfälle und es besteht die Gefahr zur Resistenzentwicklung.

Bessert sich innerhalb von 48 Stunden die Situation nicht, muss mittels:

• Bronchoskopie,
• Untersuchungen des schleimigen Auswurfs oder
• Computertomographie

nach selteneren Auslösern und Ursachen geforscht werden.

Impfen schützt

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Pneumokokken-Schutzimpfung vor allem Senioren und anderen gefährdeten Risikogruppen:

• Kinder unter zwei Jahren,
• Menschen ab 60 Jahren sowie
• Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten wie Immunschwäche oder chronischen Krankheiten von Herz und Lungen.

Infos im Netz

Umstrittene Empfehlung

Die STIKO empfiehlt seit 2016 allen Personen ab 60 Jahre die Impfung mit dem 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23). Der Impfstoff wird aus Zuckern der Bakterienhülle hergestellt und schützt vor 23 Pneumokokken-Typen. Im Vergleich zum zweiten zugelassenen Serum, dem Konjugatimpfstoff PCV13, soll er ein breiteres Spektrum der insgesamt über 90 Pneumokokken-Typen abdecken.

Ob das sinnvoll und nötig ist und wie gut PPSV23 tatsächlich wirkt, ist strittig. Die Empfehlung der STIKO hat auch deshalb zur Diskussion geführt, da sie im Widerspruch durch S3-Behandlungsleitlinie steht. Sowohl die STIKO- als auch die S3-Leitlinien-Empfehlungen erheben den Anspruch, streng evidenzbasiert zu sein.

Die STIKO hält die Auffrischung mit einem Mindestabstand von sechs Jahren für sinnvoll. Die Pneumokokken-Impfung von Erwachsenen kann zeitgleich mit der Grippe-Impfung durchgeführt werden.

Weitere Impfstoff-Empfehlungen der STIKO lauten:
• Reifgeborene Säuglinge erhalten drei 3 Impfdosen PCV13 im Alter von zwei, vier und elf bis 14 Monaten.
• Eine aufeinander folgende Kombination der beiden Impfstoffe PCV 13 und PPSV23 bekommen Menschen mit einer Immunschwäche einschließlich einer Leber- oder Niereninsuffizienz sowie Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Pneumokokken-Meningitis.
• Personen ≥ 16 Jahre mit chronischen Erkrankungen, aber ohne Immunschwäche bekommen PSV23.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

weitere Themen der Sendung

Drei Flaschen Putzmittel (Bild: imago/McPhoto)
imago/McPhoto

Putzmittel - Gefahr für Lunge und Haut

Wer zu viel putzt, kann früher sterben - das ist kein verspäteter Aprilscherz. Wissenschaftler der norwegischen Universität Bergen haben festgestellt, dass das Sterberisiko bei professionellen Reinigungskräften um bis zu 45 Prozent höher liegt, als bei Büroangestellten. Ein häufiger Grund: giftige Dämpfe, welche die Lungen angreifen. Wir verraten, wie Sie sich schützen.

Frau kratzt gerötete Haut am Arm (Bild: Colourbox)
Colourbox

Plötzlicher Hautausschlag - was steckt dahinter?

Wenn der Job krank macht, stehen Hauterkrankungen ganz oben auf der Liste. Eine der häufigsten berufsbedingten Hauterkrankungen ist das chronische Handekzem. Wie wird es diagnostiziert? Und wie kann man seine Hände davor schützen? Die rbb Praxis informiert.

Junge Hand hält alte Hand (Bild: colourbox)
Colourbox

Palliativversorgung in Brandenburg

Für das Lebensende wünschen sich die meisten Menschen: die letzten Wochen, Tage und Stunden zu Hause bei den Liebsten zu verbringen. Die Realität sieht oft anders aus: Viele erleben ihre letzte Lebenszeit in Kliniken oder Heimen. Doch das muss nicht sein: in Brandenburg gibt es für Schwerkranke eine "Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung" (SAPV), die eine intensive Betreuung im letzten Lebensabschnitt zu Hause ermöglicht.

Tabletten auf blauem Tischtuch (Bild: imago/CTK/CandyBox)
imago/CTK/CandyBox

ASS - gefährlicher als gedacht?

Acetylsalicylsäure (ASS), besser bekannt als Aspirin, kommt nicht nur als Schmerzmittel zum Einsatz - in niedriger Dosierung von 100 Milligramm kann es auch Herzinfarkte verhindern. Trotzdem sollte nicht jeder die Pille wahllos schlucken, denn der Schmerzkiller wirkt auch blutverdünnend und kann gefährliche Blutungen auslösen, so eine aktuelle Studie.

weitere beiträge

Spritze für eine Impfung (Quelle: imago/blickwinkel)
imago/blickwinkel

Neue Impfung gegen Gürtelrose

Wer irgendwann einmal die Windpocken hatte, muss Jahrzehnte später mit ihr rechnen: der Gürtelrose. Eine äußerst schmerzhafte Nervenerkrankung, die auch chronisch werden kann. Der Auslöser: Windpocken-Viren, die sich nach ausgestandener Erkrankung ein Leben lang in den Nervenwurzeln verstecken. Je schwächer unser Immunsystem wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Viren wieder aktiv werden und sich eine Gürtelrose entwickelt. Das Problem: gerade für immungeschwächte Menschen war die bisherige Impfung nicht geeignet. Ein völlig neuer Impfstoff soll helfen. Aber wie wirksam ist er? Und wer sollte sich impfen lassen? Die rbb Praxis klärt auf.

Frau formt ein herz mit ihren Händen (Quelle: imago/Westend61)
imago/Westend61

rbb Praxis Feature - Frauenherzen schlagen anders - mit lebensgefährlichen Folgen?

Frauen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Männern und auch ihre Herzen sind alles andere als gleich: Frauenherzen sind im Schnitt kleiner und schlagen schneller. Die Symptome eines Herzinfarktes können bei Frauen ganz anders sein und manche Herzmedikamente führen zu stärkeren Nebenwirkungen. Die Missachtung dieser Unterschiede kann lebensgefährliche Folgen haben.  

Tuberkolose in Rötgenbild (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Tuberkulose

Hierzulande schien sie ausgerottet – doch die Tuberkulose kehrt zurück. Die Zahl der Erkrankungen in Deutschland steigt deutlich. Die Behandlung erfolgt vor allem medikamentös in der Klinik. Aber was passiert mit denjenigen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber noch ansteckend sein können? Wir haben einen Berliner getroffen, der über ein Jahr zu Hause in Quarantäne war.