Drei Flaschen Putzmittel (Bild: imago/McPhoto)
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- Putzmittel - Gefahr für Lunge und Haut

Wer zu viel putzt, kann früher sterben - das ist kein verspäteter Aprilscherz. Wissenschaftler der norwegischen Universität Bergen haben festgestellt, dass das Sterberisiko bei professionellen Reinigungskräften um bis zu 45 Prozent höher liegt, als bei Büroangestellten. Ein häufiger Grund: giftige Dämpfe, welche die Lungen angreifen. Wir verraten, wie Sie sich schützen.

Luftnot, Allergien, rissige Hände - Auslöser dieser Beschwerden können Putzmittel sein. Rund 60.000 Reinigungsmittel sind nach Angaben der EU-Kommission in der EU auf dem Markt. Haushalte in Deutschland haben im Schnitt 15 verschiedene Reiniger im Haus. Die gängigen Reinigungsmittel enthalten zahlreiche chemische Substanzen. Immer wieder warnten Experten vor möglichen schädlichen Inhaltsstoffen - mit fraglichen Folgen für die Gesundheit.

Welche gesundheitlichen Risiken von den Mitteln wirklich ausgehen, darüber war bislang wenig bekannt. Anfang des Jahres haben Wissenschaftler der norwegischen Universität Bergen in einer Langzeitstudie festgestellt: Menschen, die viel putzen, haben eine deutlich schwächere Lunge als jene, die nie putzen.

Lungenfunktion deutlich beeinträchtigt

Die Studie beobachtete 6.230 Personen über den Zeitraum von 20 Jahren. Zu Beginn der Studie waren sie im Durchschnitt 34 Jahre alt. Fast alle haben regelmäßig geputzt, viele davon hauptberuflich. Nach 20 Jahren stellten die Wissenschaftler fest, dass die Lungenfunktion bei vielen beeinträchtigt war. Den stärksten Abfall der Lungenfunktion hatten die Personen, die als Reinigungskräfte arbeiteten.

Sprühnebel wird automatisch eingeatmet

Das Ergebnis kommt wenig überraschend: Viele Reinigungsmittel werden gesprüht. Der feine Sprühnebel wird eingeatmet, gelangt auf die Schleimhaut und landet in den Bronchien. Das führt zu einer chemischen Schädigung der Schleimhaut. Putzmittel erhöhen dadurch auch das Risiko, an Asthma zu erkranken. Menschen, deren Lunge schon vorher vorgeschädigt war - wie zum Beispiel Asthmatiker - reagieren oft mit akuter Luftnot auf Reinigungsmittel.

Experten im Beitrag

Säureschutzschicht der Haut wird geschädigt

Die Lunge ist nicht das einzige Organ, das leidet. Viele Menschen bemerken zuerst Hautveränderungen an ihren Händen. Viele Inhaltsstoffe sind bei direktem Hautkontakt schon in geringen Mengen schädlich, denn die scharfen Reinigungsmittel können nicht zwischen Bakterienzellen auf dem Klo oder Waschbecken und den Hautzellen unterscheiden. So wird die Säureschutzschicht der Haut geschädigt.

Tipps zum Schutz beim Putzen

Der Kontakt mit Reinigungsmitteln und so auch die Gefahren, die daraus resultieren, lassen sich minimieren:

• Handschuhe und Mundschutz beim Reinigen tragen,
• nur einen, nicht mehrere Reiniger gleichzeitig nutzen,
• beim Putzen gut lüften,
• statt chemischem Reiniger ein Mikrofasertuch mit Wasser oder einem Spritzer Neutralreiniger benutzen.

Filmbeitrag: Ulrike Heimes
Infotext: Constanze Löffler

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